Finanzen

Banker: „Die Hamburger sind risikobereiter“

Sie wollen den Norden erobern: Carsten Gennrich (l.) und Thilo H. Wendenburg, persönlich haftender Gesellschafter, in der Hamburger Niederlassung

Sie wollen den Norden erobern: Carsten Gennrich (l.) und Thilo H. Wendenburg, persönlich haftender Gesellschafter, in der Hamburger Niederlassung

Foto: Roland Magunia / HA

Privatbank Merck Finck & Co will im Norden expandieren. Chef schätzt die international denkenden Anleger.

Hamburg.  Den Unterschied zwischen reichen Hamburgern und Münchnern kennt Thilo H. Wendenburg, persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Merck Finck & Co, sehr genau. „Die Hamburger sind schon offener bei der Geldanlage“, sagt er und blickt dabei aus dem Fenster der neuen Niederlassung in unmittelbarer Nähe der Alster, die von Carsten Gennrich geleitet wird. Hamburger schauten eher über die deutschen Grenzen als die Münchner. „Im Süden Deutschlands sind die vermögenden Anleger extrem verwöhnt von den steigenden Immobilienpreisen“, sagt Wendenburg. In Hamburg sind die Preise in den vergangenen fünf Jahren zwar auch um bis zu 65 Prozent gestiegen, aber es gab auch lange Phasen der Stagnation bei der Preisentwicklung. Deshalb, glaubt Wendenburg, mussten die Hamburger schon immer ihr Vermögen stärker diversifizieren.

Nun will das 1870 in München gegründete Bankhaus in Norddeutschland noch stärker wachsen. Die Beratung der Kunden findet überwiegend bei ihnen zu Hause statt. Die Voraussetzungen für die Expansion sind günstig, denn das Vermögen im Privat Banking wächst in Deutschland im Vergleich zum rest­lichen Europa überdurchschnittlich, wie aus einem aktuellen Mc Kinsey Report hervorgeht. Die betreuten Privatver­mögen stiegen in Deutschland um neun Prozent, europaweit nur um sieben Prozent.

Wendenburg für Expansion gut gerüstet

„In den vergangenen drei Jahren ist unser verwaltetes Vermögen um 20 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro gestiegen“, sagt Wendenburg. Noch in diesem Jahr soll die Marke von zehn Milliarden Euro geknackt werden, zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. Etwa ein Fünftel davon entfalle auf Norddeutschland.

Eine Million liquides Vermögen muss ein Kunde mitbringen, wenn er von Merck Finck & Co betreut werden will. Doch Wendenburg setzt nicht nur auf Gewinnung neuer einzelner Kunden, sondern hat sich auch die Über­nahme einer Privatbank oder einer Vermögensberatungsgesellschaft vorgenommen. Das wäre eine neue Qualität für die – verglichen mit M.M. Warburg & Co und Berenberg – eher kleinere Privatbank, die in Hamburg auf ein extrem starkes Wettbewerbsumfeld trifft. Mit der Otto M. Schröder Bank und der Sutor Bank gibt es weitere Privatbanken in der Stadt, und erst kürzlich hat das Bankhaus August Lenz mit Hauptsitz in München eine neue Niederlassung am Neuen Wall eröffnet. Auch wenn die Institute unterschiedliche Zielgruppen haben: Abseits der Filialbanken – wie Deutsche Bank oder Hamburger Sparkasse – gibt es rund ein Dutzend Institute in der Hansestadt, die sich um vermögende Kunden bemühen.

Doch Wendenburg sieht sich für die Expansion auch von der Eigentümerseite gut gerüstet. Nachdem August von Finck jun. 1990 das Geschäft an die britische Barclays Bank verkauft hat, ist Merck Finck & Co Teil der KBL European Private Bankers mit Sitz in Luxemburg, zu der fast ein Dutzend europä­ischer Privatbanken gehören. Hinter der KBL steht die Herrscherfamilie des Emirats Qatar.

Auch vermögende Kunden leiden unter niedrigen Zinsen

Die starke Konkurrenzsituation in Hamburg schreckt Gennrich nicht. Er will das Team von 18 Mitarbeitern in Hamburg noch weiter aufstocken. Zahlen nennt er aber nicht. „Es macht auch keinen Sinn, hier Zahlen vorzugeben, denn wir benötigen starke Persönlichkeiten für die Beratertätigkeit“, sagt Gennrich. Nicht selten werden diese Berater auch von der Konkurrenz ab­geworben.

Auch die vermögenden Kunden leiden unter den niedrigen Zinsen, aber sie haben leichteren Zugang zu Anlagealternativen, die einen jährlichen, kontinuierlichen Ertrag versprechen, auch wenn sie risikoreicher als festverzinsliche Wertpapiere sind. „Zu den Alternativen gehören Windräder mit einer jährlichen Rendite von vier bis fünf Prozent und Investitionen in Waldflächen“, sagt Wendenburg. „Da in Deutschland die Preise für Wald schon extrem ange­zogen sind, schauen wir uns in Skandinavien, Kanada und der Ostküste der USA um.“

Dennoch können nach Wendenburgs Einschätzung auch „normale“ Anleger von seiner Klientel etwas lernen. „Bei großen wie kleineren Beträgen gilt: Diversifikation, also nicht alle Eier in einen Korb legen und sich nicht von Tagesschwankungen an der Börse aus der Ruhe bringen lassen“, sagt Wendenburg. So seien seine Kunden nach dem Kurssturz am Aktienmarkt durch den Brexit ganz gelassen geblieben. Schon wenige Wochen später zeigte sich, wie richtig diese Entscheidung war. Aber vielleicht liegt das auch an den Beträgen, die in den Depots der vermögenden Kunden schlummern – egal, ob an der Isar oder der Elbe.