Miete

Immer mehr Hamburger können sich größere Wohnungen leisten

Weil die Einkommen deutlicher steigen als die Mieten, bleibt mehr Geld für die Wohnung. Große Unterschiede in Hamburger Metropolregion.

Hamburg.  Der Traum von einer größeren Wohnung – inzwischen können sich mehr und mehr Mieter im Norden diesen erfüllen. Das hat eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) ergeben. Wie die nebenstehende Grafik zeigt, stiegen in fast allen Kreisen und kreisfreien Städten, die zur Metropolregion Hamburg gehören, in den vergangenen fünf Jahren die Einkommen stärker als die Mieten. Lediglich in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Segeberg war die Entwicklung anders.

Viel Wohnraum in Lüchow-Dannenberg

In der Studie haben die Autoren verglichen, eine wie große Wohnung sich ein Mieter leisten kann, wenn er ein Viertel seines verfügbaren monatlichen Einkommens dafür ausgibt. Bezogen auf ganz Deutschland kann man im Durchschnitt damit 94 Quadratmeter, in der Hamburger Metropolregion 98,4 Qua­dratmeter mieten. Allerdings weisen Landkreise und kreisfreie Städte zum Teil erhebliche Unterschiede auf.

Besonders viel Wohnung für 25 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens bekommen die Bewohner im Süden und Westen der Metropolregion. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg beispielsweise erhält man dafür 121 Qua­dratmeter, im Heidekreis 108 Quadratmeter und im Landkreis Rotenburg (Wümme) 107 Quadratmeter.

Die höchsten Wohnkosten fallen – wenig überraschend – in Hamburg an. Hier reichen 25 Prozent des Einkommens im Durchschnitt lediglich für 68 Quadratmeter. Besonders teuer ist das Wohnen auch in Lübeck (77 Quadratmeter) und in Nordwestmecklenburg (88 Quadratmeter). Im letzteren Fall könnte es allerdings daran liegen, dass die Einkommen in diesem Landkreis überdurchschnittlich gering sind.

Mietsteigerungen betrifft nur kleinen Teil

In zwei von 21 Landkreisen können Mieter sich mit einem Viertel ihres Einkommen heute weniger Wohnraum leisten als im Jahr 2010. In Segeberg 97 statt 99 Quadratmeter und in Nordwestmecklenburg 88 statt 93 Quadratmeter. Hier stiegen die Mieten also rascher als die Einkommen. In weiteren zwei Landkreisen – Pinneberg und Ostholstein – blieb die Relation gleich. In 17 Landkreisen und alle kreisfreien Städten stiegen die Einkommen dagegen schneller als die Mieten. Der höchste Wert in der Metropolregion wurde im Landkreis Lüchow-Dannenberg mit plus 16 Prozent erreicht. Die Landkreise Uelzen, Cuxhaven, Heide und Itzehoe folgen mit plus sechs Prozent auf den Plätzen.

„Die steigenden Mieten sind die Folge der demografischen Veränderungen“, erklärten die Autoren der Studie. In den vergangenen Jahren sei ein Nachfrageboom in Ballungszentren entstanden, in dessen Folge die Marktmieten im Geschosswohnungsbau zwischen 2010 und 2016 stark gestiegen seien. In der Metropolregion betrifft das vor allem Hamburg, vornehmlich zentrumsnahe und angesagte Stadtteile.

Gleichwohl sei insgesamt betrachtet nur ein Teil der Bevölkerung von hohen Mietsteigerungen betroffen, da sich diese „auf wenige Standorte konzentrieren, während in weiten Teilen der Republik die Mieten real kaum zulegen und teilweise auch zurückgehen“, schreiben die Autoren. So liege lediglich in 20 von 402 Kreisen mit einer Bevölkerung von 8,6 Millionen Einwohnern das Mietenniveau über neun Euro pro Quadratmeter.

Nichtsdestotrotz will die Bundesregierung im Kampf gegen steigende Mietpreise in Großstädten aktiver werden. Bundesbauministerin Barbara Hendricks fordert gar eine Grundgesetzänderung. „Wohnungsbau ist derzeit Ländersache. Aber der Bedarf ist so riesig, dass die Länder das auf Dauer nicht alleine stemmen können“, sagte die SPD-Politikerin dieser Zeitung. „Wir brauchen die Grundgesetzänderung, um als Bundesregierung wirksam dort helfen zu können, wo die Wohnungsnot am größten ist“, sagte Hendricks.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erwägt unterdessen eine Verschärfung der erst im vergangenen Jahr eingeführten Mietpreisbremse. „Wenn es wirklich Rechtsbruch im größeren Stil gibt, dann werden wir darauf drängen, ins Gesetz zu schreiben, was die Union bisher blockiert hat: nämlich eine Pflicht des Vermieters, die Vormiete automatisch offenzulegen und einen Anspruch des Mieters, die zu viel gezahlte Miete rückwirkend bis zum Vertragsschluss zurückzubekommen.“ Justizminister Maas forderte alle Mieter auf, ihre Rechte aus der Mietpreisbremse durchzusetzen.