Ökologisch einkaufen

Hamburger Bio-Supermärkte im Abendblatt-Test

Jelena Wojtkowiak vom Alnatura Biomarkt an der Wandsbeker Marktstraße

Jelena Wojtkowiak vom Alnatura Biomarkt an der Wandsbeker Marktstraße

Foto: Andreas Laible

Basic, Alnatura oder Bio Company gibt es an fast jeder Ecke. Beim Test der Bio-Supermärkte fällt Experten ein gemeinsamer Mangel auf.

Hamburg. Das Bio-Paradies ist 780 Quadratmeter groß und befindet sich im Alstertal-Einkaufszentrum. Gleich am Eingang des Basic-Supermarkts können die Kunden eine Brokkoli-Suppe zum Preis von 3,50 Euro probieren, bevor sie im blitzblanken, begehbaren Kühlhaus frisches Obst und Gemüse auswählen. Wer im Bio-Supermarkt von Basic einkauft, wird fast immer fündig: Mit rund 12.000 Bioartikeln verfügt das Unternehmen mit Sitz in München nach eigenen Angaben über das größte Sortiment der Bio-Branche.

Doch Basic hat Mitbewerber. Ob Alnatura, Denn’s, Bio Company, Tjaden’s und Erdkorn – Supermärkte für Bioprodukte boomen in Hamburg. Die Verbraucherzentrale schätzt ihre Zahl inzwischen auf 20 bis 30.

Braucht Hamburg noch mehr Öko-Wochenmärkte und Bio-Supermärkte?

Wie gut sind die Anbieter wirklich? Wieviel „Bio“ steckt in diesen Supermärkten? Das Abendblatt hat drei von ihnen – Basic, Alnatura und Bio Company – getestet und zusätzlich Experten um ihr Urteil gebeten. Das Ergebnis: Hamburgs Bio-Supermärkte punkten mit Qualität, Vielfalt und Frische. „Wir kennen keine unseriösen Bio-Supermärkte“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale.

Lesen Sie hier die Abendblatt-Serie "Ich werde grün"

Und nach Ansicht von Markus Hamer, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Servicequalität mit Sitz in Hamburg, präsentieren sie sich mit „insgesamt guter Leistung“ und ansprechend gestalteten, sauberen Filialen.

Decke des Bio-Ladens aus recycelten Joghurtbechern

Beispiel Alnatura, Wandsbeker Marktstraße 2. Die 780 Quadratmeter große Filiale überzeugt mit ihrem Raumangebot und den aktuellen Aktionsständen zur Fußball-EM. In den Farben der Trikolore sind Salzstangen, Chips und Brezeln je nach Verpackung blau, weiß und rot geordnet. „Vor allem sonnabends wird der Markt von den Kunden besucht, dann sind es mehr als 1100“, sagt Marktleiterin Evelyn Fehrer. Die Filiale sei gerade bei älteren Menschen und jungen Familien beliebt; Konkurrenz gebe es in Wandsbek nicht. Am meisten verkauft Alnatura in dieser Filiale Schlagsahne, Tomatenstücke aus der Dose und Apfelsaft. Das Bio-Sortiment umfasst rund 6000 Artikel, darunter sind fast 1300 Bio-Produkte der eigenen Hausmarke. Dass es Alnatura mit Nachhaltigkeit ernst meint, zeigt der Blick auf die Raumdecke. „Sie wurde aus recycelten Joghurtbechern hergestellt.“

Bio Company legt noch mehr Wert auf regionale Produkte

Zwar verkauft Alnatura Produkte regionaler Lieferanten wie der Demeter-Gärtnerei Sannmann in Hamburg und Christiansens Bioland-Hof Esperstoftfeld in Schleswig-Holstein. Aber der Abendblatt-Test ergab, dass bei der Bio Company in der Rindermarkthalle auf St. Pauli noch mehr Wert auf Regionalität gelegt wird.

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin eröffnete seine erste Hamburger Filiale 2009 in St. Georg und betreibt derzeit drei Märkte in der Stadt. „Viele unserer regionalen Hersteller kennen wir persönlich“, sagt Marktleiterin Tanja Köpcke. 50 Prozent des Umsatzes würden mit Waren aus der Region mit saisonalem Fokus erzielt, heißt es in der Geschäftsführung der Bio Company. Dazu zählen Schoko-Biskuits der Bohlsener Mühle aus Niedersachsen genauso wie die frischen Mairübchen aus Großholz (Schleswig-Holstein).

Biomärkte haben Mängel in der Beratung

Auch im Sortiment von Basic im Alstertal-Einkaufszentrum spielen regionale Produkte eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kann die Filiale mit einem Einkaufserlebnis punkten: Aus einem Baumstamm fließt Wasser, während das bunte Foto einer romantischen Streuobstwiese auf die mögliche Herkunft der angebotenen Äpfel deutet. Sie kommen aus dem Alten Land und sind genauso regional verwurzelt wie die Fleisch- und Wurstwaren einer Schwarzenbeker Bio-Metzgerei.

So sehr alle Hamburger Bio-Supermärkte mit ihren zertifizierten Angeboten überzeugen – es gibt auch Mängel. Das Deutsche Institut für Service-Qualität hat in einer bundesweiten Studie Bio-Supermärkte detailliert untersucht; die Ergebnisse sind auch auf Hamburg zu übertragen. „Schwächen zeigen sich in einem Teil der Branche vor allem bei der Beratungskompetenz“, sagt Markus Hamer vom Deutschen Institut für Service-Qualität. Die Mitarbeiter der Märkte seien zwar freundlich. „Aber sie konnten den Kunden nicht immer weiterhelfen und gaben oft unvollständige und teilweise sogar falsche Auskünfte“. Bei der Beratung gebe es daher ein „deutliches Verbesserungspotenzial“.

Obst nur wenig teurer als im Supermarkt

Doch das schmälert einen wesentlichen Effekt nicht: Der Einkauf im Bio-Supermarkt bringt nach Ansicht von Experten gesundheitliche Vorteile. Die Produkte enthalten bis zu 100-mal weniger chemische Pestizide als konventionelle Lebensmittel, sagt Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale. Zudem werde keine Gentechnik eingesetzt und der Tierschutz in der Regel deutlich besser beachtet. Der Test ergab auch: Bei den Preisen sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten meist gering. Bei saisonalem Obst und Gemüse liegen sie nur minimal höher als im herkömmlichen Supermarkt. Weil Bio boomt, sind weitere Märkte geplant – zum Beispiel von Bio Company an der Hoheluftchaussee.