Energieunternehmen

Der Kampf um die Hamburger Fernwärme-Erzeugung beginnt

Schlagabtausch von Vattenfall und HanseWerk. Beide Energieunternehmen bringen Vorschläge ein – der eine diplomatischer als der andere.

Hamburg.  Der Kampf um die Zukunft des Hamburger Fernwärmenetzes ist eröffnet. Nachdem die Firma HanseWerk Natur (früher E.on Hanse Wärme) vor Kurzem ihr Konzept für einen Ersatz des alten Kohlekraftwerks Wedel durch Module aus Abwärme, Bioenergie und vier neue kleine Kraftwerke im Hamburger Westen vorgelegt hat, fühlte sich nun Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth persönlich zu einer Reaktion herausgefordert. Sein Schreiben an HanseWerk-Natur-Geschäftsführer Jörg Lampe liegt dem Abendblatt vor.

Darin kritisiert der Vattenfall-Chef die Pläne des Mitbewerbers als realitätsfern. Unter anderem stimmen aus Sicht von Wasmuth die zeitlichen und finanziellen Berechnungen nicht, da für die HanseWerk-Lösung ein kosten­intensiver Umbau des Leitungsnetzes nötig sei. „Um die (...) hydraulischen Restriktionen im bestehenden System aufzuheben, bedarf es zusätzlicher Investitionen in deutlich dreistelliger Millionen Euro Höhe“, schreibt Wasmuth, „verbunden mit dauerhaft höheren Betriebskosten und langjährigen Baumaßnahmen in der (...) Innenstadt.“

HanseWerk bleibt trotz Angriff gelassen

HanseWerk reagierte diplomatisch, aber kühl auf die Kritik. „Wir bedanken uns für die sehr kurzfristige Reaktion unseres Marktbegleiters Vattenfall“, sagte Unternehmenssprecher Ove Struck. „Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung beim Betrieb von rund 150 Fernwärmenetzen und hocheffizienten Wärmeerzeugungsanlagen sowie bei der Auskopplung von Abwärme aus Indus­trieprozessen sehen wir allerdings deutlich weniger technische Restriktionen und erwarten auch deutlich geringere Kosten als in dem Schreiben angesprochen.“ Den vom Vattenfall-Chef in dem Brief angeregten Anschluss der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm an die Fernwärme „halten wir hingegen nicht für zielführend“, so Struck.

Die von den Unternehmen öffentlich geführte Debatte über die Zukunft der Fernwärme zeigt, wie sehr hier unterschiedliche Geschäftsinteressen aufeinanderprallen. Nach dem Volksentscheid von 2013 soll das Fernwärmenetz 2019 vollständig von Vattenfall an die Stadt zurückfallen – und mit ihm das alte Kohlekraftwerk in Wedel, das ursprünglich durch ein neues Gaskraftwerk ersetzt werden sollte. Davon ist man heute weit entfernt. Sogar Wasmuth spricht in seinem Schreiben nun erstmals davon, dass Vattenfall zusammen mit der Stadt nach einer Alternative für den Standort Wedel suche.

Im Senat sieht man sich den Wettstreit interessiert an. „Es ist gut, wenn sich die zwei großen Wärmeanbieter in der Stadt aufeinander zubewegen und mit Konzeptideen die öffentliche Diskussion beleben“, sagt Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde. „Aus den Vorschlägen wird deutlich, dass viel für ein modulares Konzept spricht. Wir prüfen derzeit intensiv und sorgfältig, aus welchen Bausteinen die Nachfolgelösung für das Kraftwerk Wedel bestehen kann. Eine Entscheidung dazu soll im Herbst fallen.“

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