Staatsschutz ermittelt

Randale in Eilbeker Kirche: Junger Afghane war betrunken

In der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche an der Straße Eilbektal hat ein Afghane randaliert

In der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche an der Straße Eilbektal hat ein Afghane randaliert

Foto: Michael Arning

Der 19-Jährige stürmte die Kirche und zerstörte Mobiliar. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

Eilbek.  Ein 19 Jahre alter Afghane hat in der Versöhnungskirche in Eilbek randaliert und dabei Mobiliar zerstört. Der mutmaßliche Täter Mohamad S. flüchtete und wurde kurz darauf vor­übergehend festgenommen. Ein Sprecher der Polizei bestätigte den Fall, der sich bereits am vergangenen Freitagabend ereignete. Die Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Es gebe aber keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat. Der Mann war den Angaben zufolge zur Tatzeit alkoholisiert.

Laut dem Sprecher betrat Mohamad S. die evangelisch-lutherische Kirche am Freitag gegen 19.20 Uhr und warf Stühle und Bänke um. Zur Tatzeit fand in der Versöhnungskirche ein offener Gemeindeabend statt. Der 19-Jährige lief durch die Kirche und trat einen Bibelständer um, von dem Glas absplitterte. Anschließend warf er Gesangbücher auf den Boden. Laut einem Augenzeugen waren die anwesenden Kirchgänger stark verängstigt und ließen ihn gewähren. Einige Zeugen verfolgten den Mann jedoch und alarmierten die Polizei. Der Afghane soll laut Augenzeugen eine Art Gewand getragen und während der Tat nicht gesprochen haben.

Mohamad S. war wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte bereits polizeibekannt. Er wurde als 15-Jähriger in Hamburg erstmals straffällig und in der Folge mehrfach zu sogenannten Erziehungsmaßnahmen wie Sozialstunden verurteilt. Im vergangenen Jahr wurde er ein halbes Jahr lang auf richterliche Anweisung von der Jugendgerichtshilfe betreut. Nach Abendblatt-Informationen lebt Mohamad S. seit mehreren Jahren in Barmbek-Süd .

„Die Ermittlungen haben auch keine Verbindungen des Tatverdächtigen zu salafistischen Gruppierungen ergeben“, sagte der Polizeisprecher Ulf Wundrack. Über das mögliche Motiv des Mannes wollte die Polizei darüber hinaus keine Angaben machen.

Die Leitung der Versöhnungs­kirche verzichtete bislang darauf, einen Strafantrag gegen Mohamad S. zu stellen. Die Pastorin Friedburg Gerlach wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Vorfall äußern. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob ein übergeordnetes öffentliches Interesse an einer weiteren Strafverfolgung von Mohamad S. besteht. „Andernfalls wird das Ermittlungsverfahren eingestellt“, sagte der Sprecher Carsten Rinio.

Polizei verschwieg den Fall zunächst

Die Polizei entschied sich am Wochenende dagegen, den Fall mit einer Pressemeldung öffentlich zu machen. „Wir achten dabei auf die Art des Delikts. Bei Sachbeschädigungen gibt es für eine Veröffentlichung keinen Anlass. Es hat in diesem Fall keine Verletzten gegeben“, sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. Zudem habe die Zurückhaltung der Kirche dafür gesprochen, den Vorfall nicht öffentlich zu machen.

Bei anderen Straftaten im Bereich der Sachbeschädigung versendet die Polizei dagegen Pressemitteilungen – etwa, wenn die Tat mit einer Brandstiftung einhergeht. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen nach dem Vorfall am Freitag, da eine religiös motivierte Tat nicht ausgeschlossen werden konnte. „Natürlich wird der Vorfall durch die Ereignisse dieser Woche aber möglicherweise in einem anderen Kontext gesehen“, sagt Polizeisprecher Wundrack. Am Dienstag hatten zwei Angreifer in Saint-Etienne-du Rouvray in der französischen Normandie eine Kirche gestürmt und den 84 Jahre alten Priester getötet. Die Täter waren islamistische Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS).

Die Kirchen in Hamburg verzichten auf zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. „Es wird versucht, das über den Verstand zu regeln. Wir rufen uns in Erinnerung, dass es ein trauriger Einzelfall ist und sich die Gefährdungslage in Hamburg nicht verändert hat“, sagt Remmer Koch, Sprecher des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Ost. Auch die großen Kirchenverbände hatten dazu aufgefordert, die Offenheit der christlichen Kirchen zu bewahren. „Ein Gotteshaus ist ein Ort, der für Frieden und Versöhnung steht; jedwede Gewalt passt nicht zu dieser Grundhaltung“, sagte Karl-Heinrich Melzer, stellvertretender Bischof im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche.

Konkrete Hinweise für eine spezielle Gefährdungslage von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen sieht auch der Staatsschutz derzeit nicht. Die Lage werde fortlaufend analysiert. Fälle von Sachbeschädigung in Hamburger Kirchen sind laut Polizei und Kirchenkreis sehr selten.

Das sagt unser Autor zu dem Fall