Luftfahrt

Air Berlin bleibt Hamburger Flughafen treu

Stefan Pichler, Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, am Flughafen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)

Stefan Pichler, Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, am Flughafen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)

Foto: Maja Hitij / dpa

Angeschlagene Airline will Angebot nach Düsseldorf ausweiten – auf 40 Flüge pro Woche. TUIfly stationiert wieder Jet in Fuhlsbüttel.

Hamburg.  Der radikale Umbau von Air Berlin hat für Unruhe in Hamburg gesorgt. Seit Ende September scheint klar, dass die Fluggesellschaft mit dem Sommerflugplan 2017 nicht mehr mit einer Basis am Flughafen in Fuhlsbüttel plant. Zwischen drei bis fünf Jets sind bisher hier stationiert. Daraufhin wurde spekuliert, dass Deutschlands zweitgrößte Fluglinie die Hansestadt gar nicht mehr anfliegen wird. Jetzt teilte das Unternehmen auf Abendblatt-Anfrage in einer schriftlichen Stellungnahme mit: „Air Berlin stellt vor diesem Hintergrund klar, dass Hamburg ein wichtiger Standort für die Airline bleiben wird.“

Vor gut einem Monat verordnete sich Air Berlin ein neues Konzept. Von den zehn in Deutschland betriebenen Basen spielten in den Zukunftsplanungen nur noch vier eine Rolle. Die hoch verschuldete und am Tropf des Großaktionärs Etihad hängende Airline setzt künftig auf Stuttgart und München als normale Basen und zwei Drehkreuze: am Heimatflughafen in der Bundeshauptstadt und in Düsseldorf.

Zahl der Flüge nach Düsseldorf soll ausgebaut werden

Jetzt teilte Air Berlin mit, das Angebot ab Hamburg in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt werde sogar ausgebaut. Ab Sommer 2017 solle die Zahl der Flüge von 33 auf bis zu 40 pro Woche erhöht werden. Damit würden den Passagieren bessere Anschlussmöglichkeiten an die Überseeverbindungen in die USA und in die Karibik sowie nach Asien angeboten. „Die Ausweitung der Düsseldorf-Flüge ist richtig, damit Air Berlin die Langstreckenmaschinen voll bekommt“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Schließlich gebe es keine Flüge von Hamburg nach Berlin, dem anderen Drehkreuz. Somit wäre die Firma darauf angewiesen, dass die Fluggäste aus dem Norden mit Bus, Bahn oder Auto zum Airport kämen. Viele Reisende wünschen aber einen Zubringer per Jet.

Die Langstrecke mit 17 Maschinen vom Typ Airbus A330 soll eine von drei Säulen werden, auf die sich das Unternehmen stützt, hatte Vorstandschef Stefan Pichler bei der Vorstellung der Umbaupläne angekündigt. Die zweite ist das Touristikgeschäft, das ausgegliedert werden soll. Drittes Standbein soll die Kurz- und Mittelstrecke sein, bei der stärker Geschäftskunden angesprochen und Saisonschwankungen vermieden werden sollen.

München war 2015 die meistgenutzte Verbindung ab Fuhlsbüttel

Als solche Ziele stuft das Unternehmen offenbar auch zwei innerdeutsche Hamburg-Verbindungen ein. München war im vergangenen Jahr mit 1,8 Millionen Passagieren die in Fuhlsbüttel am meisten genutzte Verbindung, Stuttgart belegte mit 719.000 Fluggästen Platz fünf. „Die Strecke Hamburg–Stuttgart wird weiterhin mit 23 Flügen pro Woche angeboten“, teilte Air Berlin mit. „Auf der Strecke Hamburg–München fliegt Air Berlin weiterhin 48-mal pro Woche.“

Beide Strecken seien sehr attraktiv für die Airlines, sagt Schellenberg. Mit dem Mix aus Geschäfts- und Privatreisenden ließe sich gutes Geld verdienen. Zumal sich Air Berlin nur mit der Lufthansa beziehungsweise deren Tochter Eurowings den Markt auf beiden Strecken teilt. Auch Ferienorte am Mittelmeer beispielsweise in Spanien und Griechenland sollen im Sommer wieder ab Hamburg angeflogen werden können. Nähere Angaben zu den Zielen machte die Firma nicht.

Am Hamburg Airport ist man froh über die Entwicklung. Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler sagte dem Abendblatt: „Wir freuen uns über das klare Bekenntnis von Air Berlin zur Hansestadt Hamburg.“ Schließlich ist Deutschlands zweitgrößte Airline mit rund 15 Prozent Marktanteil zweitwichtigster Akteur. Mehr als zwei Millionen Menschen flogen im vergangenen Jahr ab/nach Hamburg mit Air Berlin. Nur der Lufthansa-Konzern inklusive der Billigflugtochter Eurowings/Germanwings befördert mehr Menschen. In diesem Winter fliegt Air Berlin zu rund einem Dutzend Zielen. Eggenschwiler: „Wir sind uns sicher, dass unsere Passagiere das Angebot von Air Berlin weiterhin gut annehmen werden.“

Air Berlin will 1200 Stellen streichen

Unklar ist noch, was aus den rund 200 Mitarbeitern wird, die in Hamburg ihren Einsatzort haben. Insgesamt will das Unternehmen im Zuge der Umstrukturierung 1200 Arbeitsstellen streichen. Die Gespräche mit den Betriebsräten liefen noch, hieß es. Offenbar ist nun sogar bei der Stationierung von Flugzeugen in Hamburg, die also über Nacht hierbleiben, noch nicht das letzte Wort gesprochen. Dieser Aspekt sei noch offen, hieß es überraschend.

Eine weitere Fluggesellschaft kündigte unterdessen die Rückkehr an den Flughafen „HAM“ an. TUIfly wird ein Jahr nach seinem Rückzug aus Fuhlsbüttel im Sommer 2017 wieder einen Jet in Hamburg stationieren. Eine Boeing 737-800 soll dann regelmäßig an der
Elbe übernachten. Man habe gesehen, dass es an den Wochenenden keine Kanaren-Flüge gebe. In diese Lücke wolle man stoßen, teilte das Hannoveraner Unternehmen mit. Neben Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa stehen sechs weitere Ziele auf dem Flugplan: die griechischen Inseln Kreta, Kos und Rhodos sowie Mallorca, Menorca und Jerez de la Frontera in Spanien. TUIfly-Chef Roland Keppler: „Mit diesen Destinationen stärken wir unsere Marktposition in Norddeutschland und bieten gleichzeitig den Hamburger Gästen attraktive Urlaubsziele.“