Premiere in Hamburg

"Zauberflöte" an der Staatsoper: Viel Licht, viel Schatten

 Szene aus der "Zauberflöte", die von der Staatsoper direkt an den Jungfernstieg übertragen wurde 
Foto:dpa

Szene aus der "Zauberflöte", die von der Staatsoper direkt an den Jungfernstieg übertragen wurde Foto:dpa

Foto: dpa

Für ihre verstolperte Inszenierung von Mozarts Publikumsliebling kassierte Regisseurin Jette Steckel am Freitagabend viele Buh-Rufe.

Hamburg. Die Erwartungen waren hoch, kaum eine Oper ist beliebter als Mozarts „Zauberflöte“. Dass die Staatsopern-Chefetage ausgerechnet diesen Publikumsliebling zur Neuinszenierung an Jette Steckel übergab, zeugt von großem Vertrauen in die Regisseurin, die sich vor allem mit Theaterarbeiten profiliert hat. Doch was Steckel als Nachfolger der Achim-Freyer-Inszenierung an der Dammtorstraße auf die Bühne stellte, hatte nicht den Charme des respektarmen neuen Blicks, sondern war lediglich ein unausgereiftes, übertrieben und orientierungslos dahingewürfeltes Durcheinander.

Pausenlos leuchtet der LED-Vorhang

Szenisch verließ sich Steckel bei der Eröffnungspremiere der Spielzeit viel zu sehr darauf, dass die Verortung im leeren Bühnen-Irgendwo schon durch die Faszination der riesigen LED-Vorhänge aufgefangen und wieder eingerenkt wird. Fast pausenlos wurde dieser Spezialeffekt ausgereizt, bis zur Überreizung, die schnell einsetzte. Irgendwas blinkte immer. Viel Licht also, doch dramatisch finster sah es im Regiekonzept aus. Das junge, an Erfahrung zu arme Ensemble mühte sich weitgehend vergeblich, die komplexe Handlung anschaulich zu machen, weil ihr tieferer Sinn ständig unter sehr flachen Pointen begraben wurde, die vor sehr wenig Halt machten.

Auch musikalisch war zu viel Luft nach oben: Einzig Jonathan McGovern als Papageno und Christina Gansch als Pamina entsprachen dem Niveau, dass man an einem Haus wie der Hamburger Oper für dieses Stück erwarten können darf. Gastdirigent Jean-Christophe Spinosi, als Alte-Musik-Spezialist eigentlich für angenehme und anregende Stil-Überraschungen prädestiniert, servierte mit einer philharmonischen Rumpf-Besetzung (die meisten sind mit Generalmusikdirektor Kent Nagano gerade zu einer Südamerika-Tournee aufgebrochen) und Aushilfen faden Allerwelts-Mozart. Am Ende kassierte die Regisseurin viele erboste Buh-Rufe von großen Teilen des Premierenpublikums.

Nächste Vorstellung: Sonntag, 25.9., 18 Uhr. Weitere Infos: www.staatsoper-hamburg.de. Eine ausführliche Kritik lesen Sie in der Montag-Ausgabe vom „Hamburger Abendblatt“.