Schulprojekt

Schüler: "Politiker haben einen schweren Job"

Mehmet hat die Arbeit im Rathaus aus der Perspektive eines Schülers betrachtet

Mehmet hat die Arbeit im Rathaus aus der Perspektive eines Schülers betrachtet

Foto: Imago

Im Planspiel für Politik erleben Hamburger Schüler, sich als Jungparlamentarier zu bewähren. Was Mehmet dort erlebte.

Hamburg.  Mehmet hat etwas gelernt: "Politiker haben einen schweren Job. Es ist nicht leicht, sich auf Beschlüsse zu einigen. Irgendwem passt immer irgendetwas nicht." Das weiß er, weil er selbst seit Montag Politiker ist, Vorsitzender des Verkehrsausschusses um genau zu sein. Sonst sitzt Mehmet unter der Woche in der Ida Ehre Stadtteilschule in Hoheluft-Ost. Dass er trotzdem Politiker sein darf, hat mit "Jugend im Parlament" zu tun, er nimmt an Hamburgs größtem Planspiel für Politik teil, das diese Woche zum 22. Mal statt findet. Und das ist ganz schön arbeitsintensiv: Ein Präsidium wählen, Ausschüsse bilden, Experten einladen und Resolutionen verfassen – die rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hamburger Schulen im Alter von 15 bis 21 Jahren machen eine Woche lang Politik.

Scholz empfing die Schüler

Am Mittwoch empfing Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die jungen Ausschussvorsitzenden zu einem Gespräch im Rathaus. Mehmet zum Beispiel. Er hatte seit Montag gut zu tun. In vier Themenfelder hat er seinen Ausschuss eingeteilt: "Schienenverkehr, Straßenverkehr und Sicherheit - und das vierte habe ich jetzt vergessen. Blöd", lacht er. "Dabei bin ich der Vorsitzende. Echten Politikern passiert sowas sicher nicht." Es fällt ihm dann doch noch ein, Zahlungsmethoden, darum ging es.

Vorschlag für den HVV

Und einen Vorschlag für ein gerechteres Bezahlsystem beim HVV hat er mit seinem Ausschuss auch gleich vorbereitet. Eine elektronische Zahlung per Karte fänden die Jungparlamentarier gut, der Fahrgast würde sie beim Einsteigen und beim Aussteigen im Bus oder in der Bahn an ein entsprechendes Lesegerät halten und es würde nur die gefahrene Strecke berechnet. "Dann zahlt man für Fahrten von Jungfernstieg zum Gänsemarkt nicht automatisch die Kurzstrecke von 1,10 Euro, sondern nur eine Station", sagt Mehmet. Den Vorschlag hat sein Ausschuss bereits mit Experten aus Politik und Wirtschaft besprochen, auch mit dem Sprecher des HVV, Rainer Vohl. Und dieser hat gute Nachrichten für Mehmet, seinen Ausschuss und alle Nutzer des Hamburger Nahverkehrs: Ab Herbst 2017 will der HVV ein vereinfachtes Bezahlsystem testen. „Per Smartphone einchecken, beim Verlassen des Fahrzeugs automatisches Auschecken, der beste Preis wird abgerechnet“, erklärt Vohl das Konzept.

"Wir haben drei Tage an unseren Entwürfen gearbeitet, uns gestritten und wieder vertragen und hoffen, uns heute auf eine Fassung einigen zu können. Morgen tragen wir alle vorläufigen Entwürfe der Ausschüsse zusammen und erarbeiten eine Resolution", sagt Mehmet.

"Interessiere mich für Politik"

Dass seine Resolutionen, also die Beschlüsse des Jugendparlaments, keine bindende Wirkung für den Hamburger Senat haben, sieht er gelassen. "Primär habe ich mitgemacht, weil ich mich für Politik interessiere und mir mein Lehrer das Projekt empfohlen hat. Wenn ich später wirklich etwas bewegen möchte, komme ich eben hier her zurück. Dann aber in echt."