Busse und Bahnen

Nordticket könnte Preiserhöhung beim HVV verursachen

Das Nordticket könnte die Preise beim HVV in die Höhe treiben

Das Nordticket könnte die Preise beim HVV in die Höhe treiben

Foto: imago/Manngold

Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen denken an Kooperation bei Bus- und Bahnticket. Das hätte auch Nachteile.

Kiel/Hamburg.  Mit einem Fahrschein von Fallingbostel nach Flensburg, von Neumünster nach Nordhorn, und zwar nicht nur von Bahnhof zu Bahnhof, sondern von Bushaltestelle zu Bushaltestelle: Das soll ein Norddeutscher Tarifverbund für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bringen. Seit Langem wird auf Arbeitsebene darüber gesprochen. Experten der schleswig-holsteinischen ÖPNV-Behörde nah.sh, des HVV und des niedersächsischen Verkehrsministeriums haben Chancen und Probleme ausgelotet. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hat das Thema nun auf seine politische Agenda gesetzt.

Seine Ankündigung stößt auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. Der Landtagsabgeordnete Andreas Tietze (Grüne) stützt Meyers Vorschlag. „Der HVV, ­ als Tarif für eine Großstadt geboren, ­ist mit seinen Billigfahrkarten für ein Flächenland wenig geeignet“, sagt er. „Wir können das Tarifproblem nur großräumig lösen.“ Ole Thorben Buschhüter (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Hamburger Bürgerschaft, hält eine Angleichung der Tarife dagegen für schwierig. „Schleswig-Holstein wird nicht verlangen können, dass unsere günstigeren Tarife seinen höheren angeglichen werden“, sagte er. „Und eine Senkung auf Hamburger Niveau würde Schleswig-Holstein viel Geld kosten.“

Preiserhöhungen gibt es bereits im August

Von Susanne Meinecke, Sprecherin der Hamburger Verkehrsbehörde, kommt sogar ein halbes Dementi. „Mit unserem HVV sind wir sehr zufrieden, sodass wir keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf sehen“, sagt sie. Und weiter: „Natürlich sind wir offen für finanziell und tariflich sinnvolle Ergänzungen.“ Christopher Vogt, der Verkehrsexperte der Kieler FDP-Landtagsfraktion, hält den Vorschlag des Verkehrsministers Meyer für eine „Nebelkerze“. „Sollte man diesen gemeinsamen Tarif dennoch hinbekommen, dürften die HVV-Tickets teurer werden“, prognostiziert er.

Der ÖPNV im Norden ist derzeit eine hoch komplizierte Angelegenheit. Volle 39 Seiten werden benötigt, um den Kunden die Einzelheiten des Niedersachsen-Tarifs zu schildern. Die Ausführungsbestimmungen des Schleswig-Holstein-Tarifs füllen sogar 77 Seiten. Tickets der beiden Bundesländer gelten auch immer in Teilen des HVV-Bereichs, aber einen norddeutschen Tarif für alle drei Bundesländer gibt es bislang nicht.

Bis zu diesem Nordtarif dürfte es noch ein weiter Weg sein. Bis zur nächsten Tariferhöhung ist es hingegen ein kurzer Weg. Schon zum 1. August wird der Schleswig-Holstein-Tarif teurer. Ein Beispiel: Das SH-Ticket für die Fahrt von Hamburg nach Westerland kostet dann 30,50 Euro – ein Plus von 30 Cent. Der Busverkehr auf Sylt ist darin allerdings nicht enthalten. Das zeigt ein Blick in die 77-seitigen Tarifbestimmungen.