St. Georg

Mann von Bus absichtlich umgefahren?

Prozess: Fahrer muss sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten

St. Georg. Es hatte etwas von einem Kräfteverhältnis David gegen Goliath. Ein Mann von normaler Statur – und ein Linienbus mit einem Gewicht von etlichen Tonnen: Es ist nur zu offensichtlich, dass kein Mensch in der Lage sein kann, ein solches Kraftpaket auf Rädern aufzuhalten. Und doch ist es zu einer solchen Konfrontation Mensch gegen Maschine gekommen. Und bei dem Versuch, sich dem tonnenschweren Gefährt entgegenzustemmen, ist ein Mann beinahe unter die Räder geraten. Ein Verschulden des Busfahrers?

Diese Frage soll jetzt in einem Prozess vor dem Amtsgericht geklärt werden, in dem sich ein 22-Jähriger wegen Körperverletzung verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft Torben K. vor, im August 2015 als Busfahrer im Schienenersatzverkehr in langsamem Tempo auf einen Fahrgast, der sich vor den Bus auf die Straße gestellt hatte, zugefahren zu sein, um den Mann von der Straße zu drängen. Hintergrund der Konfrontation ist laut Anklage, dass der Bus in der Nähe einer Haltestelle nicht angehalten hatte, der 20-Jährige ihn aber zum Öffnen der Tür zwingen wollte. Auch als der Fahrgast sich am Scheibenwischer des Busses festhielt, soll der Angeklagte langsam weitergefahren sein, sodass der Fußgänger stürzte und noch etwa einen halben Meter von dem Bus mitgezogen wurde. Er erlitt Schrammen an den Händen.

Nach Darstellung des Busfahrers ging die Aggression von dem Fahrgast aus. Er sei im Schienenersatzverkehr eingesetzt gewesen und habe an jener Haltestelle keine Fahrgäste aufnehmen sollen, erzählt Torben K., ein kräftiger Mann mit Dreitagebart. Der 20-Jährige habe „mit voller Kraft“ mehrfach gegen die Tür des Busses gehämmert. Als der Mann sich von dem Fahrzeug entfernt habe, „fuhr ich in Schrittgeschwindigkeit los. Er sprang mir vor den Bus, hielt sich am Scheibenwischer fest und rutschte unter das Fahrzeug, weil ich gebremst habe“, verteidigt er sich. Der 20-Jährige habe sich dann selbstständig aufgerichtet und ihn angeguckt, „dass ich richtig Angst gekriegt habe. Dann schlug er mit dem Scheibenwischer gegen das Busfenster.“

Der Zeuge schildert indes, wie er in Gefahr geraten sei. Zwar habe der Bus nicht an der Haltestelle gestanden, er habe trotzdem gehofft, einsteigen zu können. „Ich habe an die Tür geklopft, aber der Bus fuhr los und gegen mich. Ich bin rückwärts gefallen“, so der 20-Jährige. Aus Reflex habe er sich am Scheibenwischer festgehalten. „Er fuhr noch etwa einen halben Meter weiter.“ Er sei indes „nicht richtig unter den Bus geraten. Ich konnte mich abstützen“.

Ein Augenzeuge erinnert sich an einen „sichtlich aufgebrachten“ Mann, der sich vor den Bus gestellt habe. „Der Bus fuhr an, er fuhr Stück für Stück weiter, immer einen Tick schneller.“ Doch auch zuletzt sei es „nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit gewesen. Er traf den Mann mit der Front des Busses mehrfach an der Brust. Er hielt an, als der junge Mann gestürzt ist.“ Der Prozess wird fortgesetzt.