Hamburg

Das schwierige Geschäft der Fotohändler

René Burg, Filialleiter beim Fotohaus Wiesenhavern. In der Hand hält er eine Systemkamera von Sony

René Burg, Filialleiter beim Fotohaus Wiesenhavern. In der Hand hält er eine Systemkamera von Sony

Foto: Klaus Bodig / HA

Einfache Digitalkameras verkaufen sich kaum noch. Hochwertige Apparate, Action-Cams und Drohnen sind dagegen stark gefragt.

Hamburg.  Noch nie in der Geschichte wurde so viel fotografiert wie in diesem Jahr: Mehr als eine Billion Mal drücken Verbraucher Schätzungen zufolge rund um den Globus auf den Auslöser, wobei sie im Schnitt für drei von vier dieser Aufnahmen ihr Mobiltelefon benutzen. Somit können Fotoeinzelhändler wie etwa Wiesenhavern in Hamburg von der Bilderflut nur eingeschränkt profitieren. Denn ihr Kernprodukt, die Digitalkamera, verkaufte sich in den zurückliegenden Jahren immer schlechter. Während deutschlandweit im Jahr 2011 insgesamt fast 8,6 Millionen solcher Geräte abgesetzt werden konnten, dürften es 2016 nur noch 3,5 Millionen Stück sein, ein Minus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz schrumpft voraussichtlich um zehn Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Das prognostiziert der Photoindustrie-Verband (PIV) im Vorfeld der Branchenmesse „photokina“, die am 20. September in Köln beginnt.

„Der Gesamtmarkt bei den Kameras geht zurück, das lässt sich nicht übersehen“, sagt René Burg, Filialleiter von Wiesenhavern an der Mönckebergstraße. „Aber wir bekommen das sicher weniger stark zu spüren als manche unserer Wettbewerber.“ Der Grund: Einfache und billige Kompaktkameras sind bei Wiesenhavern ohnehin weitgehend aus dem Sortiment verschwunden. „Hier liegt die Preisuntergrenze bei uns jetzt in der Region von 400 bis 500 Euro“, erklärt Burg.

Zwar sinke die Stückzahl der verkauften Kameras, dafür verschiebe sich der Fokus immer mehr auf höherwertige Geräte. Damit gelinge es, die Umsätze relativ stabil zu halten. Am wichtigsten für das traditionsreiche Geschäft mit 30 Mitarbeitern ist laut Burg heute das Segment der sogenannten Systemkameras im Preisbereich von ungefähr 700 bis 900 Euro, wobei Spitzenmodelle bis zu 2000 Euro kosten. Solche Systemkameras können mit Wechselobjektiven sehr vielseitig genutzt werden, sind aber kompakter und leichter als digitale Spiegelreflexkameras.

Prognosen des Verbands PIV und des Marktforschungsinstituts GfK vom März zufolge wird der Umsatz mit derartigen Systemkameras in diesem Jahr in Deutschland bei nahezu konstanter Stückzahl um fast acht Prozent steigen. Dies spreche für die Bereitschaft der Konsumenten zu höherpreisigen Anschaffungen, hieß es dazu.

Auch Objektive für digitale Spiegelreflexkameras machen nach den Worten von Burg bei Wiesenhavern nach wie vor einen bedeutenden Teil des Geschäfts aus.

Zuversichtlich ist die Branche insgesamt aber nicht zuletzt im Hinblick auf „Action-Cams“, denen man ein Absatzplus von 17 Prozent im Jahr 2016 zutraut. Dabei handelt es sich um meist sehr kompakte und robuste Videokameras, die man etwa beim Mountainbike-Fahren an den Helm montieren kann.

Sofortbildkameras erleben Renaissance

Als neues und wachstumsstarkes Segment werden außerdem 360-Grad-Kameras gesehen, die mit mehreren Objektiven Kugel-Panoramen aufnehmen und für Anwendungen aus dem Bereich der „virtuellen Realität“ erforderlich sind. Sie seien auf der diesjährigen „photokina“ ein „brandheißes Thema“, so der PIV.

Noch sehr viel Luft nach oben habe auch der Markt für Kamera-Drohnen. Zwar hat auch Wiesenhavern mehrere Multicopter-Modelle für ungefähr 500 bis 900 Euro im Programm, sagt Filialleiter René Burg. Aber in Hamburg sei das leider ein „schwieriges Thema“: In einer Großstadt mit zwei Flughäfen und etlichen anderen Verbotszonen gibt es wenig Raum für ferngesteuerte Fotoflüge in legalem Rahmen.

Zumindest indirekt kommt den Fotoeinzelhändlern auch die immense Menge der mit Smartphones aufgenommenen Bilder zugute. Anders als noch vor wenigen Jahren erwartet finden immer mehr von ihnen ihren Weg auf Papier oder andere bedruckbare Medien, stellt der Verband PIV fest, wobei in verstärktem Maße zuletzt auch junge Menschen unter den Kunden seien. Vergrößerungen in Postergröße, selbst gestaltete Fotokalender und Fotobücher gelten als Wachstumsmarkt.

Ebenfalls aus der analogen Welt kommt ein weiterer Trend: Sofortbildkameras erleben derzeit eine Renaissance. Mehrere Hersteller sind mit einer breiten Palette von Modellen auf dem Markt. Schätzungen zufolge werden in diesem Jahr sogar mehr Sofortbildkameras verkauft als 1991, im Rekordjahr des Branchenpioniers Polaroid.