Hamburg

Eigene Lerngruppen für LSE-Kinder?

FDP schlägt zeitweise getrennten Unterricht in Deutsch, Mathe und Englisch vor

Hamburg.  Die FDP-Opposition will mit einem unkonventionellen Vorschlag neuen Schwung in die Diskussion um die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Grund- und Stadtteilschulen bringen. Nach dem Willen der Liberalen sollen zusätzliche Lerngruppen eingerichtet werden, in denen Kinder mit Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache sowie soziale und emotionale Entwicklung (LSE) zumindest zeitweise in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik unterrichtet werden.

„Die Einrichtung von Lerngruppen, in denen diese Schüler temporär oder längerfristig an ihrer Schule unterrichtet werden, würde eine zielgenaue Förderung ermöglichen“, heißt es in dem FDP-Antrag, den die Bürgerschaft am morgigen Donnerstag debattieren wird. Der Unterricht könne dabei flexibel gemeinsam oder getrennt erfolgen, „je nach Fach und individueller Situation“. Vorbild für die FDP ist die besondere Klasse für autistische Kinder am Johannes-Brahms-Gymnasium in Bramfeld.

„Inklusion braucht kreative Lösungen und einen langen Atem“, sagt die FDP-Schulpolitikerin Anna von Treuenfels-Frowein. Viele Lehrer seien mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf im Rahmen der Inklusion überfordert. Häufig sei ein geregelter Unterricht unter diesen Umständen schwierig. „Dies führt dann dazu, dass besonders Schüler mit LSE-Förderbedarf leiden, weil sie so Ausgrenzung und Misserfolg in der Schule erleben“, so Treuenfels-Frowein weiter.

Aus Sicht der FDP können LSE-Schüler in einer getrennten Lerngruppe gezielter gefördert werden, um dann anschließend wieder besser am gemeinsamen Regelunterricht teilzunehmen. In Fächern wie Sport, Theater oder Musik sei der gemeinsame Unterricht einfacher zu realisieren. „So kommt man dem Gedanken der Inklusion schrittweise näher“, so die FDP-Abgeordnete.

Treuenfels-Frowein wirft der rot-grünen Mehrheit in der Bürgerschaft vor, dass in ihrer Welt „nur Platz ist für ein undifferenziertes Dafür oder Dagegen“. Die stellvertretende FDP-Fraktionschefin, die den Gegenwind für ihren Vorschlag schon vorausahnt, fordert eine offene und konstruktive Diskussion: „Man darf nicht mit der Moralkeule jede Debatte im Keim ersticken.“

Laut FDP-Antrag sollen die Schulen selbst entscheiden, ob sie das Modell übernehmen wollen. Um die Chancen auszuloten, sollen zunächst drei Schulen testweise mit eigenen Lerngruppen für LSE-Kinder starten.