Gründerpreis-Gewinner

Golf mitten in Hamburg? Das funktioniert

Mitten in der Stadt Golf spielen und Feste feiern: Peter Merck, Gründer und Eigentümer der Golf Lounge nahe den
Elbbrücken, hat dieses Konzept in den vergangenen Jahren verwirklicht und ausgebaut

Mitten in der Stadt Golf spielen und Feste feiern: Peter Merck, Gründer und Eigentümer der Golf Lounge nahe den Elbbrücken, hat dieses Konzept in den vergangenen Jahren verwirklicht und ausgebaut

Foto: Klaus Bodig / HA

Serie Teil 3: Was wurde aus den Gewinnern des Gründerpreises? Peter Merck hat Traum von Driving Range mitten in Hamburg verwirklicht.

Hamburg. Wertevermittlung ist ihm wichtig. Auch, weil er aus einer traditionsbewussten Unternehmerfamilie stammt. Die Merck KGaA aus Darmstadt ist das älteste Pharmaunternehmen der Welt, und Peter Merck (47), Gründer der Hamburger Golf Lounge und Sohn eines ehemaligen Mitglieds der Geschäftsführung, fühlt sich dieser Herkunft verpflichtet. Deshalb haben seine drei Kinder früh gelernt, am Arbeitsplatz des Vaters kleine Aufgaben zu übernehmen. Sie helfen beim Harken und Rechen der Bunker, sammeln Bälle auf oder stehen auch mal in der Spülküche. „Alles ohne Zwang. Aber sie sollen wertschätzen, wie der Papi sein Geld verdient“, sagt Merck. Auch Ehefrau Stefanie ist ins Unternehmen eingebunden. Als Gesellschafterin ist sie Beraterin des Chefs. „Eine ganz wichtige Gesprächspartnerin“, sagt der Ehemann. „Meine Frau hat eine eigene Agentur geleitet und viel Kompetenz. Ich bin froh, sie an meiner Seite zu haben.“

Vor elf Jahren verwirklichte Merck, der zuvor beim Deutschen Golf Verband gearbeitet hatte, mit seinem damaligen Geschäftspartner Marc Spangenberger, dem Marketingleiter einer Fitnesskette, eine nicht nur für Hamburg ungewöhnliche Geschäftsidee. Sie ließen für etwa 1,5 Millionen eine Trainingsanlage bauen, auf der Golfspieler direkt an den Elbbrücken von einer mehrgeschossigen Metallkonstruktion Bälle in ein mit hohen Netzen abgesperrtes Terrain abschlagen können.

Eine solche Driving-Range mitten in der Stadt – in Asien und den USA schon damals weit verbreitet – kannte man im ansonsten eher cluborientierten deutschen Golfsport vorher nicht. Entsprechend kritisch fielen die ersten Bewertungen aus. Doch das Gründer-Duo ließ sich nicht beirren. Sie wollten den Sport für gestresste Großstädter kompatibel machen. 2005 wurden die Driving Range-Pioniere dafür mit dem Hamburger Existenzgründerpreis ausgezeichnet.

Seither ist viel passiert. Die größte Veränderung ist personeller Art. Spangenberger verkaufte kürzlich seine Anteile an Merck. Der ist seit Januar 2015 Alleininhaber. Finanziell musste in den vergangenen Jahren immer wieder nachgeschossen werden. Zwar ist der Umsatz auf zwei Millionen Euro pro Jahr angewachsen und der operative Break Even sei geschafft, sagt Merck. Doch der Ausbau der Anlage zu einer angesagten Event Location hat noch einmal Millionen gekostet. Investitionen, die Spangenberger nicht mehr mittragen wollte. Auch, weil sein Konzept ein anderes war.

Merck verordnete der Golf Lounge ein anderes Image

„Mein Ex-Partner wollte die Anlage eher billig halten, Personal einsparen, Abläufe automatisieren, kopierbar machen.“ Das war anfangs eine Idee, die auch Merck gefiel. Das Konzept auf andere Großstädte zu übertragen, schien erstrebenswert. Doch dann blieb der Umsatz hinter den Erwartungen. Und Merck, der Visionär, verordnete der Golf Lounge ein anderes Image: Mehr Exklusivität, gehobene Gastronomie, hoher Standard in Ausstattung und Technik, stark serviceorientiertes Personal. Auch eine Golfschläger-Manufaktur kam hinzu. Und Künstler wie der Jazz-Pianist Joja Wendt gehören zum festen Kulturprogramm. Kamingespräche mit Experten wie Golf-Trainer-Legende Willi Hoffmann, der Deutschlands Alt-Star Bernhard Langer zur Karriere geführt hat, locken das Publikum an. 2014 wurden 400 Veranstaltungen mit 16.000 Gästen durchgeführt.

Etwa 30 fest angestellte Mitarbeiter bilden das Rückgrat des Unternehmens, vier Trainer schulen die golfenden Besucher. Mit dem ehemaligen Hockey-Nationalspieler Nico Sonnenschein (34) hat Merck einen Vermarktungsmann ins Team geholt, der zuvor für das Außenwerbe-Unternehmen JCDecaux sowie den Sportvermarkter Sportfive gearbeitet hatte. Und Verena Frobusch, die Geschäftsführerin, ist die Frau fürs Operative an seiner Seite. Die Hotel- und Tourismus-Expertin bringt Erfahrungen aus einem Golfhotel ein und entlastet den Chef. „Ich muss nicht mehr, wie vor fünf Jahren noch, alles selbst machen. Mein Team arbeitet so selbstständig, dass ich mich auch um meine Aufgaben für unser Familienunternehmen kümmern kann.“

Anziehungspunkt während des ganzen Jahres ist eine zünftige Almhütte mit Gastronomie, die Merck auf das Gelände setzen ließ. Mit dem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm ist die Golf Lounge ihren Anfangszeiten als Abschlagstrainingsgelände längst entwachsen. Inzwischen bewirbt Merck die Anlage erfolgreich als Event-, Freizeit- & Golf-Location. Die Zehnjahresfeier im vergangenen Jahr fiel üppig aus. „Ich gebe viel Geld aus für Atmosphäre“, sagt er. Früher konsumierten seine Kunden pro Kopf durchschnittlich für etwa 20 Euro, heute lassen sie sich einen Aufenthalt zwischen 100 und 120 Euro kosten.

Der Mietvertrag für das Firmengelände ist begrenzt

Ganz beiseitegelegt hat Merck die Pläne für eine Expansion noch nicht. „Ich habe keine Lust, das Produkt zu verfälschen“, sagt er. Soll heißen: Noch ist das Konzept der Golf Lounge nicht so weit perfektioniert, dass es sich an Franchisenehmer vermarkten ließe. „Es ist aber immer noch eine Option“, sagt Merck. Ohnehin ist er in den kommenden Jahren gezwungen, sich in Hamburg einen neuen Standort zu suchen. Der Mietvertrag mit dem privaten Eigentümer des Geländes ist zeitlich begrenzt. Die Stadt will dort langfristig Wohnungen bauen lassen. „Wir sind in kon­struktiven Gesprächen über einen alternativen Standort“, sagt Merck. Mehr gebe es dazu derzeit nicht zu berichten.

Er habe sich verändert, sagt Merck noch einmal, während er durch die schicken Event-Räume führt und vorbei an den Abschlagboxen mit modernen Messgeräten, wo sich gerade eine Schulklasse und eine Bürogemeinschaft im Abschlagen der Golfbälle üben. Anders als früher nehme er sich mehr zurück. „Eines aber ist sicher, wir arbeiten hier alle mit Herzblut. Und obwohl wir schwierige Phasen hatten, sind wir hundertprozentig auf dem richtigen Weg.“

In der Anmeldung zeugt eine Bildergalerie von der Weltreise eines Bekleidungsstücks. Golfspieler tragen zumeist einen Handschuh. Das brachte Merck auf die Idee, seine Gäste um ein Foto mit Golfhandschuh von ihren Reisen zu bitten. Die Reaktion war überwältigend. Big Ben in London, Falklandinseln, Antarktis, überall dorthin haben Reisende ihren Golf-Lounge-Handschuh mit dem grünen Streifen über zwei Fingern mitgenommen und fotografiert. Die einen nennen es gelungene Kundenbindung, die anderen sprechen von begeisterten Fans.