Transplantation

Organspende-Skandal? UKE reagiert auf schwere Vorwürfe

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Notaufnahme des UKE in Hamburg

Notaufnahme des UKE in Hamburg

Foto: Marcelo Hernandez

Zustand von Lungenpatienten soll für Transplantations-Ranking verfälscht worden sein. Ärztekammer-Bericht liegt dem Abendblatt vor.

Hamburg. Der Vorwurf wiegt so schwer, dass Insider von einem sich anbahnenden Medizinskandal sprechen. Hat das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) die Daten von Hamburger Lungenpatienten manipuliert, um ihnen an anderen Patienten vorbei eine schnellere Organtransplantation zu ermöglichen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt laut NDR wegen des Verdachts, dass in 14 Fällen des UKE und der LungenClinic Großhansdorf Unregelmäßigkeiten aufgetaucht sind. Es gehe um „Aktenunterdrückung“, wie das Magazin „Panorama 3“ berichtet.

Nach Informationen des Hamburger Abendblatts hat eine Kommission der Bundesärztekammer, der Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft die Befunde über die mutmaßlichen Manipulationen bereits an die Behörden übergeben. Auch die Hamburger Gesundheitsbehörde ist demnach im Bilde.

Dabei geht es laut Bundesärztekammer um vermeintliche Kleinigkeiten wie Flüchtigkeitsfehler bei der medizinischen Dokumentation bis hin zu dem Verdacht, dass Akten und Daten „frisiert“ wurden. Es sei, so der Bericht der Kommission, gegen geltende Gesetze verstoßen worden sowie gegen die Aufsichtspflicht des UKE. Denn das UKE arbeitete mit der LungenClinic Großhansdorf zusammen, die viele der schwer kranken Patienten betreut, deren Fälle jetzt minutiös nachrecherchiert wurden.

Zustand der Patienten soll dramatisiert worden sein

Nach dem Bericht der Bundesärztekammer, der dem Abendblatt vorliegt, wurden 25 Lungentransplantationen aus den Jahren 2010 bis 2012 untersucht. In 14 Fällen hätten die Ärzte sowohl im UKE als auch in Großhansdorf den Zustand der Patienten schlechter als tatsächlich dargestellt. Dadurch sollen die Patienten bei der Bewertung für eine Transplantation bei der Vermittlungsstelle Eurotransplant auf einen höheren Dringlichkeitsplatz gerutscht sein. Laut Bundesärztekammer soll der Gesundheitszustand auf „lebensbedrohlich“ hochgesetzt worden sein. Die Prüfungen haben im vergangenen Jahr stattgefunden. Der Bericht datiert vom September 2016.

Das UKE sei in jedem Fall für Fehler verantwortlich, „auch wenn es einen wesentlichen Teil seiner Aufgaben an die Mitarbeiter der anderen Klinik delegiert“, heißt es in dem Bericht, der den Behörden vorliegt.

Die Kommission schreibt in ihrem Bericht von „erheblichen Dokumentationslücken und klinisch ungeklärten Fragestellungen“. Die Sauerstoffsättigung soll bei 14 Patienten zwischen 69 und 75 Prozent gelegen haben, „was über Wochen und Monate selbst bei Gesunden nicht mit dem Leben vereinbar ist“.

Einige Akten standen den Prüfern offenbar nicht zur Verfügung. Das wurde ebenfalls bemängelt. Die Prüfer äußerten den Verdacht, dass Ärzte dadurch „systematisches Fehlverhalten“ vertuschen wollten. Allerdings weist der Bericht auch darauf hin, dass die Kommission mit ihren Mitteln die schweren Vorwürfe der Manipulation letztlich weder bestätigen noch ausräumen könne. Das müssten nun die Behörden tun.

In einer Stellungnahme des UKE heißt es, es gebe berechtigte Kritikpunkte. Es gebe jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Rangliste von Patienten auf der Transplantationsliste verändert worden sei. Das UKE macht unterschiedliche Dokumentationssysteme in den beiden Krankenhäusern dafür verantwortlich, dass der Kommission möglicherweise Akten fehlen. "Das UKE kann zudem alle Transplantationsfälle von UKE-Patienten mit der elektronischen Patientenakte dokumentieren, was die Prüfungskommission beim ersten Besuch auch bestätigte."

Eurotransplant regelt die Organvergabe

Unter dem Eindruck der verschiedenen Transplantationsskandale in Göttingen, München, Leipzig und anderen Orten wurden gesetzliche Bestimmungen verschärft und hat die Bundesärztekammer ihre Richtlinien geändert. Verantwortlich für die Organvergabe ist die Stiftung Eurotransplant. Die Vermittlungsstelle für Deutschland, die Benelux-Länder, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn arbeitet mit den jeweiligen Transplantationskliniken zusammen.

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