Teure Policen

Hamburger Verbraucherschützer warnen vor Reiseversicherungen

Wer unaufgefordert Post von der Flug Ambulanz Service-Vermittlung international (FASI) bekommt, sollte dennoch sicherheitshalber dem Vertrag widersprechen

Wer unaufgefordert Post von der Flug Ambulanz Service-Vermittlung international (FASI) bekommt, sollte dennoch sicherheitshalber dem Vertrag widersprechen

Foto: Oliver Berg / dpa

Viele Hamburger bekommen per Post teure Policen untergeschoben. Was Betroffene beachten sollten.

Hamburg. Viele Hamburger haben in den vergangenen Wochen unaufgefordert Post im Briefkasten gehabt. Der Inhalt der Briefe: Reiseversicherungen. Dabei hatten sie gar keine abgeschlossen. Wenn die Empfänger diese Briefe ungelesen in den Papierkorb geworfen haben, folgte nicht selten nach wenigen Tagen ein böses Erwachen.

Denn sie erhielten eine Woche später von Flug Ambulanz Service-Vermittlung international (FASI) die Bestätigung einer Testmitgliedschaft. Dort stand geschrieben: Werde die Police nicht spätestens sechs Wochen vor Ablauf einer dreimonatigen Probezeit gekündigt, würde sie sich automatisch verlängern und 69 Euro pro Jahr kosten. Vor dieser Masche warnt die Verbraucherzentrale Hamburg.

„Geschäftsgebaren von FASI ist unlauter“

„Das Geschäftsgebaren von FASI ist unlauter“, sagt Sandra Klug, Leiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Denn es ist kein Vertrag abgeschlossen worden, und aus den mitgeschickten Unterlagen wird auch nicht ersichtlich, welche Leistungen der Versicherungsschutz tatsächlich enthält.“

FASI verweist auf ihrer Internetseite auf große Versicherungen als Partner, und das Unternehmen verspricht, Transportkosten im Krankheitsfall aus dem Urlaub von bis zu 100.000 Euro zu übernehmen. Auch Arzt- und Operationskosten werde man begleichen. Solche Policen sind bei anderen Anbietern allerdings wesentlich günstiger. Eine Familie kann sie bereits ab 20 Euro jährlich abschließen, wie ein Überblick beim Vergleichsportal Check24 zeigt.

Versicherung widersprechen

Die Marktwächter haben das Unternehmen schriftlich aufgefordert, die unseriösen Geschäftspraktiken zu unterlassen. Doch es wurde lediglich die Art der Kontaktaufnahme zu den Kunden leicht abgeändert. Deshalb haben die Marktwächter jetzt die Industrie- und Handelskammer Limburg als zuständige Aufsichtsbehörde eingeschaltet. „Es wäre aber besser, wenn für solche Fälle die Finanzaufsicht BaFin zuständig wäre“, sagt Sandra Klug. Ein Versicherungsunternehmen hat inzwischen den Vertrieb seiner Policen durch FASI untersagt.

„Da kein Vertrag zustande gekommen ist, muss auch nichts bezahlt werden“, sagt Klug. Sie empfiehlt dennoch, der angebotenen Versicherung zu widersprechen. „Bisher haben wir noch nicht erlebt, dass FASI versucht, das Geld gerichtlich einzutreiben“, sagt Klug. FASI war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.