Hafencity

Die Elbfest-Premiere überrascht und begeistert

50 Traditionsschiffe liefen am Sonnabend zur großen Parade aus und fuhren von der HafenCity bis Övelgönne

50 Traditionsschiffe liefen am Sonnabend zur großen Parade aus und fuhren von der HafenCity bis Övelgönne

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Historische Schiffe, offene Türen, Kultur, Kulinarisches und jede Menge Sonne zogen gut doppelt so viele Besucher wie erwartet an.

Hafencity.  Schiffe gucken, klugschnacken, ein bisschen Plünnkram oder hippe Ware shoppen, entspannen und auf den überall platzierten Liegestühlen Musik und Sonne genießen. Gut 50.000 Leute kamen am Wochenende zum ersten Elbfest Hamburg in den Sandtorhafen, ein voller Erfolg. 10.ooo bis 20.000 hatten die Veranstalter von der Stiftung Hamburg Maritim erwartet.

Ein alternativer Hafengeburtstag sollte es werden, der den Hamburgern ihr maritimes Erbe vor Augen führt und die alten Schiffe öffnet. 50 historische Pötte paradierten am Sonnabendnachmittag auf der Elbe und unterstrichen den seemännischen Anspruch. Jeder konnte ein Ticket lösen und mitfahren. Erwachsene 35 Euro, Kinder die Hälfte.

Auf Landgang floss der Alkohol sehr maßvoll, der Gesang kam von den Bands, nicht vom Publikum. Das übliche Gedränge zwischen den Ständen hatten die Veranstalter bewusst vermieden und Platz gelassen. Immer wieder taten sich Räume auf für Darbietungen oder einfach zum Gucken und Luftholen.

Mit der Barkasse ging es vom Sandtorhafen zum Hafenmuseum auf dem Kleinen Grasbrook, wo der alte Senatsdampfer „Scharhörn“ die Kohlekessel angeheizt hatte und zu Fahrten auf der Elbe auslieft. Die „Bleichen“, ein in der Restaurierung befindlicher, eisbrechender Stückgutfrachter aus den 1950er-Jahren, konnte besichtigt werden, im großen Kinderprogramm stellten Handwerker ihre Kunst zur Schau und machten kleine Kinder zu großen Reepschlägern.

Stars im Sandtorhafen waren die großen Holzschiffe wie die „Präsident Freiherr von Maltzahn“: ein 30 Meter langer Zweimaster, der 1928 bei Heinrich Sietas als Segelkutter gebaut wurde. Seinen skurrilen Namen verdankt er dem damaligen Chef des Rügener Fischereiverbands, der der Legende nach manches Problem für die Fischer löste.

Zwei Plätze weiter vorn die „Landrath Küster“ von 1889, der älteste existierende Finkenwerder Hochseekutter. 28,50 Meter lang, 211 Quadratmeter Segelfläche. Auch er bei Sietas erbaut, in nur drei Monaten und für den Preis dreier kleiner Katen hinterm Deich –, etwa 15.000 Mark. Die großen Fischdampfer und viele Totalverluste im Winter auf der eisigen Nordsee besiegelten auch das Ende der „Landrath Küster“, die insgesamt stolze 81 Jahre unterwegs war. 1991 wurde sie völlig heruntergekommen aus Holland zurückgekauft und in jahrelanger Arbeit von Grund auf restauriert.

Viel Platz und Abwechslung

„Kapitäne (und liebevolle Handwerker) gesucht“ war denn auch das Motto der Ehrenamtlichen von der Stiftung Hamburg Maritim, die die alte Seefahrt auch weiterhin erlebbar machen wollen – Schönwetter vorausgesetzt. Vom denkmalgeschützten „Lieger Caesar“ aus, einem schwimmenden Kontor einer ehemaligen Ewerführerei, koberten sie Nachwuchs. Mit Erfolg: Bei der Stiftung meldeten sich weit mehr als 100 Interessenten, die sich näher mit den historischen Schiffen befassen wollen und damit liebäugeln, ehrenamtlich auf einem der ollen Pötte anzuheuern.

Auch alte Fahrensleute kamen vorbei, mit dem Fotoalbum unterm Arm und Geschichten aus 1001 Seefahrt. Gegenüber von der Kaianlage auf dem Flohmarkt gab es große Holzkisten für das Seemannsgarn dazu.

Offeriert wurden auch Geweihe, gebrauchswertfreie Laternen, Design aus dem vergangenen Jahrhundert oder modische Accessoires aus dem Hier und Jetzt: Ankerarmbänder und solche mit kleinen Schäkeln als Schließe, modische Gürtel oder handgemalte, kleinformatige Aquarelle mit Vogelmotiven. Das einzigartige Original zu 55 Euro, für den kleinen Geldbeutel gab es Drucke zwischen 5 und 15 Euro.

Dazwischen immer viel Platz und Abwechslung. Auf den Magellan-Terrassen Musik vom poppig-fluffigen Trio um Kris Bauer, Improvisationstheater auf dem alten HHLA-Kran, wo Thalia-Leute „Hidden Shakespeare“ zeigten. Es gab Führungen zur Architektur der HafenCity, gut besuchte Vorträge über Kaffee und Handel. Und mittendrin die große alte Hamburgensie: Harrys Hafenbasar, der einzige Laden, der schon vor der Tür 5 Euro fürs Gucken nahm. Wer seine Ruhe wollte, war hier richtig.