Fluglärm

Bürger fordern Nachtruhe und Umweltverträglichkeitsprüfung

Anflug auf den Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel. Hier an der Kollaustraße

Anflug auf den Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel. Hier an der Kollaustraße

Foto: Klaus Bodig / HA

Aussagen der Hamburger Parteien zu immer mehr verspäteten Flügen nach 23 Uhr und nachts verärgern die Initiativen für Fluglärmschutz.

Hamburg.  Die Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) hat der Hamburger Politik vorgeworfen, die Fluglärmbetroffenen nur zu vertrösten. Wer aber als Eigentümer und Betreiber die Vorteile eines Flughafens inmitten einer dicht besiedelten Metropolregion nutze, müsse auch die lagebedingten Nachteile akzeptieren und umfassende Betriebseinschränkungen zum Schutz der Bevölkerung akzeptieren, sagte René Schwartz von der BAW.

Angesichts der gescheiterten Pünktlichkeitsoffensive in Fuhlsbüttel liefen die Forderungen der Parteien lediglich darauf hinaus, mehr oder weniger schnell die niedrigen Strafzahlungen für verspätete Flugbewegungen (nach 23 Uhr) oder Nachtflüge (nach 24 Uhr) moderat zu erhöhen. Nötig aber sei die Einhaltung der Nachtruhe, also Flugverbote ab 22 Uhr, und die Verweigerung von Landeerlaubnissen bei Verspätungen. „Jeder Passagier, der auf seinem Billigstflugticket eine Landezeit nach 22.30 Uhr stehen hat, soll damit rechnen müssen, dass er in Hannover landet“, sagte Schwartz.

Lärmbelastung steigt seit 2003 linear

Außerdem forderte die BAW eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung für den Flughafen, der mehrheitlich der Stadt gehört. Die Politik könne zwar sämtliche Wirtschaftsdaten des Flughafens nahezu auswendig herbeten, wisse aber nur wenig über die Feinst- und Ultrafeinstaubbelastung, die der Flughafen verursache. Die durchschnittliche Lärmausbreitung pro Flugbewegung steige seit 2003 nahezu linear. Die Tagesrandzeiten würden mit im Jahresmittel täglich 20 Starts zwischen 6 und 7 Uhr bzw. 17 Landungen zwischen 22 und 23 Uhr maximal genutzt, obwohl das Bundesverwaltungsgericht ein „langsames an- und abschwellen“ des Lärms verlange, sagte Schwartz. Da Lärm krank mache sei der Lärmschutz aktiv, also mit Betriebseinschränkungen, zu betreiben und müsse Priorität haben vor wirtschaftlichen Erwägungen.

Schwartz wies darauf hin, dass die für die Stadt wichtigen Arbeitgeber Airbus und Lufthansa Technik weitestgehend unabhängig von den Betriebszeiten des Flughafens agieren. Der Flughafen aber rangiere im Hamburger Arbeitsplatzranking des Abendblattes erst auf Platz 43, und von seinen 1850 Arbeitsplätzen seien 900 als prekär einzustufen.