Hamburg/München

Wiesn-Prozess: Staatsanwalt ermittelt gegen Jürgen Harksen

Jürgen Harksen bei einem Auftritt in der Talk-Show "Anne Will"

Jürgen Harksen bei einem Auftritt in der Talk-Show "Anne Will"

Foto: imago

Der Millionenbetrüger wird verdächtigt, in die Bestechung eines Zeugen verwickelt zu sein. Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg/München.  Im Zusammenhang mit dem Verfahren um lebensgefährliche Messerstiche auf dem Oktoberfest wird nun auch gegen eine bekannte und äußerst schillernde Person ermittelt: Jürgen Harksen, verurteilter Millionenbetrüger, der mehrere Jahre in Haft verbracht hat, steht jetzt im Visier der Münchner Staatsanwaltschaft.

Es bestehe der Verdacht, dass er in eine Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage involviert ist, bestätigte eine Sprecherin der Münchner Ermittlungsbehörde dem Abendblatt. Vor drei Wochen erst war der Hamburger Multimillionär Detlef F. im Zusammenhang mit ähnlichen Vorwürfen verhaftet, später wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Er versprach Anlegern galaktische Renditen

Mit dem Verdacht gegen Harksen wird ein ohnehin spektakulärer Fall um ein Kapitel erweitert. Der heute 55-Jährige hatte vor rund 30 Jahren begonnen, wohlhabende Hamburger zu betrügen. Dabei soll er rund 150 Millionen D-Mark ergaunert haben. Seine Masche: Er versprach Anlegern Renditen von bis zu 1300 Prozent. Um Gläubigern zu entfliehen, siedelte er 1993 nach Südafrika um, wurde jedoch 2002 nach Deutschland ausgeliefert, wo ihn das Landgericht zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilte. Später erhielt er eine Bewährungsstrafe, erneut wegen Betruges. Seit einigen Jahren lebt Harksen, der seit der Heirat mit seiner zweiten Ehefrau den Nachnamen Smith trägt, auf Mallorca.

Auf eben dieser Ferieninsel war offenbar ein Zeuge angesprochen worden, ob er gegen ein Bestechungshonorar eine entlastende Aussage in einem Münchner Strafprozess machen könne. In dem Verfahren wird Michaela S. (Name geändert), der Verlobten des Multimillionärs Detlef F., versuchter Totschlag vorgeworfen. Gegen eine Verurteilung zu viereinhalb Jahren Haft hat die 34-Jährige Revision eingelegt, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Michaela S. hatte im Prozess gestanden, einen Mann mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Sie hatte aber Notwehr geltend gemacht, weil der Mann sie bedroht und attackiert habe.

Betrüger Harksen soll Kontakt hergestellt haben

Ein Zeuge hatte ihre Angaben bestätigt, jedoch später zugegeben, dass er noch nie auf dem Oktoberfest war, ihm aber für seine Aussage viel Geld geboten worden sei – angeblich 200.000 Euro. Auftraggeber soll Detlef F. sein. Wer den Kontakt zu dem Zeugen hergestellt hat, ist offen. Nun besteht der Verdacht, dass es Betrüger Harksen gewesen sein könnte. Unterdessen wurde ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Verteidiger von Michaela S., Gerhard Strate, Annette Voges und Steffen Ufer, eingestellt.