Persönlich

Vom Studenten zum gefragten Designer

Vor 30 Jahren studierte Milan Markovic an der Armgartstraße Mode. Jetzt kehrt er mit einer Ausstellung zurück

Altstadt.  Der Mann in den kurzen Hosen und die Frau in dem schwarzen Polka-Dot-Kleid kennen sich seit mehr als 30 Jahren. „Ich habe Milan beim Feiern in St. Georg kennengelernt“, erzählt Hilde Leiss. „Das war in den 80er-Jahren, eine tolle Zeit, da haben wir uns für Partys richtig ins Zeug gelegt.“ Also, rein kleidertechnisch. Schon damals habe Milan Markovic (heute 53) für sie Kleider entworfen – „Stücke, die ich heute noch besitze.“

Und genau das ist es, was die Mode des serbisch-deutschen Designers ausmacht: Wertigkeit, Haltbarkeit. Er möchte Klassiker schaffen, statt kurzlebige Trends zu setzen. Zu sehen sind seine Mäntel, Pullover, Mützen und Schals aus Hindukusch-Kaschmir und Seide in einer Ausstellung, die seine Freundin, die Goldschmiedin und Galeristin Hilde Leiss, noch bis zum 20. September in ihren Räumen am Großen Burstah 38 zeigt: „Industriefotografie und Entwürfe für Mode“.

Als 23-Jähriger kam der in Belgrad geborene Markovic erstmals nach Hamburg, um an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) das zu studieren, was ihm eigentlich am Herzen lag: nicht Jura, nicht Wirtschaft, sondern Modedesign. Die erstgenannten Fächer hatte er zuvor in Köln und Bonn versucht, aber seine Mutter habe ihn nach einigen Semestern gefragt: „Willst du das wirklich dein Leben lang machen?“ Die Antwort war klar: „Nein!“

Schon im zweiten Semester an der Armgartstraße gründete Markovic eine eigene Firma, an der Danziger Straße in St. Georg zeigte er seine Modelle. Die Modenschauen, die er in der damaligen Eilbeker Diskothek Voilà inszenierte, gerieten regelmäßig zu ausufernden Partys. Markovic arbeitete mit dem Deutschen Schauspielhaus und der Hochschule für Musik und Theater zusammen. Schon bald fragten Hotels und Unternehmen an, ob er Kollektionen für sie entwerfen könne. So wurde Markovic zum ersten deutschen Designer für sogenannte Corporate Fashion. Alles schön und gut, nur war mit dem wirtschaftlichen Erfolg die eigene Identität, die eigene Handschrift in den Hintergrund gerückt.

Zur Rückbesinnung ging Markovic für einige Jahre in seine Heimat Belgrad, eröffnete dort eine Boutique, gründete ein Netzwerk aus Handwerksbetrieben, mit denen schon sein Großvater gearbeitet hatte. „Ich war beeindruckt von deren Talenten. Ein Schneider war darunter, der nur mit den Augen Maß nahm – und das angefertigte Teil passte haargenau. Leider verliert das Handwerk in Serbien noch mehr an Wert als in Deutschland. Dabei gehört es zur Kultur eines Landes.“

Markovic lässt noch heute Teile seiner kleinen Kollektion für Frauen und Männer in Serbien fertigen. Privat wurde es ihm zu trubelig, er zog nach Berlin, ohne dabei die Verbindung zur Hansestadt zu kappen. „Mein Bruder, viele Freunde und treue Kunden leben hier. Und aktuell überlegen mein Partner und ich, ob wir uns wieder neben Berlin in Hamburg ein zweites Standbein aufbauen.“ Hamburg sei weltoffen und freundlich. „Ich schätze an der Stadt, dass sie einerseits leger und andererseits förmlich auf eine positive Art ist. Eine gewisse Verbindlichkeit vermisse ich oft in Berlin.“

Dass seine Ausstellung nun zuerst in Hamburg zu sehen ist, spricht für sich. Die Mode und die Fotografien von Gebäuden aus Hamburg, Berlin und Belgrad sind eine Gesamtschau seines aktuellen Schaffens als Designer und Fotograf, die zweite Leidenschaft des Milan Markovic. Die Eröffnungsfeier mit 150 illustren Gästen endete wie so oft im Lieblingsrestaurant des Kreativen: „Bei Artischocken im Rialto.“

Von Massenfertigung hat sich Markovic längst verabschiedet. Kunden, die sich für einen Mantel oder ein Kostüm entscheiden, bekommen das Modell auf den Leib geschneidert. An den kommenden vier Sonnabenden ist Markovic von 10 bis 18 Uhr in der Galerie Hilde Leiss hautnah zu erleben.