Hamburg

Neue S-Bahn hat sogar Klimaanlage

Der erste von 60 Zügen rollt seit gestern durch Hamburg. Aber Fahrgäste dürfen erst 2017 zusteigen

Hamburg.  Die Hamburger S-Bahn ist künftig klimatisiert. Das heißt: Temperaturen wie in der Sauna werden auch an heißen Tagen der Vergangenheit angehören. Im Winter sollen die Züge dank der Klimaanlage dagegen angenehm temperiert sein. Allerdings müssen sich die Hamburger noch bis zum Herbst 2017 gedulden, um diese Vorzüge zu genießen. Denn erst dann wird die neue Fahrzeuggeneration ET 490 den Probebetrieb mit Fahrgästen aufnehmen. Acht Züge sollen dann zunächst auf dem Hamburger Streckennetz fahren, 54 weitere sind bestellt.

Der erste, 66 Meter lange Zug wurde am gestrigen Dienstag im S-Bahn-Werk Ohlsdorf vorgestellt. Gebaut wurde das Fahrzeug bei Bombardier Transportation in Hennigsdorf bei Berlin. Die Strecke nach Hamburg legte der S-Bahn-Zug in rund viereinhalb Stunden zurück. Das hätte er auch schneller geschafft, denn statt der Spitzengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern fuhr der ET 490 nur Tempo 80. Der Zug muss erst eingefahren werden.

Dafür ist jetzt genügend Zeit, denn seit Dienstagabend werden mit dem Modell erste Testfahrten im Hamburger Streckennetz gemacht. Die Fahrgäste dürfen erst in einem Jahr mitfahren, weil das Eisenbahnbundesamt nach den Testfahrten noch die offizielle Zulassung erteilen muss.

Insgesamt hat die S-Bahn Hamburg GmbH, eine Deutsche-Bahn-Tochter, 60 Fahrzeuge der Baureihe ET 490 bestellt und investiert rund 350 Millionen Euro – das entspricht rund 5,83 Millionen Euro pro Zug. Es ist allerdings nicht wirklich ein Ausbau der Flotte: Denn der ET 490 soll die Baureihe ET 472 ersetzen, die nach und nach ausgetauscht wird. Der neue Zug unterscheidet sich schon rein optisch mit seinem modernen Design von den Vorgängern: Die silberne Spitze ist in Form eines „H“ gestaltet, das für Hamburg stehen soll.

Neu ist auch: Alle Züge der Baureihe ET 490 sind mit Durchgängen zwischen den Wagen ausgestattet. Das erhöhe das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, sagte S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke. In dem Zug wurden großzügigere Bereiche für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen eingerichtet. Außerdem gibt es erstmals Bildschirme, auf denen das Fahrgastinfomationssystem läuft und auch die nächste Haltestelle angezeigt wird.

Jeder Zug hat 190 Sitz- und 280 Stehplätze. S-Bahn-Chef Arnecke machte noch auf eine Besonderheit aufmerksam: „Für den Betrieb der Klimaanlagen setzen wir Wärmepumpen ein, die im Sommer für kalte Luft sorgen und im Winter für Wärme. Eine solche Art der Energiegewinnung ist in Zügen in Europa bislang einmalig und wird sonst nur in Energiesparhäusern angewendet.“

Auch Hamburgs Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) kam am Dienstag zur Präsentation der neuen Fahrzeuggeneration. Er sagte: „Im S-Bahn-Netz ist eine Modernisierung und Ausweitung dringend erforderlich.“ Außerdem erklärte Rieckhof im Gespräch mit dem Abendblatt. „Es gibt eine Option, bis zu 64 weitere Fahrzeuge dieser Baureihe zu bestellen.“

Auch die Hamburger Hochbahn investiert in ihre U-Bahn-Flotte: 52 Züge der neuen Baureihe DT 5 setzt das Verkehrsunternehmen zurzeit im Hamburger Streckennetz ein. Bis zum Jahr 2019 sollen alle neuen 118 Fahrzeuge ausgeliefert sein und in der Hansestadt fahren. Insgesamt hat die Hochbahn rund 540 Millionen Euro investiert.

Die Nachfrage ist groß: Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) rechnet für 2016 mit insgesamt 767,5 Millionen Fahrgästen. 2019 soll die 800-Millionen-Marke überschritten werden.