Hamburg

ADFC will grünen Pfeil für Radfahrer

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Daniel Herder

Der Verkehr würde flüssiger werden, glaubt der Fahrrad-Club. Rot-Grün hat Sicherheitsbedenken

Hamburg. Freie Fahrt auch bei Rot – der Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) fordert grüne Abbiegepfeile für Radfahrer an Hamburger Ampelkreuzungen. Dadurch soll Radlern bei Rotlicht an ausgewählten T-Kreuzungen das Rechtsabbiegen oder sogar Geradeausfahren gestattet werden – sofern die Verkehrslage es zulässt, sprich: die Kreuzung frei ist. „So könnte der Radverkehr in Hamburg deutlich flüssiger fließen“, sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau.

Es ginge mitnichten darum, Radler zum Ignorieren von Rotlicht zu animieren, sagt Lau. In Deutschland werden Radler, die über Rot fahren, mit einem Bußgeld von bis zu 180 Euro zur Kasse gebeten. Doch an zahlreichen Kreuzungen müssten Radfahrer bei Rot nun mal ohne Not länger verharren. Beispiel: Ein Radler möchte an einer Ampelkreuzung nach rechts auf einen Radweg fahren, muss aber an einer roten Ampel halten – obgleich er den Verkehr gar nicht behindern würde, wenn er über Rot führe. „Ampelschaltungen sind primär für Autofahrer gemacht und bremsen den Radverkehr häufig aus, ohne dass es Sinn macht“, sagt Lau. „Wichtig ist natürlich immer, dass Radfahrer auch bei grünen Pfeilen eventuell bevorrechtigten Verkehrsteilnehmern den Vorrang geben“, so Lau weiter.

Aus Sicht des ADFC könnten in Hamburg an zahlreichen Ampelkreuzungen Abbiegepfeile für Radfahrer installiert werden. Rechts abbiegenden Radlern könnte etwa an der Kreuzung Ballindamm/Alstertor, an der Kreuzung Elbchaussee (Richtung Teufelsbrück)/Halbmondsweg, an der Max-Brauer-Allee/Julius-Leber-Straße oder am Hohenzollernring (Richtung Behringstraße)/Bernadottestraße bei Rot freie Fahrt gewährt werden. Für die Geradeausfahrt bei Rotlicht eigne sich beispielsweise die Kreuzung Elbchaussee/Parkstraße. Oder auch die Kreuzung Palmaille/Höhe Behnstraße.

In den Niederlanden und in Frankreich gehören Abbiegepfeile für Radler längst zum alltäglichen Straßenbild, etwa in den französischen Städten Bordeaux, Nantes und Straßburg. Die Pfeile sind dort allerdings nicht grün, sondern gelb gefärbt. Ein dreieckiges Schild mit einem gelben Fahrrad und einem gleichfarbigen Pfeil weist auf die freigegebene Fahrtrichtung bei Rotlicht hin. Das Schild entspricht dem Zeichen 205 der deutschen Straßenverkehrsordnung: „Vorfahrt gewähren“. Die eindeutige Form, so der ADFC, weise Radfahrer darauf hin, dass sie beim zugelassenen Abbiegen bei Rot den Vorrang der anderen Verkehrsteilnehmer zu beachten hätten.

Mit großem Erfolg wurden die Schilder bereits in Basel getestet. Die Stadt hat einen Pilotversuch mit Abbiege-Pfeilen an mehreren Kreuzungen bis Dezember 2016 ausgedehnt – eine Erhöhung der Unfallzahlen konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Auch in Deutschland gab es in den Kommunen bereits entsprechende Vorstöße. So wurde in München das bisher nur für den Straßenverkehr geltende Grünpfeilschild exklusiv auch für den Radwegeverkehr angeordnet. Dabei wurden allerdings die üblichen Grünpfeilschilder an spezielle Fahrradampeln montiert – um neue, nur für Radfahrer geltende Verkehrsschilder, wie sie der ADFC fordert, handelt es sich dabei nicht. Die Einführung eines grünen Pfeils für den Radverkehr müsste ohnehin vom Bundesrat abgesegnet werden. Für einen grünen Abbiegepfeil setzt sich in Hamburg neben dem ADFC auch die Linke-Bürgerschaftsfraktion ein. Bereits im Februar dieses Jahres hatte die Linke den Senat – letztlich erfolglos – aufgefordert, sich im Bundesrat für Radler-Abbiegepfeile stark zu machen.

Denn aus Sicht von Rot-Grün sprechen vor allem Sicherheitsbedenken gegen derartige Schilder. Zudem würde so der Schilderwald für die Verkehrsteilnehmer noch dichter, noch unübersichtlicher werden. „Das Abbiegen bei Rot für Radfahrer sehen wir kritisch. Es stellt für Fußgänger eine Gefahrenquelle dar. Vor allem Menschen mit Seheinschränkungen brauchen beim Überqueren der Straße das Vertrauen, dass – wenn die Ampel ein akustisches Signal sendet – der Weg für sie tatsächlich frei ist“, sagt Christiane Blömeke, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Ähnlich äußert sich auch CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering. „Eine solche Regelung würde eine zusätzliche Gefahr für den Rad- und Autoverkehr bedeuten“, so Thering. „Außerdem macht es keinen Sinn, den grünen Pfeil für Autofahrer abzubauen und gleichzeitig einen grünen Pfeil für Radfahrer zu etablieren.“

Den Vorschlag, grüne Abbiegepfeile für Radler zu installieren findet Wieland Schinnenburg, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, indes nicht ganz abwegig. „Wir sollten an das Thema nicht mit Scheuklappen herangehen“, sagt Schinnenburg. „Grundsätzlich sind Maßnahmen zu unterstützen, die den Radverkehr flüssiger machen. Hamburg sollte die Möglichkeit eines grünen Abbiegepfeils für Radfahrer prüfen.“

Radfahrern grundsätzlich zu gestatten, bei Rotlicht nach eigenem Gusto die Straße zu überqueren, wie es der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek im Sommer dieses Jahres gefordert hatte, ist für den ADFC indes keine Option. Den Vorschlag hatte bereits die Deutsche Polizeigewerkschaft als „absurd“ zurückgewiesen. „Das wäre ein völlig falsche Signal: Wir brauchen mehr Verkehrsdisziplin, nicht weniger“, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der WAZ.

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