Hamburg

Ein Tag als Gast in der Festung Vier Jahreszeiten

Im Luxushotel residieren Besucher zwischen Wachleuten, Scharfschützen und freundlichen Mitarbeitern

Hamburg. Die Polizisten bilden eine Wand, nur ein dünner Metallsteg schimmert in der Mitte. „Hotelgast?“, fragen sie, dann löst sich der jüngste Beamte aus der Kette und führt mich den Neuen Jungfernstieg entlang. Vor dem Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten ist es totenstill. Sicherheitszone. Scharfschützen auf einem Balkon weit oben. Innen begrüßt die Dame an der Rezeption überfreundlich. Das OSZE-Treffen hat aus dem Luxushotel eine Festung gemacht. Aber es soll nicht so wirken.

Am Mittwochnachmittag hatte der US-Außenminister John Kerry im Vier Jahreszeiten eingecheckt. Der Secret Service war schon vor mehr als einer Woche vor Ort. Alle „normalen“ Hotelgäste wurden überprüft, einige Zimmer zu Sicherheitszentralen ausgebaut. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt eine parfümierte Frau, die auf einem großen Polstersessel im Foyer sitzt. Beinahe im Minutentakt schlendern kleine Grüppchen von Anzugträgern mit OSZE-Schlüsselband durch das Foyer, sie tratschen, haben gelöste Gesichter.

John Kerry, der im vierten Stock untergebracht war, den selbst das Hotelpersonal nicht betreten durfte, hat schon am Donnerstagmorgen ausgecheckt. Er war kaum 24 Stunden in Hamburg. Verständigte sich im Hotel weitestgehend auf Deutsch, stieg dann draußen in der Sperrzone in die Dienstlimousine. Um 13 Uhr hob der US-Außenminister mit seinem Flugzeug vom Airport in Fuhlsbüttel ab. Doch im dritten Stock halten weiter Männer mit kantigen Gesichtszügen vor einigen Türen Wache. Ein Metalldetektor summt. Fragt man sie, ob die gesamte US-Delegation schon gegangen sei, sagen sie in einem sanften Deutsch „teilweise“. Und lächeln. Fragt man sie noch mehr, verdunkelt sich immer mehr ihr Blick. Dann bitten sie weiterzugehen.

Auch im Treppenhaus stehen noch Anzugträger mit mattweißen Knöpfen in den Ohren. Neben Kerry sind die Außenminister von Armenien, Mazedonien, Rumänien und der Mongolei im Vier Jahreszeiten abgestiegen. Sie haben Leibwächter und ihre Stäbe mitgebracht, für die Sicherheit war durch die Amerikaner aber schon gesorgt.

Am Donnerstagnachmittag werden die meisten Sicherheitskräfte abgezogen sein. Die Mitglieder einer Spezialeinheit gehen grüßend durch die Vordertür, die Sturmhaube aufgerollt über die Stirn gezogen. Ein älteres Paar schaut den Polizisten interessiert nach, eine Rezeptionistin atmet kurz durch. Den Ausweis solle man trotzdem unbedingt bei sich tragen. Für alle Fälle.