Rotherbaum

Neues Konzept für das Zoologische Museum

Die Ausstellung mit 1300 Exponaten erhält ein gläsernes Eingangsfoyer. Auch die Präsentation der Präparate soll zeitgemäßer werden

Rotherbaum. Man könnte die mächtigen Blauwalknochen nehmen. Sie wurden 1929 vom Weltumsegler und Walfänger Carl Kircheiß nach Hamburg gebracht, bildeten jahrelang das Entree seines Grundstücks an der Elbchaussee und verwitterten. Dann wurde Kircheiß überfahren, und die Unterkiefer des größten Säugetiers der Erde landeten in der zoologischen Sammlung. Eigentlich spektakuläre, geschichtsträchtige Ausstellungsstücke. Doch gegenwärtig werden sie bestenfalls halb schön präsentiert, liegen garniert mit einem gänzlich unpassenden Schädeloberteil eines Seiwals auf dem Boden und sind mit dem Stimmungskiller schlechthin versehen. Dem Hinweis: Bitte nicht berühren.

„Das kann man auch anders inszenieren“, sagt Matthias Glaubrecht. Und er wird das jetzt anders inszenieren. Denn im Zoologischen Museum am Martin-Luther-King-Platz haben Sanierungsarbeiten begonnen. Das laut Matthias Glaubrecht „am besten versteckte Museum der Stadt“ soll ein neues Foyer und ein neues Konzept erhalten, sich insgesamt mehr öffnen. Kurzfristiges Ziel ist, die unwürdige Unterbringung der viertgrößten naturkundlichen Sammlung Deutschlands etwas würdiger zu gestalten und Teile der Ausstellung interessanter und vor allem barrierefrei zu präsentieren. Da sich am schmucklosen Waschbeton-Zuhause des Museums vorerst nichts ändert, spricht Glaubrecht aber auch lediglich von „einem Aufhübschen der Braut“.

Matthias Glaubrecht ist seit zwei Jahren Direktor des neu geschaffenen Centrums für Naturkunde in Hamburg (CeNak), unter dessen Dach auch das Mineralogische und Geologisch-Paläontologische Museum aufgegangen sind. Zuvor war der 55-Jährige Mitglied der Leitung des Naturkundemuseums Berlin, einem Publikumsmagneten in der Hauptstadt. Was Präsentation und Würdigung einer bedeutenden naturkundlichen Sammlung angeht, ist er also anderes gewohnt.

In Hamburg fand er 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 1300 öffentlich zugängliche Exponate und ein marodes Gebäude vor. Obwohl die gesamte Kollektion seines Verantwortungs­bereichs mit mehr als zehn Millionen Objekten zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Universitätssammlungen Deutschlands gehört (unter anderem die größte Fischsammlung der Re­publik), wird sie erfolgreich versteckt. Ein dürftiges Hinweisschild an der Bundesstraße spricht Bände.

An gleicher Stelle soll bald ein gläsernes Foyer den einladenden Museumsauftakt bilden – mit Empfangs­tresen, Finni, dem im Keller geborgenen Finnwalskelett, und einem präparierten Eisbären. Thematisch wird die Ausstellung um 180 Grad gedreht, weg vom alten Eingang am Martin-Luther-King-Platz, der künftig vornehmlich den Institutsangehörigen vorbehalten bleibt, hin zur Bundesstraße.

Glaubrecht will bei der Gelegenheit auch die Ausstellung umstrukturieren und zeitgemäßer, dramaturgisch geschickter verpacken. Weg von viel zu viel, viel zu kleinem und viel zu drögem Text, hin zu thematischen Zusammenhängen und einleuchtenden Effekten. Der Wettstreit der Evolutionsforscher Charles Darwin und Alfred Russel Wallace etwa soll ansprechender gestaltet werden. Dem riesigen Blauwalkiefer wird der Kiefer des kleinsten Säugetiers der Welt, der vier Zentimeter langen Et- ruskerspitzmau­s, entgegengesetzt. Der pragmatische Ansatz lautet: Solange das fast schon ewig erscheinende Ringen um ein neues Naturkundemuseum nicht beendet ist, muss aus bescheidenen Mitteln das Beste gemacht werden.

Dabei steht das 1984 eröffnete Zoologische Museum in der Tradition eines 1843 von Hamburger Bürgern gegründeten Naturkundemuseums. Das Gebäude am Steintorwall wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, fast alle Ausstellungsstücke gingen verloren. Bis dato war es das bestbesuchte naturkundliche Museum des Landes. Heutzutage kommen etwa 50.000 Besucher pro Jahr.

Dennoch verfüge die Universität mit der Sammlung, die sich im Keller und den Obergeschossen befindet, „über einen großartigen Schatz“, urteilte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider. Gleichwohl würden Bausubstanz und technische Ausstattung den Erhalt der Sammlungen „langfristig gefährden“. Viele der Schätze sollen nach der Sanierung ihre Geschichte erzählen, ihren Bezug zu Hamburg stärker herausstellen. Die „Mona Lisa“ (Glaubrecht) des Hauses etwa, ein Narwalschädel mit zwei Stoßzähnen aus dem Jahr 1684, stammt noch aus dem alten Naturkundemuseum. Es sei einem damaligen Mitarbeiter zu verdanken, dass das Exponat den Bombenangriff überstanden hat. Er hatte den Schädel im Keller eingemauert.