Hausmüll

5,40 Euro – und die Mülltonne ist geduscht

Dirk Tannenberg ist mit der Tonnendusche unterwegs, eine mobile Waschanlage für Mülltonnen

Dirk Tannenberg ist mit der Tonnendusche unterwegs, eine mobile Waschanlage für Mülltonnen

Foto: Michael Rauhe

Ein Existenzgründer aus Rahlstedt ist mit einer mobilen Waschanlage unterwegs. Die Tonnendusche arbeitet nur mit heißem Wasser.

Hamburg. Für die Wachsmanns ist es eine Premiere. Statt wie sonst die Biotonne nach der Abfuhr gleich wieder reinzuholen, bleibt sie an diesem Montagmorgen am Straßenrand stehen. Wenig später hält ein weißer Lastwagen vor dem Reihenhaus in Rahlstedt. Dirk Tannenberg steigt aus, hebt den Deckel des 80-Liter-Gefäßes. „Das geht ja noch“, sagt er. Reste von Erde verschmieren die Wände, auf dem Tonnenboden schwappt eine dunkle Brühe. An einer Seite macht der Fachmann Schwarzschimmel aus, aber weder Maden noch sonstiges Ungeziefer haben sich in der Tonne eingenistet. „Gleich ist alles blitzeblank“, sagt er und öffnet die großen Türen am Fahrzeugheck.

Die Tonnendusche kann beginnen. Dirk Tannenberg hängt den Abfallbehälter der Wachsmanns in ein Gestell ähnlich wie bei einem Müllwagen, die Tonne wird ins Innere gehoben. Dann gehen die Türen zu. Aus dem Wagen klingt es wie in einer Autowaschanlage: sprühen, spülen, wischen. „Erst wird von außen, dann noch innen gereinigt“, sagt der 42-jährige Hamburger. Ein Display zeigt die Wassertemperatur: 65 Grad. Inzwischen dampft es auch ordentlich. Nach anderthalb Minuten kommt die Tonne wieder raus. „Beim ersten Mal muss man meistens nacharbeiten“, sagt der Tonnenreiniger, während er die Seitenwände mit einer Bürste schrubbt. Dann geht es noch einmal in die Dusche.

Tannenberg machte sich mit einer Tonnendusche selbstständig

Jeden Tag ist Dirk Tannenberg mit seinem Reinigungsfahrzeug im Osten Hamburgs und Umgebung unterwegs. Die Idee hatte der Druckermeister, nachdem er selbst seine Biotonne sauber gemacht hatte. „Ganz schön eklig war das“, erzählt der Familienvater. Er suchte nach einem professionellen Dienstleister, wurde in Hamburg aber nicht fündig. Über das Internet stieß er auf das Unternehmen Rosoma in Rostock, einem Hersteller von Spezialfahrzeugen. „Das passte“, sagt Tannenberg. Er bestellte seine Tonnendusche, machte sich vor einem Jahr selbstständig.

Das Geschäft läuft. Seit Einführung der Biotonnenpflicht Anfang 2015 steigt die Nachfrage nach Reinigungsmöglichkeiten. Allein in Hamburg gibt es nach Angaben der Stadtreinigung 126.600 der grünen Behälter, 132.000 sollen es werden. Dazu kommen 287.400 schwarze Restmülltonnen sowie gelbe Tonnen und Papiertonnen. Gerade im Sommer können die vielen Abfallbehälter vor der Tür zum Problem werden: dann, wenn es anfängt zu gären und zu stinken. Zu verhindern ist das kaum, aber eben nicht schön.

Wer selbst die Mülltonne reinigt, riskiert seine Gesundheit

„Ich habe die Tonne immer nur von außen geputzt, aber nie von innen“, sagt Waltraud Wachsmann. Vor einer Woche rief das Ehepaar zum ersten Mal Tannenberg an. Tatsächlich raten Experten davon ab, selbst zum Gartenschlauch oder zum Hochdruckreiniger zu greifen. „Man atmet Keime und die Bakterien ein“, weiß der Hamburger Reinigungspionier Tannenberg. „Und dann landet das Schmutzwasser hinterher auf dem Rasen oder im Gully.“

Bei der mobilen Tonnendusche handele es sich dagegen um ein Kreislaufsystem, ohne chemische Zusätze. Eine Tankladung fasst 1500 Liter Wasser. Damit schafft der Ein-Mann-Unternehmer etwa 300 Tonnen. Das Brackwasser bringt der Tonnenreiniger zu einer Einleitstelle, von wo es fachgerecht in der Kläranlage entsorgt wird. Knapp 70 Prozent seiner Kunden sind Privathaushalte, dazu kommen Hausverwaltungen, Kitas, Seniorenheime, sogar für ein Entsorgungsunternehmen ist Tannenberg unterwegs. Schwerpunkt sind Biotonnen, aber auch Restmüllbehälter und gelbe Tonnen werden nachgefragt. „Die meisten buchen das Standard-Paket mit monatlicher Reinigung für 5,40 Euro“, sagt der Unternehmer

Hamburger Stadtreinigung erwägt auch Waschwagen für Mülltonnen

Anfang des Jahres hat er Konkurrenz bekommen. Formiclean bietet über das Internet Tonnenreinigung in ganz Deutschland an. „Wir sind auch in Hamburg aktiv“, sagt Steven Honnscheidt, Gesellschafter des Mutterunternehmens Formidab mit Sitz in Straßburg und Wiesbaden. Nach seinen Angaben bedient Formiclean in Hamburg derzeit 200 bis 300 Haushalte und 15 Hausverwaltungen. Die Preise liegen zwischen zwölf und 20 Euro pro Tonne. Anfang 2017 will das Unternehmen mit Festpreisen stärker in den Markt einsteigen.

Auch bei der Stadtreinigung gibt es Überlegungen, Waschwagen einzusetzen. Es gebe eine Kooperation mit der Müllabfuhr in Leipzig, die gerade ein neues System erprobe, so ein Sprecher. Im Moment können Kunden ihre Abfallbehälter nur austauschen lassen. Für Tonnen bis 240 Liter kostet es 20 Euro. Waltraud und Harry Wachsmann wollen jetzt nicht mehr tauschen. Zufrieden schauen sie in ihre saubere Biotonne. „Das ist ja ein Gedicht.“ Gerade hat Tonnenreiniger Tannenberg das Innere noch mit frischen Zitronenduft ausgesprüht. Auch er ist zufrieden. In einem Monat kommt er wieder.

Infos zur Tonnendusche unter www.dietonnendusche.de oder 040/67 58 64 57; Formiclean findet sich unter www.formiclean.com