Regen und Gewitter

Feuerwehr rückte zu zahlreichen Einsätzen in Hamburg aus

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Rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter im Norden der Stadt. Straßen waren überflutet. Auch im Rest des Nordens zahlreiche Einsätze.

Hamburg. Nach den zum Teil heftigen Gewittern am Donnerstag im Südosten Hamburgs, ist es am Freitagabend vor allem im Nordwesten der Stadt zu Gewittern mit heftigem Starkregen gekommen. Die Hamburger Feuerwehr rückte zu Dutzenden Einsätzen aus. Zwischen 17 und 17.45 Uhr habe es im Stadtteil Alsterdorf und Umgebung 28 Einsätze gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Mehrere Straßen wurden demnach überflutet, in einigen Kellern stand Wasser. Größere Schäden seien jedoch ausgeblieben.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zuvor eine amtliche Unwetterwarnung für die Hansestadt und Teile von Schleswig-Holstein und Niedersachsen herausgegeben. "Dabei gibt es heftigen Starkregen mit Niederschlagsmengen um 30 Liter pro Quadratmeter", so eine DWD-Sprecherin am Abend. Im Norden von Hamburg sei die halbe Monatssumme des sonst üblichen Niederschlags gefallen, twitterte Meteorologe Jörg Kachelmann.

Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes wurde um 18 Uhr vorerst aufgehoben. Es sei jedoch weiterhin vereinzelt mit Starkregen, Hagel und Sturmböen zu rechnen. "Bei kräftigeren oder ortsfesten Entwicklungen sind extrem heftiger Starkregen bis 80 Liter pro Quadratmeter möglich, so der DWD. Erst in der Nacht beruhige sich die Wetterlage wieder.

Das bestätigt auch Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. Der Meteorologe rechnet noch bis 22 Uhr bis heftigen Gewittern im Norden. "Danach brechen die großen Wolkentürme in sich zusammen." Bis dahin seien jedoch angesichts der rotierenden Wolken und kräftigen Aufwinde auch Tornados möglich. Bereits am Vorabend habe man über Poppenpüttel eine verdächtige Windhose, einen sogenannten Funnel, registriert.

Feuerwehr rückt zu 30 Einsätzen aus

Die Hansestadt ist nach dem befürchteten Unwetter am Donnerstag indes weitgehend glimpflich davon gekommen. So meldete die Feuerwehr am Abend rund 30 witterungsbedingte Einsätze, die meisten davon im Raum Billstedt. Gegen 18.50 Uhr waren am Donnerstag die ersten Notrufe bei der Hamburger Feuerwehr eingegangen. Rund 80 Einsatzkräfte, darunter überwiegend Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren, seien im Einsatz gewesen, so ein Sprecher.

Das Gewitter mit Starkregen habe den Südosten der Stadt betroffen. Vereinzelt wurden Straßen und Keller überflutet. Zudem seien einige Äste von Bäumen abgebrochen. An der Steinbecker Hauptstrasse mussten Personen aus einem Auto befreit werden.

Im angrenzenden Oststeinbek (Kreis Stormarn) setzte der Regen innerhalb kurzer Zeit den Ort unter Wasser, wie die Feuerwehr mitteilte. Gullys sprudelten über, Keller liefen voll, Bäche traten über die Ufer. Eine Ortsdurchfahrt musste wegen Überflutung zeitweise gesperrt werden. In einem Keller stand das Wasser anderthalb Meter hoch und drückte ein Garagentor ein. Eine Brücke über einen Bach war komplett überspült. Die Feuerwehr fuhr hier zu rund 50 Einsätzen.

In Niedersachsen lief ein Supermarkt mit Wasser voll

Auch in Niedersachsen rückten die Feuerwehren zu zahlreichen Einsätzen aus - vor allem im Süden des Landes und in der Lüneburger Heide. In Bad Gandersheim wurde ein Auto samt Insassen von den Wassermassen mitgerissen. Weitere Autofahrer wurden in ihren Fahrzeugen von den Fluten eingeschlossen. In Helmstedt lief nach einem monsunartigen Regenguss ein Supermarkt mit Wasser voll.

In anderen Teilen Deutschlands fielen die Regenfälle schwerer aus. So etwa in Nordrhein-Westfalen. Im Ort Mechernich in der Eifel überflutete das Wasser Straßen und Keller. „Wir hatten einzelne Straßenzüge, die bis zu 1,5 Meter unter Wasser gestanden haben“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend. Mehr als eine Stunde lang regnete es heftig, so dass kleinere Bachläufe anschwollen und über die Ufer traten. Wohnhäuser und Ladenlokale liefen voll Wasser. Vermutlich als Folge des Unwetters stürzte ein Baum auf ein Fahrzeug. Feuerwehrleute befreiten eine schwer verletzte Person.

Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst am frühen Abend noch eine amtliche Warnung vor starkem Gewitter herausgegeben. Vereinzelt könnten auch unwetterartige Gewitter auftreten, hieß es. Selbst Tornados waren "nicht ausgeschlossen". Diese Warnung hängt aber eher mit der Großwetterlage als mit einer konkreten Gefahr oder gar einer sicheren Erwartung zusammen. Zwar war schon am Mittwoch verschiedentlich vor Tornados gewarnt worden. Diese langfristigen Warnungen sind aber nur selten zuverlässig. Gegen 21 Uhr wurde die Warnung wieder aufgehoben.

Schuld am instabilen Wetter ist eine komplexe Lage. So sei die Luftfeuchtigkeit hoch, ebenso die Temperaturen am Boden. In der Höhe sei es unterdessen kalt, so die Hamburger Experten, und dort könnten unterschiedliche Luftmassen zusammenstoßen und somit Gewitter verusachen.

Gute Nachrichten gibt es allerdings auch: Am Wochenende soll sich das Wetter deutlich bessern. Die Norddeutschen erwarten dann Temperaturen von 25 bis 30 Grad mit nur vereinzelten Wärmegewittern.

( josi/dsa/dpa )

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