Hamburg

Ringen um die Macht in der Kammer

Drittes Bündnis für Plenarwahl im Januar ins Leben gerufen: „Wir wollen eine starke Handelskammer!“

Hamburg. Rebellen, Reformer und Traditionalisten – was braucht man mehr für einen zünftigen Wahlkampf? Die Schlacht um die Macht in der Handelskammer Hamburg kann seit Wochenbeginn jedenfalls als offiziell eröffnet gelten. Am Montag wurde bereits die dritte Gruppe gegründet, die bei der Plenarwahl im Januar und Februar 2017 mitmischen will.

Nach den sogenannten Kammerrebellen von „Die Kammer sind WIR“, die bereits seit der Wahl 2014 mit zwölf Vertretern im Plenum der Kammer sitzen, rief der Medienunternehmer Robin Houcken kürzlich die „Unternehmer für Hamburg“ ins Leben, ein Bündnis, das nach eigenen Angaben vor allem mittlere und kleine Firmen mit moderatem Reformwunsch vertreten will. Und nun stellte die amtierende Kammer-Vizepräsidentin Birgit Kochen-Schmidt-Eych am Montag eine dritte Gruppierung vor – mit dem Namen „Vorfahrt für Hamburg“.

Zu den Gründern der Gruppe, die sich in der Rolle der Bewahrer einer guten Tradition sieht und „die erfolgreiche Arbeit der Kammer“ stärker in den Blickpunkt stellen will, gehören außerdem: Willem van der Schalk, Chef des Logistikers A. Hartrodt, Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann, Budnikowsky-Chef Cord Wöhlke und Andreas Pfannenberg (Pfannenberg-Gruppe). Unterstützt wird „Vorfahrt für Hamburg“ von Flughafenchef Michael Eggenschwiler, Thomas Schünemann (Hamburger Software) und Gunter Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg.

„Die Handelskammer hat als Motor der Entwicklung großen Anteil, dass Hamburg eine starke Dienstleistungs-, Logistik-, Handels- und Indus­triemetropole ist“, schreiben Kochen-Schmidt-Eych und ihre Mitstreiter in ihrem Gründungspapier. „Wollen wir vorankommen, benötigen wir weiterhin eine starke Wirtschaftsvertretung gegenüber Politik und Verwaltung.“

Der Gruppe sei es „wichtig, die Leistungen der Kammer in den Vordergrund zu rücken, damit der Eindruck verschwindet, es werde hier immer nur gestritten“, so Kochen-Schmidt-Eych. „Die Kammer leistet hervorragende Arbeit bei der Unterstützung von Unternehmen im In- und Ausland und bei der Ausbildung. Uns geht es darum, die Kammer wieder starkzumachen.“ In Hamburg müsse die Infrastruktur weiterentwickelt und Gewerbe und Industriegebiete dürfen „nicht weiter beeinträchtigt werden“, fordert die Gruppe. Es sollten mehr Mittel in die Forschung fließen und Bürokratie abgebaut werden. Die Kammer müsse „kreativ, innovativ, beweglich und professionell geführt werden“. Die Forderung, Pflichtbeiträge abzuschaffen, verurteilt die Gruppe als „populistisch“ – zumal 40 Prozent der Mitglieder sowieso von der Zahlung befreit seien. Als Vorwurf an die WIR-Gruppe lässt sich die Forderung verstehen, mehr Sachargumente im Plenum auszutauschen und weniger „Fensterreden“ zu halten.

Mitgründer van der Schalk betonte am Montag, die Gruppe wolle auch nach dem jüngsten für die Kammer ungünstigen Gerichtsurteil dafür kämpfen, dass der Präses auch künftig bei öffentlichen Veranstaltungen frei seine Meinung äußern dürfe. Das umstrittene Gehalt von Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz von mehr als einer halben Million Euro pro Jahr hält die „Vorfahrt“-Gruppe für angemessen. „Es ist vergleichbar mit größeren Firmen in der freien Wirtschaft“, so van der Schalk. „Und das ist für uns ein wichtiger Maßstab.“