Hamburg

Wo Hamburg nichts kostet

Wer ein bisschen sucht, kann in der Hansestadt vieles ohne Eintritt erleben – von Konzerten über Museumsbesuche bis zu Kursen für Kinder

„Was nichts kostet, ist nichts wert“, sagt ein Sprichwort, und zugeschrieben wird es einem der vermutlich klügsten Köpfe, die je gelebt haben. Doch selbst ein Albert Einstein darf sich auch mal irren. Jedenfalls ein bisschen. Denn für diejenigen, die finanziell eher auf der Schattenseite des Lebens stehen, gibt es tatsächlich erstaunlich viele Alternativen zum allabendlichen Fernsehmarathon auf der heimischen Couch – sogar jetzt, in der kühlen, regnerischen Jahreszeit. Eine Auswahl – vom Jazzkonzert über Pflanzenkunde bis zum Pottwahl-Skelett.

Musik und Konzerte

Im wiedereröffneten Birdland an der Gärtnerstraße 122 in Eimsbüttel (www.birdlandhamburg.de) heißt es immer donnerstags ab 21 Uhr „Jam Session“ bei freiem Eintritt; auf dem Feuerschiff im Hafen heißt diese Konzertform „Blue Monday“ und beginnt immer montags um 20.30 Uhr (www.das-feuerschiff.de). Im Cascadas an der Ferdinandstraße 12, parallel zum Ballindamm an der Binnenalster (www.cascadas.club), veranstaltet die Jazz Federation Hamburg e.V. jeden Mittwoch um 21 Uhr ebenfalls eine „lockere Jam-Session“. Mehr Indie-Musik und Alternative Rock (häufig mit einer guten Prise Hip-Hop) gibt es alle 14 Tage sonntags im „Saal“ vom Haus 73 im Schanzenviertel zu hören (Schulterblatt 73, unter www. dreiundsiebzig.de). Ebenfalls ordentlich auf die Ohren gibt es jeden Dienstag und Mittwoch von 20.30 an im Musikertreff Hamburg, der sich in der BaRRock im Überseering 5–7 in der City Nord eingenistet hat (unter www.musikertreff. hamburg.bz). Hier erhalten Künstler und Nachwuchskünstler aus den Bereichen Rock, Blues und Pop die Möglichkeit, ihr Können auf einer offenen Bühne zu präsentieren. Das notwendige Equipment stellt der Musikertreff zur Verfügung.

Bereits seit zehn Jahren laden die Handelskammer Hamburg und der Hamburger Kammerkunstverein regelmäßig zum Lunchkonzert in die Börsenarkaden ein. Am kommenden 27. Oktober steht beispielsweise Johannes Brahms auf dem Programm (Sonate für Violoncello und Klavier e-Moll op. 38); es spielen Johannes Krebs, Violoncello, und Franck-Thomas Link, Klavier. Wer also einmal im Monat sein Trommelfell mit klassischer Musik verwöhnen statt mit Kaugeräuschen in der Firmenkantine malträtieren will, sollte den „Lunch­letter“ des Hamburger Kammermusikvereins im Internet (unter www. kammerkunst­.de) abonnieren, um zu erfahren, was gegeben wird.

Angesichts der geradezu überbordenden Fülle des Programms empfiehlt sich für die kostenlosen Konzerte in der Hochschule für Musik und Theater am Harvestehuder Weg 12 eine ähnliche Vorgehensweise: Unter www. hfmt-hamburg.de/veranstaltungen muss man sich zwar leider etwas umständlich durch alle Veranstaltungen hindurchklicken, aber man wird garantiert fündig.

Nicht ungehört sollen an dieser Stelle auch die Orgelklänge verhallen, die durch die Kirchenschiffe von St. Johannis (Heimhuder Straße 192, Harvestehude, immer donnerstags um 12 Uhr), St. Jacobi (zwischen Mönckeberg- und Steinstraße, immer donnerstags um 16.30 Uhr), St. Petri und Pauli (Bergedorfer Schlossstraße 2, immer freitags 18.30 Uhr) oder durch die Hauptkirche St. Petri (Bei der Petrikirche 2, zumeist mittwochs um 17.15 Uhr) brausen. Viele weitere kostenlose Konzertangebote findet man darüber hinaus unter www.hamburg.de/kostenlos.

Wer den Begriff „kostenlos“ ein wenig dehnbar interpretiert, kann beispielsweise am Freitagabend (ab 22 Uhr) eines der zumeist hervorragend besetzten Jazzkonzerte in der Nancy Tilitz Galerie im Dammtorbahnhof (Eingang über den Dag-Hammarskjöld-Platz, rechts neben McDonald’s) besuchen, zahlt zwar keinen Cent Eintritt; er muss auch nichts konsumieren, aber wer dann doch ein paar Euro für ein Getränk mit Erdnüssen (!) erübrigen kann, trägt dazu bei, dass die rührige Galeristin ihre Stromrechnung bezahlen kann (www.nancys-galerie-jazz.com). Und auch der Mojo Club auf der Reeperbahn (Hausnummer 1, www.mojo.de) öffnet regelmäßig freitags und sonnabends ab 21 Uhr sein „Jazz Café“, wobei die Musik jedoch vom Plattenteller kommt – und der Club erwartet von seinen Gästen wenigstens eine Mindestbestellung. Die Livekonzertreihe des Clubs nennt sich „Jazz N Soul Stew“, und da heißt es dann „Cheer for fees“: Der erste Drink gilt als Eintritt und kommt dann zu 100 Prozent den jeweiligen Künstlern zugute.

Museen

Optische und (eventuell auch geistige) Anregungen erhält man in den Museen der verschiedenen Fachbereiche der Universität Hamburg. Die bekanntesten Sammlungen, die kostenlos besucht werden können, sind:
Zoologisches Museum
(Martin-Luther-King-Platz 3, dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr, montags und an Feiertagen geschlossen); besonders beeindruckend ist das riesige Pottwahl-Skelett – und es gibt dort neben zahlreichen Präparaten von Wölfen und Bären und vielen anderen Tieren auch ein Wiedersehen mit dem legendären NDR-Walross Antje.
Geologisch-Paläontologisches Museum
(Bundesstraße 55, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr); hier kann man eine Menge über die Entwicklung unserer Erde erfahren.

Mineralogisches Museum (Grindelallee 48, mittwochs 10 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr, an Feiertagen geschlossen); unter anderem ist ein 424 Kilogramm schwerer Meteorit zu bestaunen.

Wer sich jetzt noch durch die Museen-Website der Universität Hamburg durcharbeiten möchte (www.cenak.uni-hamburg.de), wird dabei auf viele weitere interessante Sammlungen stoßen.

Natur und Forschung

Eine der berühmtesten kostenlosen Attraktionen in Hamburg – die Wasserspiele in Planten un Blomen – werden erst wieder im kommenden Frühjahr ins Programm genommen. Aber der Park macht auch bei strömendem Regen Spaß – wenn man im Trockenen durch die fünf Schaugewächshäuser des Botanischen Gartens in der Jungiusstraße streift, wobei man zahlreiche Pflanzen aus den verschiedenen Klimazonen unseres Planeten entdecken kann. Den Rest des Oktobers haben die Häuser montags bis freitags von 9 bis 16.45 Uhr, am Wochenende und feiertags von 10 bis 17.45 Uhr geöffnet. Von November an bis einschließlich Februar schließen die Häuser bereits um 15.45 Uhr.

Ein wenig Geduld, mindestens drei Stunden Zeit und ein grundsätzliches Interesse an Physik sollte man jeweils am ersten Sonnabend im Monat mitbringen, wenn man Hamburgs größtes Forschungszentrum Desy (Notkestraße 85, www.desy.de) besichtigen möchte. Wichtig: Man muss sich unbedingt vorab anmelden, entweder telefonisch (040/89 98-36 13) oder per E-Mail (an desypr@desy.de). Von montags bis freitags werden, jeweils um 10.30 und um 14 Uhr, ebenfalls Gruppenführungen veranstaltet, an die sich Familien, kleine Gruppen und Einzelpersonen dranhängen können.

Kunst

Wer zeitgenössische Kunst erleben, dabei zumeist auch ziemlich interessante Menschen treffen (und vielleicht auch ein Gläschen Wein „schnorren“) mag, dem seien an dieser Stelle die zahlreichen Vernissagen empfohlen, die Abend für Abend irgendwo in Hamburger Galerien veranstaltet werden. Das Angebot ist wirklich überbordend, aber zum Glück gibt es einige Websites, auf denen man sich beinahe schon stundenlang aufhalten kann. Einfach „Vernissagen Hamburg“ in die Google-Suchmaske eingeben, und schon geht der virtuelle Suchtrip los (bewährt haben sich unter anderem die Seiten www.hamburg 2go.de oder www.kulturlotse.de sowie www.hamburg.de/galerien-hamburg).

Für Kinder

Auch und vor allem Kinder haben jedoch einen berechtigten Anspruch auf kostenloses Freizeitvergnügen. Die meisten Hamburger Museen erheben inzwischen keinen Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, und auch die gestalterischen Töpferkurse in der Fabrik (Barnerstraße 36, www.fabrik.de) – immer dienstags und donnerstags von 12 bis 18 Uhr – kosten nichts. Die Steigerung von „Fabrik“ heißt jedoch „Honigfabrik“: Dabei handelt es sich um das Wilhelmsburger Kulturzentrum an der Industriestraße 132 (www.honigfabrik. de), das jeweils montags und dienstags sowie donnerstags bis freitags zahlreiche kostenlose Kurse – von der musikalischen Früherziehung bis hin zum „Freaky Friday“ oder Tanz und Theater – anbietet. Das Programm nennt sich „KinderKultur“ – „Pokémon Go“ sollte schließlich nicht alles sein.