Hamburg

Wieder Betrugsverdacht gegen Apotheken

Razzien in Hamburg und München – verbotene Rabatt-Geschäfte auf Kosten der Versicherten und Krankenkassen

Hamburg. Nach der Verurteilung eines Apothekers und Managers zu Haftstrafen wegen Abrechnungsbetruges kündigt sich der nächste große Abrechnungsskandal an: Erneut sollen Apotheker und Pharmahändler trickreich das gesetzliche Rabattverbot umgangen haben. Die Polizei durchsuchte den Firmensitz zweier Pharmagroßhändler auf der Uhlenhorst, die Wohnungen der Geschäftsführer (45 und 40) sowie die Wohnung einer 47 Jahre alten Apothekerin in Eimsbüttel sowie ihre Apotheke in der Neustadt. Betroffen waren insgesamt elf Objekte in Winterhude, Eimsbüttel, Hoheluft, Bergedorf, Lohbrügge, Neustadt, Uhlenhorst und Iserbrook. Die Polizisten stellten 150 Aktenkartons und Datenträger sicher. Zudem wurden zwei Dependancen der Pharmafirma in Bayern durchsucht. Insgesamt waren 66 Polizisten im Einsatz. Die Polizei ermittelt jetzt gegen die Pharmagroßhändler und die 47 Jahre alte Apothekerin wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

Die Händler sollen seit Januar 2013 Arzneimittel in großem Stil eingekauft haben. Laut Polizei erhielten sie die Medikamente mit Rabatten zwischen zehn und 60 Prozent. Diese rabattierten Medikamente lieferten sie dann an mehrere Apotheken in Hamburg, unter anderem an die Apotheke der 47-Jährigen in der Neustadt, in Rechnung stellten sie den Listenpreis. „Der Listenpreis wurde durch die Apotheken über Abrechnungszentren abgerechnet und seitens der Krankenkassen erstattet“, sagt Polizeisprecher Jörg Schröder. Seit 2013 sollen sie dann die Differenz zwischen dem Rabatt- und dem Listenpreis an die Apotheken rechtswidrig als Bonuszahlungen rückvergütet haben (sogenannte „Kick-back-Zahlungen“). Nach dem Prinzip „eine Hand wäscht die andere“ soll die Firma der 40-jährigen Beschuldigten im Gegenzug für die Boni von den Apotheken fingierte Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen erhalten haben. „Den verschiedenen Krankenkassen ist hierbei ein Schaden in noch nicht bekannter Höhe entstanden“, sagte Schröder.