Altstadt

Libeskind entwirft neuen „City-Hof“

Der US-Stararchitekt nimmt am Wettbewerb für die Bebauung des heutigen Hochhaus-Areals am Klosterwall teil

Altstadt.  Hamburg hat den Architektenwettbewerb für eines der wichtigsten Bauvorhaben in der Innenstadt, den „Cityhof“, gestartet. 30 Architektenbüros aus dem In- und Ausland wurden ausgewählt, ihre Entwürfe für die Bebauung des Areals am Klosterwall einzureichen, auf dem derzeit noch die City-Hochhäuser stehen. Bis voraussichtlich Mitte 2018 ist noch das Bezirksamt Mitte in den Gebäuden, bis es an die Caffamacherreihe in das ehemalige Verlagshaus Axel Springer umzieht. Dann sollen die City-Hochhäuser abgerissen werden.

Das neue Quartier soll eine Mischung aus Büros, Wohnungen, Einzelhandel, Hotel, Gastronomie sowie Kunst und Kultur werden. Die Fertigstellung ist 2021 geplant. Nach Abendblatt-Informationen hatten sich mehr als 100 Architektenbüros um eine Teilnahme an dem städtebaulichen Wettbewerb beworben. „Wir sind sehr erfreut über das ungewöhnlich große Interesse und das sehr hochkarätige Teilnehmerfeld“, sagte Jan Petersen dem Abendblatt. Er ist der Geschäftsführer des Hamburger Projektentwicklers Aug. Prien Immobilien, der von der Stadt den Zuschlag für das Filetgrundstück erhalten hatte. Die Auswahl der 30 Büros hatte ein durch die Stadt und Aug. Prien besetztes Gremium getroffen. Auch das weltberühmte und renommierte Studio Daniel Libeskind aus New York beteiligt sich nach Abendblatt-Informationen an dem Wettbewerb. Eines der herausragenden Libeskind-Projekte ist das Jüdische Museum in Berlin. Mit Steven Holl ist ein weiterer Stararchitekt aus New York vertreten. Auch Rafael Moneo aus Madrid, der ebenfalls zur Architektenelite gehört, beteiligt sich. Bekannte Hamburger Büros sind ebenfalls dabei, darunter auch Störmer Murphy and Partners, Blauraum Architekten und MRLV Architekten.

Den Wettbewerbsunterlagen sind auch die Anforderungen für die geplante Neubebauung zu entnehmen. Zur „Hochbaulichen Zielsetzung“ heißt es da: „Aufgrund der Bedeutung des Ortes wird eine Architektursprache erwartet, die kreativ und zeitgemäß dem spezifischen Anspruch der Aufgabenstellung gerecht wird und das historisch bedeutsame Umfeld in besonderer Weise berücksichtigt.“ Damit ist das Kontorhausviertel gemeint, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Insgesamt sollen am Klosterwall rund 47.700 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen. 19.100 Qua­dratmeter sind für Büros vorgesehen.

Etwa 50 Wohnungen sollen innerhalb des geförderten Wohnungsbaus entstehen. Außerdem sind weitere 9200 Quadratmeter für frei finanzierten Wohnraum vorgesehen. Hier sind Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen geplant. Auch ein Vier-Sterne-Hotel mit mindestens 200 Zimmern und Tagungsbereich soll entstehen. Weitere 700 Quadratmeter sind für Galerien und Ausstellungsfläche vorgesehen. Auch eine Kindertagesstätte mit bis zu 80 Plätzen soll in das Quartier inte­griert werden.

In den vergangenen Jahren hatten Politik und Denkmalschützer kontrovers darüber diskutiert, ob dieses seit 2013 unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble aus den 50er-Jahren abgerissen werden darf. Schließlich wurde die Bürgerschaft mit dem Thema befasst und stimmte im März der sogenannten Anhandgabe an Aug. Prien Immobilien zu. Der Kaufpreis beträgt 32,5 Millionen Euro, die Gesamtinvestition in den Neubau soll bei rund 200 Millionen Euro liegen.

Damit wurde auch der Abriss der umstrittenen Hochhäuser besiegelt: „Aber der Abriss kann erst nach einem erfolgreichen Abschluss des Architektenwettbewerbs erfolgen“, sagte Jan Petersen. Der geplante Ablauf: Das Preisgericht tagt am 12. Januar und bewertet die städtebaulichen Entwürfe: Petersen: „In dieser ersten Runde reichen die Architekten neben ihren städtebaulichen Konzepten auch Modelle ein. Die sieben Besten werden ausgewählt und reichen dann in der zweiten Runde beim hochbaulichen Wettbewerb neben einer detaillierteren Planung auch Visualisierungen ein.“

Den Sieger kürt das Preisgericht am 2. Juni kommenden Jahres. Einen Tag zuvor werden die sieben Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Preisgericht ist hochkarätig besetzt: Oberbaudirektor Jörn Walter ist ebenso vertreten wie Falko Droßmann (SPD, Leiter des Bezirksamts Mitte) und Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Sie sagt: „Für den Städtebau wie für die neue Architektur muss gleichermaßen gelten, verantwortlich, ästhetisch einfühlsam und prägnant mit dem anschließenden Weltkulturerbe Kontorhausviertel umzugehen.“

Für SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf ist wichtig: „Ich wünsche mir an dieser exponierten Stelle die Schaffung eines städtebaulich adäquaten Abschlusses des Kontorhausviertels. Verbunden mit der Möglichkeit, durch neues Wohnen und Arbeiten ein lebendiges Gebäude zu schaffen.“ Michael Osterburg (Fraktionschef der Grünen im Bezirk): „Wir wünschen uns an diesem herausragenden Standort einen attraktiven Neubau, der aber auch zu dem benachbarten Kontorhausviertel passen muss.“