Hamburg

Was die Hamburger in ihrer Freizeit am liebsten machen

Fernsehen ist bleibt die häufigste Freizeitbeschäftigung der Hamburger

Fernsehen ist bleibt die häufigste Freizeitbeschäftigung der Hamburger

Foto: dpa Picture-Alliance / McPHOTO / picture alliance / blickwinkel/M

So wichtig sind uns Kultur, Sport, Shopping und Freunde: der neue Freizeitmonitor 2016 der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen exklusiv.

Freizeit: Für die meisten Hamburger ist sie die schönste Zeit des Tages und fast immer Mangelware. An einem Werktag stehen den Bürgern im Schnitt immerhin drei Stunden und 40 Minuten zur freien Verfügung. Hierbei müssen Frauen mit fast 20 Minuten weniger freier Zeit auskommen als Männer und Eltern sogar mit über einer Stunde weniger als kinderlose Paare.

Das größte Freizeitbudget haben Ruheständler, wohingegen Berufstätige deutlich seltener genau das tun können, was sie wollen. Wie aber verbringen die Hamburger die Zeit, wenn sie nicht schlafen, nicht arbeiten und keinerlei Pflichten haben? Geprägt wird diese in erster Linie durch den Medienkonsum zwischen Fernsehen und Radiohören, Telefonieren und Zeitung­lesen, Computer- und Internetnutzung.

97 Prozent sitzen gern vor der Glotze

Hierbei ist und bleibt Fernsehen die mit Abstand häufigste Freizeitbeschäftigung der Hamburger. 97 Prozent schalten regelmäßig, also wenigstens einmal pro Woche, in die Programme der öffentlichen und privaten Sender. Vorbei sind jedoch die Zeiten, in denen sich die ganze Familie still und andächtig vor dem Fernseher versammelte und sich auch durch Telefonate und Türklingeln nicht stören ließ. Heute stehen die Inhalte oftmals im Hintergrund.

Was zählt, ist meist die passive Berieselung auf dem Sofa oder die Nebenbeiunterhaltung, während parallel ge­bügelt, gegessen oder telefoniert wird. Momente, in denen das soziale „Lagerfeuer“ im Wohnzimmer aufflammt, existieren aber auch heute noch: Ob Supershow, Lieblingsserie oder Sportevent – hin und wieder werden bestimmte Formate geradezu inszeniert. Gemeinsam mit Freunden wird dann gefiebert, geraten, gehofft, gelacht und sich über die Sendung ausgetauscht.

Doch auch wenn das Fernsehen weiterhin das Leitmedium der Hamburger ist, spürt es zunehmend die Konkurrenz der Neuen Medien, erfreuen sich diese doch einer immer größer werdenden Popularität. So stieg beispielsweise in lediglich fünf Jahren die Internetnutzung in der Stadt um 57 Prozent, 40 Prozent mehr Hamburger hören unterwegs Musik, und 20 Prozent mehr telefonieren mit dem Handy.

Drei Viertel besitzen ein Smartphone

Letzteres gehört bereits fest zum Stadtbild – während kaum einer S-Bahn-Fahrt oder Wartesituation wird es nicht gezückt, und selbst im Restaurant, Café oder auf der Parkbank bleibt es nicht in der Tasche. Mittlerweile besitzen fast drei Viertel aller Hamburger ein Smartphone, und damit mehr Bürger als im Bundesdurchschnitt. Besonders häufig wird dieses – neben dem Telefonieren – zum Videogucken, Spielespielen und Musikhören gebraucht, wohingegen die Hamburger im Vergleich zur restlichen deutschen Bevölkerung weniger Nachrichten verschicken und weniger Zeit in sozialen Netzwerken verbringen. Innerhalb der Stadt zeigen sich hierbei große Unterschiede zwischen den Altersstufen: Während die jüngere Generation sehr Smartphone-affin ist und fast alle Funktionen regelmäßig und intensiv nutzt, begnügt sich die mittlere Generation mit einigen wenigen zentralen Aktivitäten wie Telefonieren, Nachrichtenverschicken oder Fotografieren. Für die meisten Vertreter der älteren Generation ist und bleibt das Smartphone nicht viel mehr als ein mobiles Telefon, das nur dann genutzt wird, wenn es wichtig ist.

Zulegen konnten im Jahresvergleich aber auch sportliche Aktivitäten. Ob Fitnessstudio, Fahrradfahren, Jogging oder eine andere Sportart – mehr und mehr Hamburger legen besonderen Wert auf körperliches Wohlbefinden.

Im Fünfjahresvergleich haben dagegen die meisten sozialen Aktivitäten an Bedeutung eingebüßt. So wird unter anderem weniger Zeit darauf verwendet, Freunde zu Hause oder auch außerhäuslich zu treffen, die Familie zu besuchen oder mit den Nachbarn zu plaudern. Ebenfalls seltener als noch 2011 gehen die Hamburger zudem durch die Einkaufsstraßen, Szeneviertel und Einkaufszentren der Stadt. Auch wenn viele Bürger es noch immer genießen, mit allen Sinnen dort bummeln zu gehen und sich kompetent und individuell beraten zu lassen, nutzt eine stetig wachsende Zahl von Hamburgern auch Onlineangebote und kauft so in Ruhe vom eigenen Sofa aus ein.

Kinos werden wieder beliebter

Unterschiede zeigen sich bei den kulturellen Aktivitäten in der Stadt. Zwar gibt es weiterhin Theatervorstellungen, Ballett- und Opernaufführungen, die das Publikum begeistern und schon Monate im Voraus bis auf den letzten Platz ausverkauft sind. Im Gesamtbild jedoch mussten hochkulturelle Aktivitäten, wie beispielsweise Oper, Ballett oder Theater, Einbußen verkraften. Über eine zunehmende Beliebtheit konnten sich hingegen die Hamburger Kinos, Rock- und Popkonzerte sowie die Attraktionen auf dem Hamburger Dom freuen. Gleichbleibend beliebt bleiben die Hamburgern Museen. Hier zeigen sich konstante Zahlen, wenn auch auf einem relativ niedrigen Niveau: Lediglich jeder dritte Hamburger besucht wenigstens einmal pro Jahr ein Museum.

Einigkeit herrscht bei den meisten darüber, dass sie zu wenig Freizeit haben und viele Aktivitäten gerne häufiger ausüben würden. Gerade für Unternehmungen mit anderen, aber auch zum Ausruhen, Nichtstun und Faulenzen fehlt vielen die freie Zeit. Für die Zukunft ist Freizeitgestaltung daher auch eine Frage der Prioritäten: Für welche Aktivitäten wird die Freizeit verwendet? Großes Potenzial haben spontane Aktivitäten. Ungeplant und ungezwungen genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat, rangiert sowohl beim Jahresvergleich als auch bei den Zukunftswünschen der Hamburger ganz weit oben.

Prof. Ulrich Reinhardt ist Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen