Hamburg

Janni, schäme dich nicht!

Lieber Jan, es ist ein bisschen misslich, das hier in aller Öffentlichkeit zu Papier zu bringen – aber ich mache mir Sorgen. Um deinen Club, besonders aber um Dich. Bist Du länger auf Reisen, ausgewandert gar? Ich kann Dich nicht erreichen und höre nichts von Dir.

Früher war das anders vorm Nordderby. Da holtest Du schon sehr früh den großen Kübel mit Hohn und Spott hervor und fantasiertest von der Nummer eins im Norden. Stolziertest stolz wie Bolle durch die Redaktion und trugst die Raute dort, wo sie nach Deiner Auffassung hingehörte: auf dem Shirt, direkt über dem Herzen. Alles passé. Sogar die komische Vereinsflagge auf Deinem Schreibtisch ist verschwunden. Wie gerne betätigtest Du in der Vergangenheit das kleine Knöpfchen am Fahnenmast. Dann erklang dieses putzige Liedchen, und Du sangst inbrünstig mit: „Hamburg, meine Perle.“ Aus, vorbei. Auch die anderen HSVer sind verschollen.

Janni, das macht mich traurig. Du brauchst Dich nicht zu schämen. Uns Werderanern und den St. Paulianern geht’s nicht viel besser als Deiner (verflossenen?) Liebe. Okay, nicht ganz so schlimm, denn das ist nicht möglich, aber fast. Ich gelobe feierlich, dich in Sachen Fußball nicht mehr zu veräppeln. Ich werde Dir keine Cartoons und Filme schicken, in denen Rothosen durch den Kakao gezogen werden, der HSV-Dino an die Tür des Arbeitsamtes klopft oder zur Abstiegs-Grillparty am 20. Mai 2017 nahe der Müllverbrennungsanlage geladen wird. Junge, komm bald wieder!

PS: Solltest Du dich doch noch melden wollen: Ich habe von jeher ein Herz für Schwache. Kann aber sein, dass wiederum ich Sonnabend um 17.20 Uhr für längere Zeit auf Tauchstation gehe. Keiner würde das besser verstehen als Du.