Wirtschaft

Hamburgs Industrie fürchtet den Brexit

Michael
Westhagemann ist
Vorsitzender des
Industrieverbands
Hamburg

Michael Westhagemann ist Vorsitzender des Industrieverbands Hamburg

Foto: Bertold Fabricius / HA

68 Prozent der Hamburger Betriebe sehen darin laut Umfrage das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung.

Hamburg.  Das britische Votum zum Austritt aus der Europäischen Union (EU) schlägt sich in der Stimmung der Hamburger Industrie nieder. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Unternehmen aus der Hansestadt sehen in der Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bedingt durch das Brexit-Votum das größte Geschäftsrisiko für die nächsten zwölf Monate. Das teilte die Handelskammer Hamburg am Dienstag auf Basis des aktuellen Konjunkturbarometers mit. Damit hat sich dieser Wert bei den Befragten aus der Indus­trie im Vergleich zum Jahresanfang um gut 25 Prozentpunkte erhöht und liegt damit rund 17 Prozentpunkte höher als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt Hamburgs.

„Der Brexit sorgt für noch mehr Skepsis in der Hamburger Industrie, weil hier die bestehenden Absatzregeln für einen bedeutenden Markt infrage gestellt werden“, sagte Michael Westhagemann, Vorsitzender des Industrieverbandes Hamburg (IVH) und Vizepräses der Handelskammer Hamburg. Entsprechend verhalten sind die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate: 15,3 Prozent der Unternehmen prognostizieren einen ungünstigeren und nur 8,8 Prozent einen günstigeren Geschäftsverlauf. Daraus ergibt sich ein Negativsaldo von 6,5 Prozentpunkten. Im Vorquartal und im letzten Vorjahresquartal gab es noch positive Salden von 5,3 und 11,5 Prozentpunkten.

Die aktuelle Geschäftslage beurteilt die Hamburger Industrie allerdings noch überwiegend positiv: 36 Prozent der Firmen bezeichnen ihre Lage als „gut“, etwa zehn Prozent als „schlecht“ (Positivsaldo: rund 26 Prozentpunkte). Trotz der verhaltenen Zukunftsprognose planen etwa 30 Prozent der Unternehmen zusätzliche Investitionen, rund sieben Prozent der Betriebe wollen dagegen ihre Investitionen kürzen. „In der Handelskammerbefragung zur Digitalisierung Anfang des Jahres haben 86 Prozent der Industrieunternehmen angegeben, dass sie mehr in Digitalisierung investieren wollen“, sagte Westhagemann. Die aktuellen Angaben zur Investitionslage seien ein weiteres Indiz dafür, dass am Standort Hamburg in Digitalisierung und Industrie 4.0 investiert werde. Bei den Personalplanungen bleibt die Industrie mit einem Negativsaldo von 8,9 Prozent zurückhaltend.

Der Geschäftsklimaindikator der Hamburger Industrie, der sich aus dem Mittelwert von aktueller und zukünftiger Lage ergibt, liegt bei 108,5 Punkten, zwei Punkte zum Vorquartal im Minus. In der gesamten Wirtschaft ist er mit 113,5 Punkten höher.