Hamburg

Haspa verzichtet künftig auf eigene Aktien-Analysen

Bernd Schimmer leitet den Bereich
Anlagestrategie bei der Haspa

Bernd Schimmer leitet den Bereich Anlagestrategie bei der Haspa

Foto: Reto Klar

Beurteilung der Dividendentitel wird jetzt von externem Dienstleister eingekauft. Regulierungsaufgaben wurden Bank zu viel.

Hamburg.  Noch im Mai war die Welt für die Aktienanalysten der Hamburger Sparkasse (Haspa) in Ordnung. Drei von ihnen konnten Preise der Finanznachrichtenagentur Thomson Reuters für die besten Aktieneinschätzungen abräumen. Künftig haben die Analysten keine Chance mehr auf solche Auszeichnungen. Denn Deutschlands größte Sparkasse hat ihr eigenes Aktien-Research aufgegeben, wie die Haspa auf Nachfrage bestätigte.

Die Beurteilung der Dividendenpapiere nach den für Anleger wichtigen Kriterien wie „kaufen“, „halten“ oder „verkaufen“, übernimmt jetzt der europäische Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux (KCH). Nach diesen Urteilen richten sich dann die Empfehlungen an die Kunden. KCH hat 75 Aktienanalysten und wurde 1997 in Paris gegründet. An ihr sind Mitarbeiter, Management und einige europäische Banken wie UniCredit (Italien) beteiligt.

„Es sind vor allem regulatorische Gründe, die zu der neuen Kooperation mit externen Analysten geführt haben“, sagt Bernd Schimmer, Chef-Investmentstratege der Haspa. Mit Inkrafttreten der Marktmissbrauchsverordnung im Juli 2016 hätten sich die Beratungs- und Dokumentationsauflagen signifikant erhöht. Das ist offenbar für eine Sparkasse nicht mehr zu leisten. Außerdem drohen 2018 weitere Verschärfungen durch die Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Das ist eine Art Konsumentenschutz für die Bankkunden. „Die Regularien für das Research sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, bestätigt Roland Rapelius von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO. Das Institut habe 19 Analysten und werde am eigenen Research festhalten. „Wir haben uns auf deutsche Aktien spezialisiert und sind damit sehr gut aufgestellt.“

Ungewöhnlich ist die Wahl des Dienstleisters

Wie viele Mitarbeiter von der Einstellung des eigenen Researchs bei der Haspa betroffen sind, wollte die Sparkasse nicht sagen. Es hat aber Umstrukturierungen gegeben und einzelne Mitarbeiter mussten andere Aufgaben übernehmen. „Das Team Kapitalmarkt- strategie wird sich künftig stärker auf die Analyse von Märkten und Indizes sowie auf Fragen der Wirtschafts- und Zinspolitik konzentrieren“, sagt Schimmer. Er verweist darauf, dass jetzt 135 statt bisher 110 Aktien aus Europa beurteilt werden. Ihre Beurteilung der Kapitalmärkte will die Haspa auch anderen Sparkassen anbieten.

Ungewöhnlich für die Haspa ist die Wahl des Dienstleisters KCH. Es hätte auf der Hand gelegen, die Aktienanalysen aus dem Sparkassenlager zu beziehen, etwa von der Norddeutschen Landesbank oder der Deka Bank, dem Spitzeninstitut der Sparkassen. So bezieht die Sparkasse Harburg-Buxtehude ihre Aktienanalysen von der Norddeutschen Landesbank. Offenbar wollte die Haspa aber einen Aktienanalysten, der dicht an den Unternehmen dran ist. KCH hat Experten an elf europäischen Standorten. Als freie Sparkasse ist die Haspa auch nicht verpflichtet, Dienstleistungen der Sparkassenorganisation zu nutzen.