Hamburger Handelsriese

Empörung über Edeka-Werbung mit SS-Kennzeichen

Diese kurze Einstellung im Edeka-Werbespot steht in der Kritik: Die Buchstaben SS sind auf Kennzeichen verboten.

Diese kurze Einstellung im Edeka-Werbespot steht in der Kritik: Die Buchstaben SS sind auf Kennzeichen verboten.

Foto: Screenshot Youtube

Im Weihnachtsspot taucht ein Nummernschild mit verbotenen Kombinationen auf. Hamburger Extremismusforscherin klärt auf.

Hamburg.  Angebliche Neonazi-Symbole im neuen Werbespot machen dem Hamburger Handelsriesen Edeka Ärger. Konkret geht es um das Kennzeichen "MU-SS", das im Clip auftaucht. Das Unternehmen sprach indes von einem „falschen Eindruck“ und entschuldigte sich.

Im Clip um eine Familie im Weihnachtsstress tauchen zwei Autos auf, deren Kennzeichen Extremismusforscherin Sabine Bamberger-Stemmann auffällig vorkommen. Die Expertin, zugleich Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg, stößt sich in einem „Manager Magazin“-Interview vor allem an dem Autoschild „MU SS 420“, das kurz im Bild ist. „Die Buchstaben SS sind gerade wegen der Anlehnung an die NS-Zeit in Deutschland im Autokennzeichen verboten“, sagt Bamberger-Stemmann.

Weitere versteckte Neonazi-Codes?

„Da das verboten ist, ist es nicht vertretbar, das in einem Werbespot zu nutzen, auch wenn es sich um ein fiktives Kennzeichen handelt“, sagt die Forscherin. „Die 420 ist eine aus dem angelsächsischen Raum stammende, in rechten Kreisen auch hierzulande gängige Abkürzung für Hitlers Geburtstag am 20. April.“

Auch im zweiten Kennzeichen „SO LL 3849“ sieht die Expertin versteckte Neonazi-Codes - zum einen wegen der Zahlenkombination 84 ("Heil Hitler"), zum anderen stünden die Rahmenzahlen 3 und 9 gemeinsam für die rechtsextreme Bewegung "Christian Identity“.

Ein Edeka-Sprecher sagte dem Branchendienst horizont.net: „Bei dem Autokennzeichen „MU-SS" handelt es sich um ein Fantasiekennzeichen, angelehnt an den Titelsong in unserem Spot. Wir bedauern es, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht.“ Ähnlich äußerte sich Edeka auch auf YouTube.

Einige Nummernschilder sind verboten

Unter den kritischen Kommentaren steht: „Autokennzeichen werden in Werbefilmen wie üblich abgeändert. Hier handelt es sich um Fantasiekennzeichen, die sowohl auf den Songtext ("Muss noch dies, muss noch das...") als auch auf die Story (vielbeschäftigte Eltern, die in der Vorweihnachtszeit noch jede Menge erledigen müssen) abgestimmt sind. „MU-SS 420" und „SO-LL 3849“ sind eine Verbildlichung der Worte „Muss“ und „Soll“.

Tatsächlich gibt es viele Nummernschild-Kombinationen, die wegen der Vorbelastung in ganz Deutschland verboten sind: etwa die Kürzel HJ, KZ, SA und eben SS. Der Rest ist Ländersache. In Schleswig-Holstein beispielsweise ist im Kreis Heide das Kennzeichen HEI L aus naheliegenden Gründen unzulässig. Überdies werden auch die Zahlenkombinationen 18 oder 88 von Neonazis als Codes für AH oder HH benutzt.