Hamburg

Schacht & Westerich schrumpft nach Insolvenz weiter

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Heiner Schmidt
Schacht & Westerich-Geschäftsführer Thomas Rasehorn hat die Firmenzentrale erst vor Kurzem nach Schnelsen verlegt

Schacht & Westerich-Geschäftsführer Thomas Rasehorn hat die Firmenzentrale erst vor Kurzem nach Schnelsen verlegt

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Das Hamburger Schreibwarenhaus hat nur noch eine Filiale. Vor Kurzem musste die Hälfte der Mitarbeiter gehen.

Hamburg.  Im August 2015 musste Schacht & Wes­terich Insolvenz anmelden, die Filialen im Hanseviertel und im Harburger Phoenix-Center wurden in der Folge geschlossen, die beiden Geschäfte in Bremen verkauft, fast 40 Mitarbeiter – die Hälfte der Belegschaft – verloren ihre Arbeitsplätze beim traditionsreichen Hamburger Schreib- und Papierwarengeschäft. Dann kehrte zwar kurz Ruhe ein, doch der Niedergang des vor 190 Jahren gegründeten Unternehmens setzt sich nun immer weiter fort. In den vergangenen Monaten mussten nach Abendblatt-Informationen mehr Mitarbeiter gehen, weitere Filialen sind mittlerweile geschlossen.

Aus dem Durchstart ist nichts geworden

Dabei war nach den ersten harten Einschnitten der Hoffnungsschimmer wieder heller geworden, dass das Unternehmen langfristig Zukunft haben könnte. Geschäftsführer Thomas Rasehorn übernahm vom Insolvenzverwalter die Reste der Firma, holte einen Partner ins Unternehmen und verkündete im Januar mit Blick auf die damals drei Filialen und den Onlineshop: „Wir wollen durchstarten.“

Doch ein Dreivierteljahr später ist auch von den Resten nicht mehr viel übrig. Schacht & Westerich besteht derzeit aus noch genau einer Filiale und dem Onlineshop. In den vergangenen Monaten haben noch einmal etwa 20 Beschäftigte den Arbeitsplatz verloren, die neue Partnerschaft an der Firmenspitze ist zerbrochen, Geschäftsführung und Onlineshop sitzen nun in Schnelsen. Einen Anschluss ans Telefonfestnetz hatte Schacht & Westerich Anfang dieser Woche dort nicht. Und Rasehorn sagt, der stationäre Einzelhandel mit Schreibwaren sei „weiter eine Herausforderung“.

Mieter und Betreiber wurden sich nicht einig

Bis zum Sommer stellte sich die Firma dieser Herausforderung noch mit Geschäften im Alstertal und im Elbe-Einkaufszentrum sowie im Wandsbek Quarree. Doch im August war Schluss in AEZ und EEZ – Ausverkauf, Geschäftsschließung. „Wir haben uns mit dem Centerbetreiber ECE nicht auf die Fortführung der Mietverträge verständigen können“, sagt Rasehorn.

Verhandlungen über die Verträge seien nach der Insolvenz notwendig geworden, weil ein neues Unternehmen die Läden betrieb. Worüber sich Mieter und Betreiber nicht einig wurden, möchte er nicht detailliert erläutern. Bei ECE heißt es, der Mieter habe nicht alle in einer Grundsatzeinigung vereinbarten Voraussetzungen erfüllt. Rasehorn sagt, die Mitarbeiter aus beiden Filialen hätten inzwischen neue Arbeitsplätze. „Nach meiner Kenntnis haben alle sehr schnell wieder einen Job gefunden.“ Und für die Filiale im Wandsbek Quarree sei ein neuer Mietvertrag mit dem dortigen Center-Betreiber abgeschlossen worden.

In der nun einzigen Filiale setze Schacht & Westerich weiter auf ein qualitativ hochwertiges Sortiment von Herstellern, die eine große Auswahl von Produkten anbieten, sagt Rasehorn. Die Abteilung für Schulartikel sei erweitert worden, die Auswahl an regionalen Artikeln – etwa mit Hamburg-Motiven – sei nun größer. „Aber natürlich wollen wir nicht zum Souvenir-Shop werden.“

Kundenmangel im Quarree

Und trotz der durchgeführten Sortimentsumstellung läuft es aus Sicht des Geschäftsführers derzeit nicht optimal in der Quarree-Filiale, es könnten mehr Kunden kommen. Rasehorn formuliert es so: Es bleibe eine Herausforderung, die Kundenfrequenz im stationären Handel deutlich zu erhöhen. „Ich hoffe darauf, dass der Trend sich irgendwann wieder umkehrt“, sagt er und versichert: „Der Standort Wandsbek steht nicht zur Disposition. Wir haben einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen.“

Ziemlich kurzfristig war dagegen seine Partnerschaft mit dem Hamburger Unternehmer Mathias Busch an der Spitze von Schacht & Westerich. Busch, einer der Geschäftsführer des Design-Onlineshops Found4you mit Sitz in der HafenCity, hatte Ende November 2015 gemeinsam mit Rasehorn die Unternehmensreste übernommen, war Anteilseigner und Mitgeschäftsführer des neuen Unternehmens. Das hatte seinen Sitz am Sandtorkai und war dort über die gleiche Telefonzen­trale zu erreichen wie Found4you.

Schacht & Westerich hat seinen Sitz jetzt in Schnelsen

Doch die Zusammenarbeit währte nur wenige Monate, Mitte dieses Jahres zog sich Busch als Geschäftsführer und Anteilseigner wieder zurück. Auch über die Hintergründe des Scheiterns dieser Kooperation bleiben Rasehorns Angaben vage: „Wir haben gemeinsam entschieden, dass es besser ist, wenn jeder der Partner allein weitermacht.“ Vergangene Woche wurde die Trennung auch räumlich vollzogen. Schacht & Westerich hat seinen Sitz jetzt nicht mehr in der Speicherstadt, sondern am Kulemannstieg in Schnelsen kurz vor der Landesgrenze.

Und wie sieht der Chef die Zukunft des Unternehmens, das binnen eines Jahres fast alle Filialen und den Großteil seiner Mitarbeiter verloren hat? Rasehorn sagt, er sei in Verhandlungen über Geschäftsräume für eine neue Filiale. „Nicht wieder in einem Einkaufscenter, sondern in einer Umgebung, in die wir gut hineinpassen.“ Unterschrieben sei noch nichts, aber im ersten Halbjahr 2017 könnte es wieder zwei Schacht & Westerich-Filialen in Hamburg geben, sagt Thomas Rasehorn.

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