Luftfahrt

Flugzeugbauer Airbus fusioniert mit sich selbst

Tom Enders, Chef der Airbus Group, will den Konzern künftig noch effizienter machen

Tom Enders, Chef der Airbus Group, will den Konzern künftig noch effizienter machen

Foto: picture alliance / dpa

Dachfirma und Ziviljettochter werden eins. Arbeitsplätze vor Abbau. Hamburg wohl nicht so stark betroffen.

Hamburg.  Innerhalb von nur drei Jahren erhält Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern jetzt schon den dritten Namen: Aus EADS wurde die Airbus Group, in Kürze soll das Unternehmen einfach nur noch Airbus heißen – so wie die Zivilflugzeugtochter, das wichtigste Geschäftsfeld der Gruppe.

Doch es bleibt nicht bei einer bloßen Namensänderung. Die Führung des Konzerns hat jetzt einen radikalen Integrationsschritt beschlossen: Die Dachgesellschaft – aktuell die Airbus Group – soll mit der bisher rechtlich selbstständigen Ziviljettochter zusammengelegt werden.

„Wir sind entschlossen, ein neues Leistungsniveau zu erreichen“, erklärte dazu Konzernchef Tom Enders. „Dies gelingt uns unter anderem durch die weitere Verschlankung der Unternehmensstrukturen und die Einführung einer einfacheren, agileren Gesamtorganisation, die sich auszeichnet durch weniger Bürokratie, engere Zusammenarbeit und schnellere Prozesse.“ Die Details der Zusammenlegung und die damit verbundenen Auswirkungen würden nun mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert.

Airbus vereinfacht Führungsstrukturen

Der Verwaltungsratsbeschluss, den der Airbus-Konzern am Freitag veröffentlichte, ist eine Konkretisierung der Spar- und Umstrukturierungspläne, die Enders in einem auf den 20. September datierten Brief an die Belegschaft ankündigte (das Abendblatt berichtete). Nähere Angaben zu dem damit offenbar verbundenen Stellenabbau machte ein Unternehmenssprecher aber auch am Freitag nicht.

Dass Arbeitsplätze wegfallen werden, liegt angesichts der in der aktuellen Mitteilung enthaltenen Zitate von Tom Enders jedoch nahe. Airbus vereinfache Führungsstrukturen und beseitige Redundanzen, heißt es da. Der Abbau dürfte vor allem in Toulouse spürbar werden, wo sowohl die Dachgesellschaft als auch die Ziviljettochter ihren Sitz haben. In Deutschland wird wohl hauptsächlich Ottobrunn bei München, ein wichtiger Standort der Airbus Group, betroffen sein. Ohnehin gehe es primär um Arbeitsplätze in der Verwaltung, wie aus dem Unternehmen verlautete: „Es ist ja nicht so, dass die Beschäftigten in der Produktion nichts zu tun hätten.“ Gerade der Zivilflugzeugbau ist extrem gut ausgelastet: Der Auftragsbestand von zuletzt fast 6900 Jets sichert Arbeit für mehr als zehn Jahre.

Personelle Konsequenzen stehen schon fest

Lediglich beim Megaflieger A380 gibt es durch die für 2018 angekündigte Produktionsdrosselung absehbar Überkapazitäten. Die hier nicht mehr benötigten Mitarbeiter dürften aber in anderen Flugzeugprogrammen, etwa für den Bau des neuen Langstreckenjets A350, Beschäftigung finden.

In Gewerkschaftskreisen hieß es, man gehe derzeit nicht davon aus, dass die aktuellen Beschlüsse von Airbus gravierende Auswirkungen auf den Standort Hamburg haben werden. Anders könnte das in den Werken der Hubschrauber-Sparte des Konzerns aussehen. Hier untersuche man angesichts des rückläufigen Marktes „weitere erforderliche Anpassungen unserer Kapazitäten“, hieß es in dem Mitarbeiterbrief von Tom Enders.

Personelle Konsequenzen auf der obersten Unternehmensebene stehen aber schon fest: Vorstandschef des neuen Airbus-Konzerns wird Enders sein. Fabrice Brégier, bisher Chef der Ziviljet-tochter, wird Chief Operating Officer (COO) und erhält konzernweite Verantwortlichkeiten, unter anderem für die Neugestaltung der digitalen Geschäftsaktivitäten und für die Themen globale Lieferkette und Qualität. Außerdem leitet er weiter die Zivilflugzeugsparte.

Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte sowie der Hubschrauberbereich bleiben „integraler Bestandteil“ des Konzerns, wie Airbus mitteilte.