Evangelische Nordkirche

500. Jubiläum der Reformation: Lutherjahr beginnt im Norden

Pünktlich zum
Jubiläumsjahr gibt
es im Lutherhaus in
Eisenach auch Magneten
mit dem Porträt
Martin Luthers aus
einem Cranach-Gemälde.
Das Museum
wurde nach umfangreicher
Sanierung
2015 wieder eröffnet

Pünktlich zum Jubiläumsjahr gibt es im Lutherhaus in Eisenach auch Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde. Das Museum wurde nach umfangreicher Sanierung 2015 wieder eröffnet

Foto: picture alliance / dpa

Schon jetzt starten Veranstaltungen. 31. Oktober wird in Hamburg im kommenden Jahr ein gesetzlicher Feiertag.

Hamburg.  Wenn die evangelische Nordkirche das Reformationsjubiläum im nächsten Jahr feiert, vertraut sie voll und ganz der griechischen Göttin der Jagd und des Waldes. Mit dem nach ihr benannten Chartersegler „Artemis“, einem Dreimaster, werden Vertreter der evangelischen Kirche im Juni von Stralsund bis nach Hamburg schippern und in den 13 Kirchenkreisen verkünden, dass die Reformation, die Erneuerung der Kirche, noch heute andauern muss.

Doch nicht nur das: Um das 500. Jubiläum der Reformation 2017 zu feiern, schwingen sich Pröpste bereits in wenigen Tagen auf Lastenfahrräder, singt Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs bei der Hauptprobe für das Luther-Oratorium mit, feiern Katholiken und Protestanten gemeinsame Gottesdienste und hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) Feierstimmung verordnet. Dank seiner Initiative wird der 31. Oktober 2017, ein Dienstag, in Hamburg ein gesetzlicher arbeits- und schulfreier Feiertag sein. Diese Regelung gilt allerdings nur für 2017.

„Die Reformation brachte den Hamburgern nicht nur eine neue Glaubensanschauung, sondern auch mehr Demokratie“, sagt Olaf Scholz. „So hatte die Reformation auch in der Hansestadt erhebliche gesellschaftliche, politische und kulturelle Auswirkungen – bis heute.“

Los geht der Countdown für das Jubiläum 2017, das an den Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 erinnert, in wenigen Tagen mit einer Fahrradtour. Dabei wollen die Hamburger Pröpste Frie Bräsen, Thomas Drope und Karl-Heinrich Melzer am 30. beziehungsweise 31. Oktober jeweils einen Tag lang zwischen 60 und 90 Kilometer zurücklegen und Luther-Bibeln unters Volk bringen. Die Geistlichen fahren mit den E-Bikes in ausgewählte Kirchengemeinden und haben jeweils 2,7 Kilogramm schwere, druckfrische Luther-Bibeln im Gepäck – allesamt von 70 Theologen sprachlich auf den neus­ten Stand der Forschung gebracht.

Zwar führte die Reformation einst zur Trennung von der katholischen Kirche. Aber die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Konfessionen sollen bei dem Jubiläum nicht vergessen werden. Der offizielle ökumenische Auftakt zum diesjährigen Reformationsgedenken unter dem Motto „... und werde Licht“ findet am 26. November im Schleswiger Dom statt. Im nächsten Jahr (14. April) sind ein gemeinsamer Kreuzweg in Lübeck in Erinnerung an die Märtyrer, ein gemeinsamer Ostergottesdienst im Mariendom (17. April) und ein Pfingstgottesdienst im Schweriner Dom (5. Juni) geplant.

In Hamburg gibt es den diesjährigen Auftaktgottesdienst am 31. Oktober in der Hauptkirche St. Petri (18 Uhr) mit Bischöfin Fehrs und Landespastor Dirk Ahrens. „Die Trennung unserer Kirchen zu überwinden, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, sagt Veronika Pielken, Ökumene-Beauftragte des Erzbistums Hamburg. „Wir arbeiten zusammen daran und wollen betonen, was uns verbindet und eint.“

Wie Daniel Mourkojannis, Nordkirchen-Beauftragter für das Reformationsjubiläum sagt, sind die politischen und kulturellen Partner der einzelnen Bundesländer am Reformationsjubiläum beteiligt. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unterstützen mit eigenen Reformationshaushalten kulturelle Projekte. „Hamburg ist einen etwas anderen Weg gegangen“, sagt Mourkojannis. „Statt eines eigenen Haushalts hat man eine eigene Website für die Reformationsaktivitäten finanziert.“ In jedem Bundesland, fügt er hinzu, werde es zum Reformationsjubiläum 2017 einen Festgottesdienst und einen Empfang geben. Die Veranstaltungen am 31. Oktober 2017 sind in St. Nikolai (Rostock), im Schleswiger Dom und im Hamburger Michel geplant.

Luther-Oratorium in der Barclaycard Arena

Bereits in diesem Jahr können sich die Liebhaber lutherischer Texte auf das Luther-Lesefestival freuen. Zum zweiten Mal lädt die Nordkirche zu den „Martinstagen“ vom 6. bis zum 13. November in Hamburg ein. Acht Tage lang lesen und diskutieren rund 40 Autoren, Schauspieler, Theologen, Pu­blizisten und Musiker an verschiedenen Orten in Hamburg. Mit dabei sind unter anderem Schriftsteller wie Sibylle Lewitscharoff und Feridun Zaimoglu, die Philosophin Svenja Flaßpöhler, der YouTube-Darsteller Philippe Lefarth oder der Sinto-Musiker Giovanni Weiss.

„Je näher das Reformationsjubiläum rückt, umso stärker scheint das Interesse daran zu sein“, sagt Pastor Michael Stahl. Der Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsdienst der Nordkirche (AfÖ) mit Sitz an der Königstraße be­obachtet, wie häufig er inzwischen von unterschiedlichsten Menschen darauf angesprochen werde. Längst ist das AfÖ auf ein solches Ereignis vorbereitet.

Als neustes Produkt gibt es eine süße Überraschung: kleine essbare Luther-Botschafter von Haribo. „Davon haben wir drei Tonnen ins Lager gestellt“, sagt Stahl. Ebenfalls im Angebot: insgesamt zwei Tonnen Lutherkekse und Tausende Tüten von Luther-Bonbons. All das sei ein Beitrag dafür, „miteinander ins Gespräch zu kommen und über Luther zu diskutieren“.

Bischöfin Kirsten Fehrs freut sich derweil unter anderem auf das große Luther-Oratorium von Michael Kunze und Dieter Falk. Es wird bundesweit an verschiedenen Orten aufgeführt, in Hamburg am 18. Februar in der Barclaycard Arena mit rund 2000 Mitwirkenden. Die Bischöfin plant, bei den Hauptproben im Januar dabei zu sein.

Für die Theologin ist das Anliegen der Reformation noch heute sehr bedeutsam. Mit Hinweis auf die Aktualität von Luthers Erkenntnis sagt sie: „Eigene Leistungen führen nicht dazu, dass man Gott näher kommt.“ Modern gesprochen bedeute das, dass ein Mensch seine innere Unruhe und Selbstentfremdung nicht aus eigener Anstrengung aufheben könne. Fehrs: „Erlöst und innerlich befreit wird man nur durch die Liebe, deren Inbegriff Jesus Christus ist.“