Bücherträume

Erzbischof übernimmt Schirmherrschaft für Leseprojekt

Erzbischof Stefan Heße

Erzbischof Stefan Heße

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Erzbischof Stefan Heße besuchte am Donnerstag die Blaue Moschee. Er übernimmt die Schirmherrschaft vom Leiter des Islamischen Zentrums.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße hat am Donnerstag die Schirmherrschaft für das Leseförderprogramm „Büchertürme“ übernommen. Das Oberhaupt der Katholiken im Norden besuchte dafür die Blaue Moschee an der Alster, gemeinsam mit mehr als 80 Grundschülern. Der Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg, Ajatollah Reza Ramezani, war seit Beginn des Schuljahres Schirmherr.

Die an dem Projekt teilnehmenden Schüler müssen so viele Bücher lesen, dass sie aufeinander gestapelt die Höhe eines ausgewählten Turms ergeben. Seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 haben sich die Hamburger Kinder schon die Türme der fünf Hauptkirchen und des Rathauses „erlesen“. Nach den Minaretten der Moschee folgen nun die Türme des Hamburger Mariendoms. Auch Schulen in anderen deutschen Städten beteiligen sich inzwischen an der Aktion.

Die Initiatorin des Programms, die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler (78/„Kommissar Kugelblitz“, „Paula“-Serie), las den Kindern in der schiitischen Moschee die Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ vor. Sie rief die Schüler auf, Menschen aus anderen Ländern und Religionen zu achten und auch „Bücherbrücken“ zu bauen. An die Pressevertreter gewandt fügte sie hinzu: „Dies ist eine kulturelle Veranstaltung, keine politische.“ Nach Angaben des „Büchertürme“-Trägervereins Seiteneinsteiger hatte Scheffler die Moschee als Ziel der Leseaktion ausgewählt. Bereits am 8. November hatte dort eine „Märchenstunde“ mit Grundschülern stattgefunden.

Blaue Moschee wird von Verfassungsschutz beobachtet

Die Imam-Ali-Moschee, wie die Blaue Moschee offiziell heißt, war Anfang des Monats in die Diskussion geraten. Innerhalb der Grünen war dem Islamischen Zentrum Antisemitismus vorgeworfen worden. Das Zentrum wies das zurück. Die Imam-Ali-Moschee sehe sich als Teil der religiösen Pluralität, erklärte Pressesprecher Jafar Elsner und nannte als Beispiel die Schirmherrschaft für das Projekt „Büchertürme“. Die Moschee wird unterdessen weiter vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet.

Bei der Übergabe der Schirmherrschaft griff Ramezani die Geschichte von Nathan dem Weisen auf. „Wo immer wir Menschen Weisheit haben, wo immer wir Menschen Wissen haben, dort wird es niemals Krieg und Feindschaft geben“, sagte der Ajatollah nach den Worten eines Übersetzers. Er rief die Kinder auf, die Vielfalt der Menschen zu respektieren, egal ob christlich, muslimisch, jüdisch oder ohne Religion. „Wir sind alle zusammen in der Menschheit Brüder und Schwestern.“

Der Erzbischof erzählte den Kindern von seiner Leseleidenschaft als Grundschüler. An die Kinder appellierte er: „Bitte lest, und zwar ruhig mal ein anständiges, ein gutes Buch!“ Er warnte zugleich: „Es gibt ja auch nicht so gute Bücher. Das werdet ihr im Laufe der Zeit rauskriegen.“ Das nächste Leseziel nach dem Mariendom steht nach Angaben von Scheffler schon fest: Es ist die Elbphilharmonie.