Hamburg

BUND und Grüne fordern mehr Tempo-30-Zonen

Das Tempo-30-Limit soll die Lärmbelastung senken (Symbolbild)

Das Tempo-30-Limit soll die Lärmbelastung senken (Symbolbild)

Foto: Michael Schick

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung soll die Lärmbelastung für Anwohner senken. Grenzwerte werden vielfach überschritten.

Hamburg.  Nicht nur Grünen und Naturschützern geht es mit der Einrichtung neuer Tempo-30-Zonen in Hamburg nicht schnell genug. Auch der ADAC monierte die „nicht sonderlich ambitionierte Umsetzung“ des 2011 verkündeten Ausbauprogramms. Vor allem Umweltschützern gelten Tempolimits als einfachste und effektivste Maßnahme zur Reduzierung der Lärm- und Luftbelastung für die Anwohner.

„In Hamburg leben über 140.000 Menschen in Stadtteilen, die gerade nachts gesundheitsschädlich verlärmt sind“, sagte der Landesgeschäftsführer des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Manfred Braasch. „Schuld daran ist vor allem der Verkehr, ganz vorn dabei der Straßenverkehr und zunehmend der Luftverkehr. Die bezirklichen Lärmaktionspläne kommen nicht schnell genug voran. So passiert an den 40 lautesten Straßen immer noch viel zu wenig, bislang gab es erst an drei Straßen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Um die Betroffenen zu schützen, brauchen wir mehr Tempo-30-Zonen, die Güterbahn muss leiser werden, und Hamburg kommt um ein konsequentes Nachtflugverbot nicht herum“, so Braasch.

Hamburger Straße ist besonders laut

Wie hoch die Belastung noch immer ist, hat jetzt auch die aktuelle Antwort des Senats auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion aus der Bezirksversammlung Nord gezeigt, die dem Abendblatt vorliegt. Demnach sind im Bezirk 92 Straßenabschnitte nachts von gesundheitsgefährdendem Lärm betroffen. Besonders laut ist es nachts an der Hamburger Straße, am Braamkamp und an der Dennerstraße. Zu den tagsüber am stärksten belasteten Straßen gehören ebenfalls die Hamburger Straße mit bis zu 78 Dezibel, die Habichtstraße und der Braamkamp mit bis zu 76 Dezibel, außerdem die Barmbeker Straße, die Dennerstraße, der Mühlendamm, die Nordschleswiger Straße und die Tarpenbekstraße mit jeweils bis zu 75 Dezibel.

Der Grünen-Fraktionschef im Bezirk, Michael Werner-Boelz, kritisiert in diesem Zusammenhang die Tatenlosigkeit der Behörden. „Obwohl diese enorme Belastung spätestens seit der Lärmkartierung 2012 bekannt ist, gab es bislang nur Pilotversuche für nächtliches Tempo 30 in Hamburg“, so Werner­Boelz. „Dabei ist Tempo 30 die einfachste und kostengünstigste Maßnahme, um eine Reduzierung der Lärm- und Luft­belastung durch den Verkehr zu erzielen und damit die Gesundheit der städtischen Bevölkerung zu schützen. Darüber hinaus erhöht Tempo 30 nachweislich die Verkehrssicherheit und führt zu einer Verstetigung des Kraftverkehrs.“

Auch Luftbelastung ist deutlich zu hoch

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen hatte 55 Dezibel in der Nacht und 65 Dezibel am Tag als Grenzwerte für die Lärmbelastung festgelegt. Bei Überschreitungen empfiehlt er Maßnahmen zur Lärmminderung. Neben passivem Lärmschutz wie dem Einbau besserer Fenster gehört dazu aktiver Lärmschutz, also etwa Verkehrsbeschränkungen, Tempolimits oder die Nutzung von Flüsterasphalt. Da die Grenzwerte in Städten flächendeckend überschritten werden, hat man sie im Hamburger Lärmaktionsplan höher angesetzt: auf 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts. Überschritten werden sie dennoch vielfach.

Neben der Lärmbelastung hat Hamburg mit einer deutlich zu hohen Luftbelastung durch giftige Stickoxide aus Dieselabgasen zu kämpfen. Umweltsenator hat deswegen Fahrverbote für alte Diesel ins Gespräch gebracht. Bürgermeister Olaf Scholz lehnt diese als unsozial ab.