Bergstedt

Polizei ehrt Abendblatt-Zusteller

Kevin Falkenhagen sah beim Austragen einen Autoknacker und wählte 110. Wie man sich als Zeuge richtig verhält

Bergstedt.  Kevin Falkenhagen (25) ist ein vorbildlicher junger Mann – und nicht nur ein aufmerksamer Zeuge, sondern auch ein gewissenhafter Austräger des Hamburger Abendblatts. Genau diese Kombination ist es, die Falkenhagen zu einem wertvollen Mitarbeiter für das Abendblatt und zu einem wertvollen Helfer bei der Verbrechensbekämpfung macht.

Schon am 2. Juli stellte er es unter Beweis. In Bergstedt konnte die Polizei nach seinem Hinweis einen Serientäter festnehmen, der allein an diesem Tag neun Autos aufgebrochen hatte. Der Dieb sitzt nun in Haft. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bedankte sich am gestrigen Donnerstag persönlich bei Kevin Falkenhagen für dessen couragiertes und richtiges Handeln.

„Was mich besonders erfreut, ist, dass Herr Falkenhagen Zeitungszusteller ist“, sagt Polizeipräsident Meyer. „Zeitungszusteller sind prädestiniert für unsere Präventionskampagne, die unter dem Slogan ,Beim kleinsten Verdacht‘ seit etwa einem Jahr läuft.“ Die Zusteller sind immer in derselben Gegend unterwegs, bemerken dadurch schnell ungewöhnliche Veränderungen und Verdächtiges. „Viele Zeugen unternehmen dann ja was“, weiß Meyer. Aber das seien oft Aktionen, die nur dazu dienten, einen möglichen Täter zu verscheuchen. „Das ist nicht das, was der Polizei direkt hilft“, so Meyer. „110 wählen hilft uns.“ Das solle man lieber einmal mehr als einmal zu wenig tun. „Es kostet den Anrufer nichts“, sagt Meyer. „Und auch, wenn sich ein Verdacht als Fehlalarm herausstellt, hat es für den Anrufer keine Konsequenzen. Wir wünschen uns den Anruf.“

Am 2. Juli gegen 6.20 Uhr hatte es „so richtig hingehauen“, wie Meyer sagt. Kevin Falkenhagen, der nicht nur Zeitungsausträger, sondern auch Depotverwalter und damit Verantwortlicher für mehrere Austräger in einem größeren Bereich ist, war schon fast am Ende seiner Tour angelangt, als er in der Straße Delle ein geparktes Auto mit eingeschlagener Scheibe entdeckte. „Es hatte geregnet“, sagt Falkenhagen. „Ich habe dann die Polizei gerufen, bevor noch ein größerer Wasserschaden entstehen konnte.“ Der 25-Jährige hatte schon wieder aufgelegt, als er ein Hämmern hörte. „Dann sah ich jemanden auf dem Beifahrersitz eines abgemeldeten Autos, von dem ich wusste, dass es dort schon länger steht.“ Kurze Zeit später, als der Zusteller gerade zwei Zeitungen ablieferte, hörte er einen weiteren Knall. „Ich kam aus einem Gang, und plötzlich stand der Typ mit einem Hammer in der Hand vor mir. Wir sind dann beide einen Schritt aufeinander zugegangen. Er drehte sich um und lief weg.“ Dass der 25-Jährige schon wieder über sein Headset mit der Polizei telefonierte, bemerkte der Täter nicht. „Er hat dann weitergemacht“, sagt Falkenhagen. „Er kletterte in ein Wohnmobil und kam nicht wieder raus.“ Minuten später war die Polizei da. Die Beamten umstellten das Wohnmobil und forderten den Täter mit lauten Rufen auf herauszukommen. Erst da ging in einigen Häusern das Licht an, und Anwohner schauten heraus. Polizeipräsident Meyer freut sich, dass es Menschen wie Kevin Falkenhagen gibt. „Ohne es spitz auf Knopf belegen zu können, spürt man doch, dass mittlerweile eine erhöhte Bereitschaft da ist, schnell bei der Polizei anzurufen. 1,8 Millionen Augenpaare sehen eben mehr als die Polizei.“

Kevin Falkenhagen ist dabei eines der besonders verlässlichen Augenpaare. „Seit ich 18 geworden bin, mache ich das“, sagt er über seine Zustellertätigkeit, für die er von 2.30 Uhr bis 6.30 Uhr unterwegs ist, damit alle Zeitungen pünktlich im Briefkasten sind. Es liegt in der Familie: Falkenhagen ist bei seiner Mutter angestellt, die wie sein Onkel in Schnelsen einen größeren Bereich für die Zeitungszustellung betreut. Schon seine Oma war Austrägerin beim Abendblatt. Das ist jetzt 40 Jahre her.

Dass der Polizeipräsident ihn auszeichnet, hätte Kevin Falkenhagen nicht gedacht. „Ich war schon überrascht, als ich die Einladung per Telefon erhielt.“ Die Chance, dass der 25-Jährige wieder zum wichtigen Hinweisgeber für die Polizei wird, ist groß. „Ich rufe recht häufig bei der Polizei an“, sagt er. Ralf Martin Meyer: „Weiter so! Solche Anrufe sind ein wichtiger Baustein für die Sicherheit der Stadt.“