Glücksatlas 2016

Warum die Menschen im Norden besonders glücklich sind

Zwar sind auch die Hamburger überdurchschnittlich zufrieden, doch im deutschlandweiten Regionen-Vergleich rutschte die Hansestadt von Platz 4 auf 6 ab (Symbol)

Zwar sind auch die Hamburger überdurchschnittlich zufrieden, doch im deutschlandweiten Regionen-Vergleich rutschte die Hansestadt von Platz 4 auf 6 ab (Symbol)

Foto: Georg Wendt / dpa

Erneut Spitzenplatz für Schleswig-Holstein. Auch die Hamburger sind überdurchschnittlich zufrieden, doch der Wert sinkt. Die Analyse.

Hamburg.  Sie leben, wie viele nicht ohne Stolz betonen, in „der schönsten Stadt der Welt“ und sind doch immer weniger glücklich. Das jedenfalls geht aus dem Glücksatlas 2016 hervor, den die Deutsche Post am Dienstag in Berlin vorstellte. Demnach sind die Hamburger erneut etwas unglücklicher als noch im Vorjahr. Im deutschlandweiten Regionen-Vergleich rutschte die Hansestadt von Platz 4 auf 6 von 19 ausgewerteten Regionen ab. Zwar werden in Hamburg noch immer überdurchschnittliche Werte erreicht, jedoch zeigt der Lebenszufriedensheitsindex für den Spitzenreiter von 2011 nur noch 7,20 Punkte an.

Ostdeutsche sind skeptischer und unzufriedener

Der deutsche Durchschnitt beträgt 7,11 auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten. Damit liegt der Wert höher als 2015 (7,02) und erreicht einen Spitzenplatz seit dem Start der repräsentativen jährlichen Untersuchung für das Jahr 2010. Mit Blick auf Europa liegt Deutschland jedoch nur im Mittelfeld. Die Bundesrepublik klettert dabei um einen Platz von Rang 10 auf Rang 9 nach oben und liegt damit weiter im oberen Mittelfeld. Ungeschlagen an der Spitze bleibt Dänemark, die rote Laterne hält Griechenland.

Die Deutsche Post hat den „Glücksatlas 2016“ veröffentlicht. Würden Sie persönlich sich als glücklich bezeichnen?

Allerdings klaffen bei der subjektiven Zufriedenheit in Deutschland auffällige Unterschiede zwischen den Regionen: So sind Ostdeutsche durchweg skeptischer und unzufriedener. Berlin stieg in diesem Jahr auf den viertletzten Platz ab. Hinter der Hauptstadt folgen nur noch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und als Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern.

Spitzenreiter ist erneut das Nachbarland Schleswig-Holstein, gefolgt von Niedersachsen / Nordsee (2. Platz) und Franken (3. Platz). Schleswig-Holstein liegt damit zum vierten Mal nacheinander an der Spitze und verteidigte laut Studie mit 7,41 Punkten seine Position als Region mit den glücklichsten Deutschen. Besonders zufrieden sind die Schleswig-Holsteiner demnach mit ihrer Wohn- und Freizeitsituation (7,8), mit ihrer Arbeit (7,0) und mit dem Haushaltseinkommen (6,9). Der letzte Punkt liegt über dem deutschen Mittelwert, obwohl das verfügbare Einkommen im Norden mit 21.548 Euro nur minimal den deutschen Durchschnitt übertrifft.

Ein Grund für eine überdurchschnittliche Bewertung beim Punkt „Zufriedenheit mit der Gesundheit“ (6,6) besteht der Studie zufolge darin, dass es im Norden relativ weniger Pflegebedürftige gibt, obwohl der Anteil der über 65-Jährigen über dem Bundesschnitt liegt. Weiter gestiegen ist die Attraktivität Schleswig-Holsteins für Menschen aus anderen Ländern: Die Gäste-Übernachtungen je Einwohner nahmen von 8,8 auf 9,6 zu.

Große Einkommensunterschiede in Hamburg

Zwar sind auch die Hamburger laut Glücksatlas 2016 immer noch überdurchschnittlich zufrieden, dennoch verlor die Hansestadt im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze innerhalb des Rankings. Die Gründe dafür sind nach Ansicht der Autoren vielschichtig. Zwar sei in Hamburg das hohe verfügbare Einkommen von 23.596 Euro je Einwohner ein Garant für hohe Zufriedenheitswerte bei den Finanzen, heißt es in der Studie. Gleichzeitig müssten die Hansestädter mit 47 Prozent fast die Hälfte ihres Einkommens für Miete ausgeben - so viel wie nirgendwo anders in Deutschland.

Als „eher unvorteilhaft für das Glücksempfinden“ wirkt sich den Wissenschaftlern zufolge auch aus, dass es bei den Einkommen so große Unterschiede gibt. Zudem gebe es an der Elbe eine große Zahl von prekären Arbeitsverhältnissen, also Jobs mit wenig Lohn und entsprechend geringer sozialer Absicherung. Mit 18 Prozent verdienten in keiner anderen Region Deutschlands mehr Menschen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens als in Hamburg - und würden damit offiziell als von Armut bedroht gelten.

Hamburg punktet mit Freizeit- und Kulturangebot

Überdurchschnittlich hohe Werte erzielte Hamburg auch bei der Frage „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Gesundheit?“. Das führen die Forscher darauf zurück, dass an der Elbe vergleichsweise wenige gesundheitlich beeinträchtigte Personen leben und auch die Plegequote gering ist. Hinzu kommt, dass in Hamburg die wenigsten alten Menschen zuhause sind. Mit 18,9 Prozent ist der Anteil der über 65-Jährigen in keiner anderen Region geringer. Für einen Glücksschub bei den Befragten sorgte die Hansestadt auch beim Freizeit- und Kulturangebot.

Die Daten für den Glücksatlas 2016 stammen aus dem sogenannten Sozio-oekonomischen Panel und einer als repräsentativ eingestuften Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, das im Frühsommer 5888 Menschen ab 16 Jahren befragt hatte.