Hafen

Feuerwehr: Hamburgs Löschboote sind veraltet

Einsatzkräfte fordern Modernisierung der Flotte. Neues Flaggschiff für 16 Millionen Euro soll erst in zwei Jahren kommen.

Hamburg.  Nach dem Großbrand auf dem Containerfrachter „CCNI Arauco“ regt sich erneut Kritik an der Einsatztauglichkeit der Hamburger Löschbootflotte. Wie berichtet, musste eigens aus Cuxhaven das dem Havariekommando unterstehende Mehrzweck-Hochseeschiff „Neuwerk“ anrücken, um durch Wasserbeschuss die glühende Außenhaut der „Arauco“ zu kühlen. Die zwei noch diensttauglichen Hamburger Feuerlöschboote boten bei dem dreitägigen Löscheinsatz im Waltershofer Hafen einen mickrigen Anblick: Die alten Boote mit ihrer Länge von 23 Metern wirkten neben der „Neuwerk“ wie Spielzeugschiffchen. „Der Brand hat gezeigt, dass die Löschboote völlig unzeitgemäß sind“, sagt Daniel Dahlke, Sprecher des Berufsfeuerwehrverbandes.

Das Dilemma hat die Feuerwehr jedoch nicht selbst zu verantworten. Seit Jahren fordert sie eine Modernisierung ihrer Flotte. Die drei Löschboote – „Repsold“, „Oberbaurat Schmidt“ und „Branddirektor Krüger“ – wurden zu einer Zeit gebaut, als die Frachter noch deutlich kleiner waren. Sie sind bis zu 35 Jahre alt und liegen praktisch ständig in der Werft. So wie derzeit die „Brand­direktor Krüger“. „Die Zeiten, mit diesen Booten unserem Anspruch gerecht werden zu können, sind vorbei“, sagte Feuerwehrchef Klaus Maurer schon vor zwei Jahren dem Abendblatt.

Bereits im wegweisenden Strategiepapier 2010 der Hamburger Feuerwehr war eine Generalüberholung der Flotte als dringlich eingestuft worden. Drei Jahre später, im Juni 2013, beschloss die Bürgerschaft ein entsprechendes Konzept. „Die Flotte hätte längst auf den neuesten Stand gebracht werden können“, sagt der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Gladiator. „Stattdessen glänzte der Senat mit Untätigkeit zulasten der Sicherheit im Hafen und der Feuerwehrleute.“ Ähnlich äußerte sich auch Carl Jarchow, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Dieser Einsatz hat erneut sehr deutlich gemacht, dass eine moderne Ausstattung der Feuerwehr mit modernen Löschbooten unumgänglich ist.“ Die Bürgerschaft habe bereits vor drei Jahren beschlossen, dass drei neue Boote angeschafft werden sollen. Dennoch habe der rot-grüne Senat dies bis heute nicht veranlasst.

Video: Feuerwehr löscht Schiffsbrand

Dass Hamburg ein neues Löschboot braucht, ist unumstritten. Es soll ein etwa 40 Meter langes Mehrzweckschiff werden. „Der Beschaffungsprozess läuft“, sagt Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde. Das Schiff, das von der Hamburg Port Authority (HPA) in Auftrag gegeben wird, muss dann noch gebaut werden. „Eine Ausschreibung hat stattgefunden.“, heißt es von dort. Es seien bereits Angebote eingegangen.

In Dienst wird das XXL-Schiff deshalb wohl erst Mitte/Ende 2018 gestellt. Das Löschboot mit „einsatztaktischer Vollausstattung“ kostet rund 16 Millionen Euro und schafft nach jetziger Konzeption mit 14.000 Litern Pumpleistung etwa 2000 Liter mehr Wasser pro Minute als die zwischen 1980 und 1985 gebauten aktuellen Löschboote. Außerdem erhält die Feuerwehr 2019/2020 zwei weitere, kleine Löschboote, die zusätzlich auch anderweitig genutzt werden können. Die Feuerwehr erhofft sich von ihrem Flaggschiff, Brände an Containerschiffen und an Industrie- und Lagerhallen effektiver bekämpfen zu können. Im Vergleich wäre Hamburg dann sogar recht opulent ausgerüstet: Hafenstädte wie Bremerhaven haben beispielsweise kein eigenes Löschboot mehr. Die Feuerwehr Rostock verfügt noch über ein Löschboot aus den 80er-Jahren.

Feuerwehrsprecher Werner Nölken weist die Kritik am aktuellen Einsatz zurück. „Der Einsatz des Mehrzweckschiffs ,Neuwerk‘ gehört zur Konzeption bei solchen Schadenslagen“, sagt er. Das Havariekommando wird von den Küstenländern finanziert. Es ist das Flaggschiff der kleinen Flotte und wird dort eingesetzt, wo es benötigt wird. Dringend benötigt wurde die „Neuwerk“ jedenfalls in Hamburg – die Hamburger Löschboote waren der Herausforderung durch den Frachterbrand erkenntlich nicht gewachsen. Ein Feuerwehrbeamter: „Was wäre passiert, wenn die „Neuwerk“ zu weit entfernt oder in einem anderen Einsatz gebunden gewesen wäre?“