Hamburg

10.000 neue Wohnungen sollen Markt entspannen

Flüchtlinge verschärfen Lage. Stadt setzt auf „Sickereffekt“

Hamburg. Der Bau von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr ist laut der Einigung des Senats mit der Initiative „Hamburg für gute Integration“ eine Voraussetzung dafür, dass Integration gelingen kann. Eine der wichtigsten Aufgaben sei es, genügend Raum in Wohnungen zu finden. „Die Lage auf dem Markt ist unabhängig von den Flüchtlingen angespannt, aber dieser Faktor wird immer stärker zum Tragen kommen“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg.

Es wird davon ausgegangen, dass von den 30.000 Flüchtlingen, die seit 2015 einreisten, eine weitere Sogwirkung ausgeht. So könnten mehrere Tausend Flüchtlinge im Rahmen des Familiennachzugs nach Hamburg kommen, bis zum März hatten nach Abendblatt-Recherchen 26.000 Zuwanderer die Erlaubnis für den Nachzug erhalten. Zudem könnten viele Flüchtlinge aus dem Umland absehbar in Hamburg Arbeit finden und somit auf den Wohnungsmarkt treffen.

Laut Mieter- und Grundeigentümerverbände könnte es einen verstärkten Wettbewerb um kleine Wohnungen zwischen Flüchtlingen, Studenten und anderen einkommensschwachen Gruppen geben. Der Wohnungsbau soll diesen Mangel lindern. Die Stadtentwicklungsbehörde geht von einem wissenschaftlichen Modell aus, nach dem der Wohnungsbau den Markt beschleunigt: Bestehende Mieter ziehen in die Neubauten und bieten somit Platz in erschwinglichen Bestandswohnungen, der Effekt der Neubauten „sickert“ von oben durch alle Teile des Wohnungsmarktes, so die Theorie.

In welchen Stadtteilen die Wohnungen „freigezogen“ werden, ist nicht absehbar – und somit auch nicht, in welchen Stadtteilen sich Flüchtlinge niederlassen. Nach einer Auswertung des Statikamtes lebten die Staatsangehörigen der häufigsten Herkunftsländer vor 2015 über die Stadt verteilt. Eine größere Zahl von Afghanen gab es in Billstedt (1515 von 11.800 Afghanen), von Syrern in Farmsen-Berne (161 von 2100 ). (crh)