Hamburg

Nach Unfall: Max-Brauer-Allee im Visier der Planer

Die gefährliche und laute Straße in Altona soll umgebaut werden. Die Frage ist nur: Wie? Anwohner können am Sonnabend mitreden.

Hamburg. Stickig, laut, gefährlich: An der Max-Brauer-Allee in Altona muss dringend etwas passieren; darin sind sich Politiker und Anwohner einig. Nicht erst seit Dienstag, als ein schwerer Unfall mit drei Verletzten die schwierige Verkehrssituation vor Ort erkennen ließ. Zu den großen Problemen zählen die kaum vorhandenen Radwege, der zu schnelle Autoverkehr und das Konfliktpotenzial der unübersichtlichen Kreuzungen.

Nicht grundlos soll nun der Umbau der Straße zügig vorangetrieben werden. Vor der am Sonnabend beginnenden Planungswerkstatt zur Umgestaltung der Magistrale ist die Frage nur: Wie kann die Hauptverkehrsstraße besser werden, wenn zwischen Holstenstraße und Palmaille der Baumbestand erhalten werden soll und der Platz begrenzt ist?

ADFC fordert Tempo 30 und Radfahren auf der Straße

Dirk Lau, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrad-Clubs (ADFC) in Hamburg, schätzt die aktuelle Situation als unhaltbar ein: "Für Anwohner, Radfahrer und Fußgänger ist es gefährlich und unattraktiv." Die Menschen würden seit Jahren unter der hohen Belastung durch Abgase und Lärm sowie unter mangelhafter Verkehrssicherheit wegen des massiven Autoverkehrs leiden. "Die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft werden dort seit Jahren regelmäßig überschritten."

Radfahrer würden durch rücksichtslose, zu schnell fahrende und zu dicht überholende Autofahrer genötigt und gefährdet. "Stadt und Polizei schauen sich das an, ohne aktiv zu werden", sagt Lau. "Hier muss dringend endlich was passieren, um die Verkehrssicherheit in der Max-Brauer-Allee zu erhöhen und den Autoverkehr zu beruhigen."

Anwohner stellen Max-Brauer-Allee schlechtes Zeugnis aus

Tatsächlich hatten bei einer Vorbefragung im April und Mai Fußgänger, Busnutzer, Rad- und Autofahrer der Max-Brauer-Allee ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Bei Radfahrern erhielt der Zustand im Schulnotensystem die Bewertung 5,25, Fußgänger bewerteten die Straße mit der Durchschnittsnote 4,13. Beide Gruppen bemängelten Konfliktpunkte mit anderen Verkehrsteilnehmern und nannten das Überqueren der Kreuzungen oft gefährlich. Etwas besser fiel die durchschnittliche Bewertung bei Autofahrern (3,53) und Buskunden (3,63) aus.

Für den ADFC sei deshalb die am nächsten liegende Lösung die Anordnung von Tempo 30. "Das könnte die Straßenverkehrsbehörde ohne großen Aufwand und rasch umsetzen, wenn die Politik endlich ihre rückständige Ablehnung solcher Maßnahmen aufgibt", sagt Dirk Lau. Daneben fordert der ADFC, den Radverkehr auf der Fahrbahn zu legen, etwa als gemeinsamer Streifen für Busse und Räder. Auch breitere Bürgersteige, Längsparkplätze im baumbewachsenen Mittelstreifen und eine Entschärfung der Knotenpunkte, um Rechtsabbiegeunfälle zu vermeiden, seien laut ADFC vorstellbar.

CDU will keine Privilegien für Radfahrer

Alle Verkehrsteilnehmer müssten gleichberechtigt in die Neuplanung einbezogen werden, sagt dagegen Tim Schmuckall, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in Altona. Es sei zwar richtig, die Anwohner in einer Planungswerkstatt mit einzubeziehen. Nur Radfahrer und Busse zu privilegieren, sei aber zu kurz gedacht. "Alle Nutzungsansprüche müssen berücksichtigt werden", sagt Schmuckall. Zudem müsse ein externer Sicherheitscheck nach dem Umbau von Straßen als Standard eingeführt werden. "Das passiert bisher gar nicht in der Stadt."

Die verkehrspolitische Sprecherin der Altonaer SPD-Fraktion, Ute Naujokat, will der Planwerkstatt nicht vorgreifen. "Für Radfahrer muss aber unbedingt etwas gemacht werden", sagt sie. Auch für die Busse der Linien 15 und 25 sieht sie Handlungsbedarf. "Konkrete Vorschläge haben wir aber nicht nicht." Es habe im Vorfeld schon viele Wünsche gegeben, etwa mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Dabei soll aber der Allee-Charakter nicht verloren gehen. "Wir warten jetzt mal die Vorschläge der Anwohner ab", sagt Naujokat. Im nächsten Jahr soll der Umbauplan für die Max-Brauer-Allee dann vorliegen, Baubeginn könnte 2018 sein.

Im Kern dürften dann wirklich Bus- und Radverkehr profitieren. Der Abschnitt ist Teil einer geplanten Veloroute. Vermutlich werde es nicht eine Lösung geben, sondern verschiedene, sagen Experten schon vorab. Man setze nun auf die Ideen der Bürger, um weiterplanen zu können.

Am Sonnabend startet die Planungswerkstatt zum Umbau der Max-Brauer-Allee. In der Aula der Louise Schroeder Schule (Thedestraße 100) können Interessierte von 13 bis 17 Uhr am künftigen Gestaltungsbild der Straße mit modellieren.