Schifffahrt

Hoffnungsschimmer im Hamburger Hafen

Schweres Geschäft mit großen Kisten: Beim Umschlag mit Containern meldet der Hafen im ersten Halbjahr einen leichten Rückgang

Schweres Geschäft mit großen Kisten: Beim Umschlag mit Containern meldet der Hafen im ersten Halbjahr einen leichten Rückgang

Foto: dpa

Der Umschlag wächst langsam wieder, liegt aber noch unter dem Vorjahr. Mehr Containerfrachter meiden Hamburg.

Hamburg.  Die wirtschaftliche Situation im Hamburger Hafen bleibt durchwachsen. Zwar verzeichnete der Umschlag von Seegütern im ersten Halbjahr 2016 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum einen leichten Rückgang um 0,9 Prozent auf 70,2 Millionen Tonnen. Im zweiten Quartal gelang aber im Vergleich zum ersten Quartal ein Plus von 1,9 Prozent. Diesen Zuwachs wertete der Verein Hafen Hamburg Marketing am Dienstag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen als Hoffnungsschimmer auf eine Wende im bisher schleppenden Handel. „Das zweite Quartal signalisiert einen erkennbaren Aufwärtstrend“, sagte der Vorstand des Vereins, Axel Mattern.

Rückgang bei den Weitertransporten

Der Containerumschlag von Januar bis Juni ging um 1,2 Prozent auf 4,5 Millionen Standardcontainer (TEU) zurück. Dies sei vor allem durch weniger Weitertransporte zu und von Häfen in Polen und Schweden zu erklären, so das Hafenmanagement. Diese würden verstärkt direkt von größeren Containerschiffen angelaufen. Bisher erledigten diese Aufgabe oft Feederschiffe, die von Hamburg aus die Container in kleinere Ostseehäfen transportieren.

Dagegen sei der im Vorjahr verzeichnete Einbruch im Containerverkehr mit China und Russland inzwischen nahezu gestoppt worden: Trotz der Sanktionen wurden im Warenaustausch mit Russland rund 216.000 Container (TEU) transportiert, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Containerverkehre mit China übernahmen 1,3 Millionen TEU, ein Minus von 1,0 Prozent. Auffällig waren die Zuwächse im Boxenumschlag mit Indien (plus 9,9 Prozent), den Vereinigten Arabischen Emiraten (14 Prozent) und Großbritannien (13,1 Prozent).

In einer konjunkturell unübersichtlichen Lage sieht sich der Hafen derzeit verschiedenen Herausforderungen gegenüber. So hat Antwerpen Hamburg im vergangenen Jahr als zweitgrößten Hafen in Nordeuropa abgelöst. Und es geht sogar weiter bergauf bei den Belgiern: Das Wachstum in Antwerpen betrug im ersten Halbjahr 3,6 Prozent. Auch kleinere Standorte können im Vergleich zu Hamburg punkten. So hat der Kieler Seehafen im ersten Halbjahr 2016 Umschlag und Passagierzahlen gesteigert. Auch Rostock meldet einen wachsenden Güterumschlag. Die bremischen Häfen haben nach der Flaute 2015 ebenfalls wieder mehr Waren umgeschlagen. Wachstumsmotor war dort im ersten Halbjahr 2016 mit einem Plus von knapp vier Prozent der Containerumschlag – das Hauptgeschäft der Häfen in Bremerhaven und Bremen.

Wie geht es weiter in Hamburg? Für das Gesamtjahr erwartet die Marketingorganisation einen Seegüterumschlag auf Vorjahresniveau von 138 Millionen Tonnen und einen Containerumschlag von rund neun Millionen Standardcontainer, gemessen in TEU. Im Vorjahr waren in Hamburg 8,8 Millionen Stahlboxen umgeschlagen worden.

Die anhaltend schwierige Lage führt nach Ansicht von Mattern jedoch nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen im Hafen. Angesichts der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels seien die Unternehmen an den Kaimauern bestrebt, ihre Mitarbeiter zu halten. Auch während der letzten Krise 2008 sei niemand entlassen worden, sagte Mattern.

Längerfristig, so warnen Experten, drohen Hamburg und Bremerhaven allerdings zu regionalen Häfen zu schrumpfen. Der Grund: In den kommenden Jahren werden Hunderte außergewöhnlich große Containerschiffe auf den Weltmeeren verkehren. Diese dürften nach Ansicht der Insider nur noch Tiefwasserhäfen wie Rotterdam oder Wilhelmshaven anlaufen. Die Entwicklung zu Riesenfrachtern belegen auch die aktuellen Zahlen: Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres liefen 2016 bisher 83 Prozent mehr außergewöhnlich große Schiffe den Hamburger Hafen an. Selbst nach einer weiteren Elbvertiefung könnte die Hansestadt durch die erschwerte Zufahrt für die Riesenschiffe unattraktiv sein, warnen Wissenschaftler.

Ein weiterer Knackpunkt der Anlagen im Hamburger Hafen ist das Fehlen eines modernen Schwimmkrans für schwere Ladungen – etwa Maschinenteile oder Generatoren für Windanlagen. Bei den Komponenten, die Firmen wie Siemens über Hamburg in alle Welt verschifft, werden schnell Gewichte von 500 Tonnen erreicht. Wenn solche Güter nur noch in anderen Häfen verladen werden können, dürfte dies zu Einbußen in der Hansestadt führen. An einem neuen Schwimmkran könnten sich Firmen beteiligen. Diese Investition sei nicht allein hoheitliche Aufgabe, hieß es am Dienstag.