Hamburg

Ethnologin wird Direktorin am Museum für Völkerkunde

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Katja Engler
Barbara Plankensteiner vor dem Maorihaus Rauru im Museum für Völkerkunde

Barbara Plankensteiner vor dem Maorihaus Rauru im Museum für Völkerkunde

Foto: © Museum für Völkerkunde Hamburg, Foto: Paul Schimweg

Die Afrika-Spezialistin und international vernetzte Museumsmanagerin Barbara Plankensteiner tritt ihr Amt im April an.

Hamburg.  Im Januar dieses Jahres hatte das Museum für Völkerkunde urplötzlich seinen Direktor verloren: Wulf Köpke war nach fast 24 Jahren und quasi über Nacht als Berater für interkulturelle Fragen zur Polizei gewechselt. Nun endlich steht fest, wer das Haus an der Rothenbaumchaussee, das zu den größten seiner Art in Europa zählt, künftig leiten soll: Die promovierte Ethnologin und Philosophin Barbara Plankenstein, geboren 1963 in Südtirol, tritt im April 2017 ihre neue Stelle an.

Als erste und bislang einzige österreichische Museumsführungskraft hat sie 2012 das begehrte „Getty Museum Leadership Program“ in Los Angeles absolviert, was sie, abgesehen von ihrer auch sonst reichen Erfahrung in Wissenschaft und Management, für die Stelle attraktiv macht.

Seit 2015 am ältesten Universitätskunstmuseum der USA

Seit 2015 ist Barbara Plankenstein Kuratorin am ältesten Universitätskunstmuseum der USA, der Yale University Art Gallery, wo sie auch intensiv mit Studierenden zusammengearbeitet hat. Zuvor war sie von 1998 bis 2015 am renommierten Weltmuseum in Wien beschäftigt, zuletzt als stellvertretende Direktorin, Chefkuratorin und Leiterin der Abteilung Afrika südlich der Sahara. An der inhaltlichen Umstrukturierung und Erneuerung des Wiener Weltmuseums und dessen Schausammlung war sie noch beteiligt gewesen. Zudem hatte sie dafür Gelder aus dem „Swich“-Programm erhalten, das die Europäische Union „für ethnografische Museen in der post-migrantischen Gesellschaft“ vorsieht.

Aber auch als Wissenschaftlerin und Kuratorin ist sie sehr angesehen: Ihre Veröffentlichungen zu ihren Ausstellungen fanden internationale Beachtung, ihr 500-Seiten-Wälzer zur Kunst des westafrikanischen Königreichs Benin gilt heute als Standardwerk. Außerdem pflege sie, so heißt es aus der Kulturbehörde, „hervorragende internationale Beziehungen“ und ist Mitglied in unterschiedlichen Beratungsgremien und Kommissionen.

Barbara Plankensteiner erklärte, sich sehr darauf zu freuen, mit dem Museumsteam „wichtige Fragen der Globalität zu erschließen, diese mit einer zeitgemäßen Objektforschung zu verbinden und hiermit spannende, gegenwartsbezogene Ausstellungen zu gestalten, die ein möglichst breites Publikum ansprechen werden“. In Wien zählten zu ihren wichtigsten Ausstellungen „Benin. Könige und Rituale“ und „African Lace“.

„Mich reizt es, dieses Haus neu zu positionieren und neu zu denken“, sagt die Ethnologin. „Es hat eine großartige Sammlung, die international kaum mehr bekannt ist.“ Künftig kann sich die neue Direktorin durchaus vorstellen, innerhalb der Hamburger Museumslandschaft zusammenzuarbeiten und „die ethnografische Sammlung dadurch aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.“ Sie will die Schätze des Hauses neu „zum Strahlen bringen. Die Stadtgesellschaft muss sich dessen, was hier bewahrt wird, wieder bewusst werden.“

Museum hat Instandsetzungsstau und großen Aderlass hinter sich

Das Hamburger Museum für Völkerkunde hat einen Instandsetzungsstau und einen großen Aderlass hinter sich: Der Etat (4,2 Mio Euro) ist im Wesentlichen auf dem Stand von 1999, mehrere wichtige Stellen sind seit Längerem nicht besetzt. Sonderausstellungen sind dadurch immer seltener geworden, die Inventarisierung ist bei Weitem nicht abgeschlossen, im Magazin herrscht erheblicher Platz- und manchmal auch Regalmangel. Das alles weiß die neue Direktorin und sagt dazu: „Ich habe diese Position nur übernommen mit der Perspektive, dass in dieses Haus investiert wird, damit es wieder auf Augenhöhe konkurrieren kann. Das wurde mir zugesichert.“

Mit Barbara Plankensteiner „geben wir die Leitung des Museums für Völkerkunde in die Hände einer versierten Ethnologin und großen Kennerin afrikanischer Kunst. Als erfahrene Museumsexpertin hat sie immer wieder Aufsehen mit begeisternden Ausstellungen erregt“, sagt Kulturstaatsrat Carsten Brosda. Außerdem habe sie an der Yale University Art Gallery neue Sammlungskonzepte entwickelt und die eigene weltweite Vernetzung vertieft. „Sie verfügt über die Erfahrungen, das Wissen und die Umsicht, um das Museum für Völkerkunde weiterzuentwickeln und internationale Impulse zu setzen.“

An Brosdas Optimismus schließt sich auch Thorsten Pück, Kaufmännischer Geschäftsführer des Museums an, der in den vergangenen Monaten den Posten interimsmäßig übernommen hatte: Mit Barbara Plankensteiner als neuer Direktorin erhalte das Haus „eine kompetente und international erfahrene Persönlichkeit, die weitreichende Expertise im wissenschaftlichen, kuratorischen und direktiven Bereich mitbringt.“

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