Schon mal danke

Sie starten in das Abenteuer ihres Lebens

Wenn nicht jetzt – wann dann: Die fünfköpfige Familie Leichsenring aus Norderstedt geht ein Jahr auf Weltreise

Oben bei Julien im Kinderzimmer steht ein Globus, und an der Wand hängt eine große Weltkarte. „Jeden Tag vor dem Einschlafen schaue ich mir die Länder an, die wir bald besuchen werden“, sagt der Achtjährige. Am 4. Dezember starten Stefan und Katrin Leichsenring aus Norderstedt mit ihren Kindern Julien, Marie (beide 6) und Mathilda (3) das Abenteuer ihres Lebens. Sie gehen für ein Jahr auf Weltreise. Die Idee für diesen außergewöhnlichen Trip hatten die Eltern bei der Silvesterfeier 2015 auf einem Pferdehof in Mitteldeutschland.

„Wir haben Lust auf Reisen“ sagt Stefan Leichsenring (33). „Wir wollen unseren Kindern, auch wenn sie noch klein sind, die Schönheiten fremder Länder und Kulturen zeigen. Später, wenn sie 16 oder 17 sind, wollen sie garantiert nicht mehr mit ihren Eltern auf eine solche Tour gehen.“

Auf ihrer liebevoll und professionell aufbereiteten Website schreiben sie: „Orte und Dinge, die wir sehen werden, können wir irgendwann vielleicht nicht mehr sehen, denn die Welt befindet sich in einem permanenten Wandel – politisch, geologisch und klimatisch.“

Stefan und Katrin (32) möchten auf dieser Reise den Fokus auf die Familie schärfen und so den Zusammenhalt stärken. Sie wollen die Natur schätzen lernen und Erfahrungen sammeln, wie man mit den Ressourcen schonend umgeht. Sie wollen in gemeinnützigen Projekten mitarbeiten, neue Sprachen lernen und Völkerverständnis praktizieren. „Vor zwei Jahren, bei einem vierwöchigen Urlaub in Vietnam, hat das auch super funktioniert“, erinnert sich Katrin.

„Natürlich könnten wir bis zur Rente so weitermachen wie bisher“, sagt die begeisterte Marathonläuferin, die im September zusammen mit ihrem Mann in Warschau zum sechsten Mal in ihrem Leben die 42,175 Kilometer lange Distanz in Angriff nehmen wird. „Schließlich läuft doch alles perfekt. Aber das ist uns nicht genug.“ Die ausgebildete Physiotherapeutin hat in ihrer Praxis in Volksdorf viel zu tun, die Familie kommt dennoch nicht zu kurz. Julien träumt von einer Profikarriere als Fußballer und trainiert schon eifrig, Marie nimmt Ballettstunden, und Mathilda liebt Pferde.

Familie Leichsenring sucht noch einen Mieter für ihr Haus

Stefan Leichsenring ist viel unterwegs. Als Numismatiker (Münzsammler) arbeitet er zwei, drei Tage in der Woche von London aus für die norwegische Samlerhuset-Gruppe, die als europaweit führendes Unternehmen Münzen und Briefmarken vermarktet. Gerade steht Stefan mit dem Britischen Museum in Verhandlungen über den Ankauf von Münzen aus der Wikingerzeit (11. Jahrhundert), die ein arbeitsloser Mann im Dezember 2014 auf einem Feld in Aylesbury/Südengland ausgegraben hatte. Die 5251 gefundenen Münzen sollen einen Wert von umgerechnet 1,7 Millionen Euro haben.

Die Leichsenrings sind bestens auf ihr Reiseabenteuer vorbereitet. Stefan wurde von seiner Firma für ein Jahr freigestellt, Katrin hat für ihre Praxis eine Vertretung gefunden. Nur für das Einfamilienhaus in Friedrichsgabe haben sie noch keinen Mieter gefunden. Sie bieten es weiterhin im Internet, im Freundes- und im Bekanntenkreis an (Infos unter Telefon 0151/46 45 41 51).

Das größte Problem (nach vielen Impfungen) war das Thema Schulpflicht, die in Deutschland gesetzlich geregelt ist. Julien und Marie gehen bereits zur Schule. Was also tun? „Am Ende hat uns ein wenig das Glück geholfen“, sagen ihre Eltern.

Stefan und Katrin suchten das offene Gespräch mit der Rektorin und den Lehrern und stießen tatsächlich auf Verständnis. Die Schule hat offiziell einen Antrag beim Schulamt gestellt, er wurde ausnahmsweise genehmigt. „Unsere Kinder verpassen das zweite beziehungsweise dritte Schuljahr. Ihre schulischen Leistungen sind ordentlich, trotzdem haben wir Bereitschaft signalisiert, die Kinder auch notfalls nach der Reise eine Klasse wiederholen zu lassen. Unterwegs werden sie mit unserer Hilfe aber tüchtig lernen.“

Um Geld zu sparen, wollen die Eltern unterwegs arbeiten

Was kostet das Unternehmen Weltreise? Katrin glaubt: „Ich rechne mit 20.000 bis 30 000 Euro.“ Stefan schüttelt den Kopf: „Mit dieser Summe kommen wir nicht aus.“ Damit sie über die Runden kommen, wollen sie während ihrer Aufenthalte in Australien und Neuseeland arbeiten. „Wir haben uns im Internet beim Programm HelpX angemeldet“, erzählt Katrin. Das Prinzip: Gastgeber und Urlauber finden über die Plattform zueinander. Die Reisenden bekommen nach ihrer Ankunft kostenlose Unterkunft und Verpflegung und helfen dafür vier bis maximal fünf Stunden am Tag bei der Gartenarbeit, bei der Verpflegung der Tiere oder im Haushalt.

Am 4. Dezember geht es los: Um 14.15 Uhr fliegt die Familie mit Katar Airways ab Berlin über Doha nach Bangkok. Am Tag ihrer Ankunft hat der thailändische König Geburtstag, das Land steht aufgrund vieler Straßenfeste praktisch still. „Wir müssen sehen, dass wir ein Hotel finden – oder wir müssen weiterreisen.“ Sie nehmen nur leichtes Gepäck mit: zwei Rucksäcke mit dem Nötigsten, was man so braucht.

Kanada und USA stehen nicht auf der Reiseroute – zu teuer

Der genaue Verlauf der Weltreise steht noch nicht fest. Sie wird nach aktuellem Stand über Thailand, Kambodscha, Nepal, Laos, Myanmar und Indonesien zu den Philippinen führen, später nach Australien, Neuseeland, dann mit Zwischenlandung auf einer Südseeinsel nach Südamerika (Brasilien, Chile, Kolumbien, Argentinien) und Südafrika (Botswana, Namibia), dann zurück nach Deutschland. „Kanada und die USA lassen wir aus, weil in diesen Ländern eine Auslandskrankenversicherung für fünf Personen praktisch unbezahlbar ist“, sagen Stefan und Katrin.

Auf der Internetseite www.FamilieAufWeltreise.de können Interessierte nachlesen, wie sich Familie Leichsenring auf das große Abenteuer vorbereitet – und was sie im kommenden Jahr alles erleben wird. Auch das Abendblatt wird über die Weltreise der fünf Norderstedter berichten.