Hamburg

Hauptsache Ordnung!

Sie wissen, dass Sie in der angeblich schönsten Stadt der Welt wohnen, ja? Einer wahrhaftigen Perle. Denn alles klappt hier wie am Schnürchen. Dafür sorgt ein hervorragend strukturierter Verwaltungsapparat, dem nichts entgeht, was ein sicheres und gesetzestreues Zusammenleben gefährden könnte.

Zahlreiche Menschen erfüllen täglich mit Inbrunst wichtigste Aufgaben, indem sie etwa mit einem Zollstock feststellen, dass die zwei Meter erforderliche Breite eines Fußwegs durch zwei Bierbänke, die ein gewissenloser Gastronom vor seinem Mittagslokal an der Carl-Petersen-Straße aufgestellt hat, tatsächlich um sagenhafte 12,5 Zentimeter unterschritten wird. Das ist ein Skandal, der förmlich nach Ordnungsgeld schreit! Da wäre zwar noch der 75 Zentimeter breite Radweg, der wegen seiner zerklüfteten Oberfläche nicht mal mehr begehbar ist. Aber gegen dieses Argument ist der Raumordnungsbeamte immun. Die Bänke müssen weg!

Seinen Adleraugen entgeht nichts. Auch die beiden Autoreifen nicht, die 3,64 Zentimeter einer weißen Begrenzungsmarkierung bedecken, was das sofortige Abschleppen notwendig macht.

Tja, wenn es denn so ist, dann hätte ich jetzt noch: Und zwar ein Dutzend Mülltüten, das von verantwortungs­bewussten Bürgern nach dem Grillen im Park fein verschnürt an Papierkörben abgelegt wurde. Das aber seit einer Woche vom Bezirks-Ordnungsdienst komplett ignoriert wird. Die Ratten sind inzwischen satt, die Tüten zerfetzt und die Abfälle wurden vom Wind verweht. Manchmal sollte man Prioritäten setzen.