Hamburg

Türkischer Funktionär entschuldigt sich für Hetze

Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan demonstrierten am 31. Juli in Köln

Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan demonstrierten am 31. Juli in Köln

Foto: dpa Picture-Alliance / mberg|File|Filed|7/31/2016 3:10: / picture alliance / AP Photo

Aufsichtsrat des türkischen Vereins in Hamburg beschimpfte Deutsche als „Köterrasse“. Er habe mit der Wortwahl „Grenzen überschritten“.

Das Aufsichtsratsmitglied des Türkischen Elternbunds Hamburg, Malik Karabulut, hat sich für seine deutschfeindlichen Äußerungen auf Facebook entschuldigt. Er habe mit seiner Wortwahl „einige Grenzen überschritten“, erklärte Malik am Freitag in Hamburg. „Dies tut mir leid, und ich entschuldige mich in aller Redlichkeit bei allen Beteiligten und Betroffenen.“

Einem Bericht des Hamburg Journals im NDR-Fernsehen soll Karabulut zufolge auf Facebook offen gegen Deutschland gehetzt haben. Offenbar als Reaktion auf die Armenienresolution des Deutschen Bundestages habe Malik Karabulut, Mitglied des Aufsichtsrats des Vereins, geschrieben: „Diese Schlampe mit dem Namen Deutschland hat uns den Krieg erklärt – und wir schweigen immer noch.“

Zudem soll er in seinem Eintrag die Deutschen als „Köterrasse“ bezeichnet und erklärt haben: „Ab jetzt könnt ihr was erleben.“ Der Bundestag hatte im Juni die Resolution „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord“ an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915/1916 verabschiedet.

„Emotionale Überreaktion“

Karabulut machte für seine „emotionale Überreaktion“ familiäre Erlebnisse aus jener Zeit verantwortlich. „Durch meinen verstorbenen Großvater wurde mir berichtet, dass Vorfahren von uns bei den oben genannten Tragödien ums Leben kamen“, heißt es in der Stellungnahme. „Aufgrund dieser engen Verbindung und nach der Abstimmung im Bundestag sind meine Emotionen zu stark in den Vordergrund geraten.“

In diesem Zusammenhang habe er Worte formuliert, die mit seiner Person und seinem Charakter nicht in Einklang stünden, heißt es in der Erklärung weiter. „Zumal ich manche türkische Wörter von der Bedeutung her gänzlich anders kannte und eingeordnet hatte.“ Es sei nicht beabsichtigt gewesen, „Gewaltaufrufe auszulösen oder Gewalt“.

Zugleich warb Karabulut um Verständnis für seine deutschfeindlichen Äußerungen. „Welche Reaktion kann von solch einem Menschen in exakt meiner Lage, mit der Verbindung (Verwandte – Bundestagsabstimmung) erwartet werden?““, fragt er und fügt hinzu: „Ist eine Überreaktion tatsächlich und gänzlich abwegig? Wäre eine überzogene Reaktion in meiner Situation nicht mehr im Rahmen der Menschlichkeit?“

Zudem habe er in letzter Zeit viele Hassmails und Morddrohungen bekommen.

Unterdessen hat auch die Türkische Gemeinde in Hamburg die Hass-Postings des früheren Vorsitzenden des Türkischen Elternbundes Hamburg „aufs Schärfste“ verurteilt. Man „distanziere sich von jeglichen menschenverachtenden Äußerungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Man habe erst über die Medien von den Hass-Postings erfahren. „Die politischen Ansichten unserer Mitgliedsvereine spiegeln nicht die Meinung der Türkischen Gemeinde in Hamburg wieder.“

Türkischer Elternbund gegen Rassismus

Der Türkische Elternbund Hamburg schreibt auf seiner Internetseite, der Verein „setzt sich entschieden gegen jede Diskriminierung nach Rasse, Sprache, Religion oder Geschlecht ein“. Zudem bemühe man sich um eine „zusätzliche sprachliche Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund“. Ferner erklärte der Verband, er wolle seine Bildungs- und Informationsoffensive – insbesondere für die Schüler mit Migrationshintergrund – in den Punkten Schul-, Berufs- und Universitätsausbildung ausbauen.

Karabulut verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass er lediglich bis zum Jahr 2014 Vorsitzender des Türkischen Elternbunds Hamburg gewesen sei. „Seit dem bin ich eine Privatperson.“ Zudem habe er seine Eintragungen bei Facebook bereits vor drei Monaten gelöscht. Der Auslöser sei nicht die aktuelle Berichterstattung der Medien gewesen, sondern die eigene Erkenntnis, dass er zum damaligen Zeitpunkt „viel zu emotional reagiert habe“.