Siebter Teil der Serie

Hamburger Geheimnisse: Wie die „Blume“ auf den Füller kam

Die „Blume“ ziert
ein Haus im Schanzenviertel

Die „Blume“ ziert ein Haus im Schanzenviertel

Foto: Eva Maria Bast

Was hat das Logo des Edelschreibgeräte-Herstellers Montblanc an einer Hausfassade im Schanzenviertel zu suchen?

Hamburg.  Liebhaber edler Füllfederhalter und Kugelschreiber werden es kennen: das Logo des Edelschreibgeräte-Herstellers Montblanc, das wie eine Blume oder ein Stern mit abgerundeten Ecken aussieht. Was aber hat eben jene „Blume“ an einer Hausfassade im Schanzenviertel zu suchen? Marc Müller, Stadtführer in Hamburg, stellte sich genau diese Frage, nachdem er das Logo – in Stein gehauen und offensichtlich recht alt – entdeckt hatte, und machte sich auf die Suche nach Antworten. Ein Werbeträger kann es nicht sein, dachte er sich, denn es sieht eher aus wie Fassadenschmuck.

Aber doch: Es ist – oder war – in gewisser Weise ein Firmenschild oder zumindest ein Hinweis auf die Firma, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts tatsächlich in dem Gebäude befand: Der Ingenieur August Eberstein entschloss sich, unterstützt durch den Schreibwarenhändler Claus-Johannes Voss und den Hamburger Bankier Alfred Nehemias, 1906 eine Firma zur Herstellung von Füllfederhaltern zu gründen. Der Name: „Simplo Füller Pen Company“. Simplo, erklärt Stadtführer Müller, habe dabei für „simpel“, also für einfach zu bedienende Füllfederhalter gestanden.

Die Firma war durchaus erfolgreich und hatte in Hamburg Gebäude in der Schanzenstraße, dort, wo sich noch heute die Steinreliefs befinden, und in der Caffamacherreihe. Das Haus in der Schanzenstraße, in dem jetzt die Volkshochschule beheimatet ist, wurde von Montblanc bis 1989 genutzt. Am 14. Januar 1913 wurde der bekannte Montblanc-Stern als Warenzeichen eingetragen. Ab 1924 begann die Vermarktung des „Meisterstücks“.

Diese Schreibgeräte sind Luxusgüter, das teuerste davon kostet im Jahr 2016 2,4 Millionen Euro. Ein Statussymbol! Viele Liebhaber schätzen eben einfach die traditionelle Handwerkskunst. Bis heute werden die hochwertigen Füllfederhalter immer noch größtenteils von Hand gefertigt. Hundert Arbeitsschritte benötigt die Herstellung einer Feder. Aber warum überhaupt Montblanc?

Und wie kam es zu dem Stern-Logo? „Das ist die Form des schneebedeckten Mont Blanc von oben“, sagt Müller. Was aber hat ein Berg mit einem Füller zu tun? Die Firma teilt in ihrem Internetauftritt mit: „Erzählungen nach kam er (der Name) während eines Kartenspiels auf, als ein Verwandter eines Geschäftspartners einen kreativen Vergleich zwischen dem Füllfederhalter als Gipfel in der Schreibgerätekultur und dem Mont Blanc als majestätischstem und höchstem Gipfel der Alpen zog.“